Sprungmarken

zoom it

v.l. Andreas Bormann, Andreas Kruse, Margaret Heckel, Franz Müntefering
(Foto: Körber-Stiftung/Jann Wilken)

Meldung vom Freitag, 4. Mai 2012

Gerechtigkeit und Solidarität zwischen und in den Generationen

Die Deutschen werden immer älter und die Generation der über 50-Jährigen, die Midlife-Boomer, hatte zu keiner Zeit so viele Chancen und Möglichkeiten wie heute. Ob sie das Alter als gewonnene Lebenszeit betrachten und ihre Potenziale auch von der Gesellschaft geschätzt werden, hängt stark von unserem Bild vom Alter ab.
Margaret Heckel, Autorin von »Die Midlife-Boomer. Warum es nie spannender war, älter zu werden«, erschienen in der edition Körber-Stiftung, sieht die Ursache für die überwiegend negativen Altersbilder in den Frühverrentungen der 80iger  und 90iger Jahre. »Dort sind viele der negativen Alterstypen entstanden.« Heute sei es so, dass gerade in der Arbeitswelt aufgrund des Fachkräftemangels das Alter neu erfunden werden könne. Heckel plädiert für mehr Zeitsouveränität im Berufsleben, zum Beispiel durch Auszeiten und flexible Arbeitszeitmodelle. Damit könne der Hau-den-Lukas-Effekt, wie Franz Müntefering es nannte, verhindert werden. Viele Erwerbstätige würden hart arbeiten »bis es klingelt«, also das Rentenalter erreicht ist, und dann wie der Lukas radikal abstürzen. Auch Prof. Dr. Andreas Kruse, Direktor des Instituts für Gerontologie an der Universität Heidelberg, betonte, dass so ein abrupter Berufsabbruch physiologisch problematisch sei. Zu bedenken sei aber auch, dass »wer auf die Zeit nach der Arbeit fiebert, wohl möglich ein schwieriges Berufsleben und schlechte Arbeitsbedingungen hat«.
Dies führte zu einem weiteren Thema der Runde: der inter- und intragenerationellen Gerechtigkeit. Gerechtigkeit und Solidarität sollte zwischen den Generationen und genauso wie innerhalb einer Generation herrschen. »Wir müssen heute etwas tun und nicht in 20 Jahren. Die Frage ist nicht, was ist mit den Alten sondern was ist mit dieser Gesellschaft?«, sagte Franz Müntefering und fragte »Was müssen wir tun, um ein Hochleistungsland zu bleiben?«. Für den ehemaligen Arbeitsminister heißt das unter anderem früh in Bildung für alle zu investieren. Gleichzeitig wäre das ein Schritt in Richtung intragenerationelle Gerechtigkeit.
Andreas Bormann, der die Diskussion moderierte, fragte zum Schluss, wie jeder einzelne den Satz »Ich werde älter und will noch ...« beenden würde. Franz Müntefering antwortete spontan, dass er noch 100 werden möchten, was auch der Wunsch von Margaret Heckel ist, die dann »noch mehr Zeit vor sich als hinter sich hat« und Andreas Kruse will noch mehr für die Gerechtigkeit tun.




RSS / Podcasts

RSS / Podcasts.
Die Körber-Stiftung bei facebook. Die Körber-Stiftung bei twitter. Die Körber-Stiftung bei youtube.

Sprachauswahl