Meldung vom Donnerstag, 6. Oktober 2011
EUSTORY-Akademie in Berlin
24 junge Europäer aus 14 europäischen Ländern nahmen vom 10. bis 17. September 2011 an der EUSTORY-Akademie »Vernachlässigte Opfer – das Schicksal der Sowjetischen Kriegsgefangenen des Zweiten Weltkriegs« in Berlin teil.
Von Deutschen in Arbeitslagern ausgebeutet, überlebten während des Zweiten Weltkriegs weniger als die Hälfte der 5,5 Millionen sowjetischen Kriegsgefangenen. Doch auch für die Überlebenden bedeutete die Befreiung nicht zwangsläufig das Ende ihrer Qualen. Viele von ihnen wurden nach Kriegsende in der Sowjetunion als »Verräter« gebrandmarkt und in abermalige Gefangenschaft in die Lager des Gulag deportiert. Als kriegsgefangene Soldaten stehen Ihnen nach internationalen Regularien keinerlei Entschädigungszahlungen zu.
Zu Beginn der Akademie wurden die Jugendlichen in verschiedenen Übungen an das Thema herangeführt. Sie besuchten eine Ausstellung im Deutsch-Russischen Museum Karlshorst, einen Expertenvortrag zu Aufbau und Organisation der Konzentrationslager und führten Exkursionen zu den Lagern Schöneweide und Sachsenhausen durch. Vor allem diese beiden Exkursionen veranschaulichten die geographische Nähe der Lager – und damit auch ihrer Insassen – zu Wohngebieten der deutschen Bevölkerung.
Der wichtigste Teil der EUSTORY-Akademie aber war ein Zeitzeugengespräch mit Lev Alexandrejvitsch Netto, einem 86-jährigen ehemaligen Kriegsgefangenen estnischer Abstammung aus Moskau. Allein und in Kleingruppen erarbeiteten die Jugendlichen einen Fragenkatalog an Lev Alexandrejvitsch, der biografische Informationen in Kindheit und Jugend ebenso abdeckte, wie sein Leben als Soldat sowie in deutscher und sowjetischer Gefangenschaft.
Zum Abschluss diskutierten die Teilnehmer mit Dr. Ralf Possekel von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) über die von Deutschland geleisteten Entschädigungszahlungen und die Arbeit der EVZ. Die Tatsache, dass sowjetische Kriegsgefangene bis heute von Entschädigungszahlungen ausgenommen sind, nahmen die Jugendlichen zum Anlass, über alternative Wiedergutmachungen nachzudenken. Sie entwickelten eigene Projektideen, um an das Schicksal dieser vergessenen Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern. Mariella aus Bulgarien zeigte sich ergriffen: »Es war beeindruckend zu erleben, wie 24 junge Menschen aus 14 Ländern entschlossen die Welt davon überzeugen wollten, dass sie sich der Vergangenheit bewusst sind und die Zukunft mit gestalten wollen.«
www.eustory.eu
eustory.wordpress.com/
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