Meldung vom Donnerstag, 18. Februar 2010
Erzählte Geschichte - Die Macht des Schweigens
Mit ihrem Roman »Pasewalk« hat die Hamburger Autorin Doris Gercke ein für sie neues Terrain betreten. Dem breiten Publikum ist Gercke durch ihre Kriminalromane mit der Detektivin Bella Block bekannt. »Pasewalk« berührt nun die eigene Familienhistorie. Es geht um deutsch-polnische Geschichte, um Verbrechen und Schuld, Sühne und Versöhnung. Am 22. Februar war Doris Gercke zu Gast im KörberForum. Im Gespräch mit Kerstin von Stürmer (NDR) berichtete die Autorin anhand ihrer eigenen biografischen Erfahrungen von der Macht des Schweigens in den Familien.
Zum Roman: Lisa ist vierzehn, als ihre Großmutter Dora verhaftet und wegen Mordes verurteilt wird. Seither weigert sich Lisa, mit der alten Frau zu sprechen. Sie ahnt, dass die Tat der Großmutter mit Verbrechen aus der Nazizeit zu tun hat. Diese Zeit geht Lisa nichts mehr an. Dann aber fährt sie, auf Bitten von Dora, nach Pasewalk, in die Stadt, in der die Familie seit Generationen gelebt hatte. Hier vermischen sich Vergangenheit und Gegenwart. Und Lisa muss sich die Frage stellen, ob sie bereit ist, die Geschichte ihrer Familie als ihre eigene Geschichte anzunehmen.
In »Pasewalk« macht Gercke die Sprachlosigkeit in der Familie zu einem nachvollziehbaren und eindringlich beschriebenen Thema. In einer kargen Sprache sucht sie nach Erklärungen für den Erfolg der Nationalsozialisten und des Rechtsextremismus der Gegenwart. Worin bestehen die Wechselwirkungen zwischen erzählter und erlebter Geschichte? Was sind die Möglichkeiten einer offenen Auseinandersetzung mit Vergangenheit und Gegenwart? Auf diese Fragen will die Schriftstellerin Gercke Antworten geben.
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