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Schwerpunkt: Demokratie bilden
Foto: Jann Wilken

Warum?

Demokratie ist die einzige Gesellschaftsform, die nicht verordnet werden kann, sondern immer wieder neu gelernt werden muss. Sie zu stärken und lebendig zu halten ist nicht allein Aufgabe des Staates, sondern bedarf aller Kräfte – auch die der Zivilgesellschaft. Damit sich Bürgerinnen und Bürger für Demokratie einsetzen, gilt es, sie bereits in jungen Jahren dafür zu begeistern und zu gewinnen. Untersuchungen zeigen: Wer als Kind oder Jugendlicher die Erfahrung gemacht hat, seine Interessen wirksam vertreten und auf die Gestaltung seiner Lebensumwelt Einfluss nehmen zu können, engagiert sich auch im Erwachsenenalter häufiger in demokratischen Prozessen. Und die Arbeit mit jungen Menschen lehrt: Wer gehört und ernst genommen wird, wer mit gestalten und Verantwortung übernehmen kann, setzt sich aktiv für die Demokratie ein.
 
Klassische Formen politischen Engagements in der Parteiendemokratie bieten hierfür aber immer weniger Anreize, denn gerade Jüngere fühlen sich von der Politik kaum noch angesprochen. Ihr Verhältnis zu den Parteien und politischen Institutionen ist durch Skepsis und Distanz geprägt und die Möglichkeit, in den Nachwuchsorganisationen der politischen Parteien an Veränderungen mitwirken zu können, hat an Attraktivität verloren. Dass junge Erwachsene dennoch durchaus bereit sind, sich für das Gemeinwesen zu engagieren, zeigt ihr nach wie vor reges Interesse an der Mitarbeit und Übernahme von Ämtern etwa in Vereinen, Jugendgruppen oder in der Kirchengemeinde. Immer häufiger sind sie auch jenseits fester Organisationsstrukturen aktiv etwa in Initiativen, Projekten oder informellen Netzwerken, insbesondere dann, wenn sie in überschaubaren Zeiträumen ein konkretes Ziel erreichen und so ihre Lebensumwelt verändern können. Von der Umbenennung einer Straße als Ergebnis eines Erinnerungsprojekts über die Erarbeitung einer Petition für die Einrichtung eines Jugendclubs bis hin zu Online-Plattformen für europapolitische Debatten  – nachhaltiges Demokratielernen heißt Lernen durch Praxis.

Um Jugendliche und junge Erwachsene darin zu stärken, sich kompetent mit Problemen des Gemeinwesens auseinander zu setzen und eigene Positionen im Dialog mit Entscheidern aus Politik und Gesellschaft zu vertreten bedarf es vielfältiger unterstützender Angebote der Zivilgesellschaft: Junge Menschen brauchen Räume, um sich zu erproben, Ernstsituationen für verantwortungsvolles Handeln und die Möglichkeit zum Dialog auf Augenhöhe. Demokratische Fähigkeiten nicht nur erwerben, sondern auch anwenden zu können ist der Schlüssel zur Sicherung einer lebendigen Demokratie in Deutschland und Europa.

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