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Foto: Körber-Stiftung/David Ausserhofer

Meldung vom Donnerstag, 7. Juni 2012

Bedingungsloses Grundeinkommen? Europas Jugend ist gespalten

Weist das Konzept des Bedingungslosen Grundeinkommens den Weg zu mehr sozialer Gerechtigkeit in Europa? Die Jugend Europas ist in dieser Frage gespalten, wie eine Umfrage des Online-Magazins »Europe & Me« und des FutureLab Europe ergab. Europaweit nahmen 464 junge Erwachsene zwischen 14 und 35 Jahren an der Online-Ehrhebung teil.

Gefragt wurden die jungen Europäer nach ihren Vorstellungen von sozialer Gerechtigkeit. Sie sollten dabei auch das Konzept des Bedingungslosen Grundeinkommens bewerten. Das sozialpolitische Transfermodell sieht vor, dass jeder Bürger unabhängig von seiner wirtschaftlichen Lage eine gesetzlich festgelegte staatliche Zuwendung erhält, für die keine Gegenleistung erbracht werden muss.

Zwar befürwortete die überwiegende Mehrzahl der Befragten eine Harmonisierung der bestehenden nationalen Ansätze zur Sozialpolitik in Europa (73 %). Die Frage jedoch, ob das Bedingungslose Grundeinkommen den Weg zu einer gemeinsamen Sozialpolitik weisen könne, polarisierte die Teilnehmer. Unentschieden war in dieser Frage kaum jemand. Im Gegenteil: Während die einen sich als klare Befürworter eines Grundeinkommens für alle zu erkennen gaben, lehnten andere dieses Konzept rundweg ab. Die stärkste Ablehnung erfuhr das Bedingungslose Grundeinkommen hierbei in der Gruppe der selbstständigen Männer. Frauen plädierten eher grundsätzlich dafür.

Gefragt nach einer ihrer Ansicht nach angemessenen Höhe des Grundeinkommens, gaben die Befragten in den Ländern Osteuropas in der Mehrzahl eine Summe von 500 Euro und weniger an (87 %). In Nord- und Mitteleuropa bewegte sich die Mehrheit bei einer Summe von 700 bis 1000 Euro. Als größten Vorteil des Bedingungslosen Grundeinkommens gaben die Befragten an, dass das Modell ein soziales Sicherungssystem biete, also als Ersatz für die konventionellen sozialpolitischen Transfersysteme dienen könne. Die schlechte Finanzierbarkeit und eine sinkende Motivation zur Arbeit wurden am häufigsten als Gegenargumente ins Feld geführt.

Der europaweite Wunsch nach einer gerechten Verteilung von Reichtum in der Gesellschaft wurde in der Abschlussfrage deutlich. Die Befragten hatten sieben statistische Modelle der Verteilung von Reichtum zur Auswahl, um einerseits ihr Idealmodell zu wählen, andererseits das gerade noch als gerecht definierte Verteilungsmodell anzugeben. Den zur Auswahl stehenden anonymisierten Modellen lagen die statischen Kennzahlen von China, Irland, Deutschland, Indien, Indonesien und USA zugrunde. Ein siebtes Modell basierte auf utopischen Daten. Die Mehrheit wählte als Ideal dieses »Utopia«.

Über die Ergebnisse der Umfrage und die Chancen und Grenzen einer gerechteren europäischen Sozialpolitik diskutierten die Mitglieder des FutureLab Europe am 7. Juni 2012 mit Wirtschaftsexperten in Belfast.

Die Umfrageergebnisse im Überblick (PDF)

Video von der europe@debate




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