Christian Freuding und Thomas Ossowski, 8. Dezember 2009

Christian Freuding, Oberstleutnant i.G. und Referent im Planungsstab des Bundesministeriums der Verteidigung, und Thomas Ossowski, Referatsleiter im Auswärtigen Amt, berichteten den Mitgliedern des Körber-Netzwerk Außenpolitik über ihre persönlichen Erfahrungen im Zusammenhang mit ihren beruflichen Aufenthalten in Afghanistan. Angesichts der in der vergangenen Woche erfolgten Verlängerung des ISAF-Mandats durch den Bundestag wurden Perspektiven für das deutsche Engagement in Afghanistan diskutiert.
Christian Freuding war als Chef des Stabes des Provincial Reconstruction Team Kundus tätig. Thomas Ossowski arbeitete vor seiner aktuellen Verwendung als ISAF Director Governance, Deputy Political Advisor (POLAD) des ISAF Commander und Ziviler Leiter des PRT Kundus in Afghanistan.
Thomas Ossowski wies auf die Notwendigkeit eines sog. Musterwechsels mit Blick auf die Afghanistan-Politik hin. Es gelte, die bisherigen strategischen Ansätze einer kritischen Prüfung zu unterziehen, so Ossowski. Die USA hätten dies inzwischen erkannt und einen entsprechenden Musterwechsel vollzogen. Präsident Obama betrachte die Stationierung amerikanischer Truppen in Afghanistan nicht länger als strategische Präsenz der USA im zentralasiatischen Raum, sondern habe konkrete Abzugspläne in Aussicht gestellt.
Christian Freuding erklärte, die Herstellung eines subjektiven Sicherheitsgefühls bei der afghanischen Bevölkerung stelle eine der größten Herausforderungen des deutschen Engagements in Afghanistan dar. Gleichwohl könne das übergeordnete Ziel selbsttragender Stabilität nicht durch eine ausschließlich militärisch ausgerichtete Strategie erreicht werden. Vielmehr gelte es, einen sinnvollen Zusammenhang zwischen militärischer Sicherheit, zivilem Wiederaufbau und wirtschaftlicher Entwicklung herzustellen. Zudem sei die Festlegung konkreter bench-marks, an denen Erfolge im Bereich Justizwesen und Good Governance gemessen werden könnten, notwendig.
Im anschließenden Gespräch diskutierten die Teilnehmer des Körber-Netzwerk Außenpolitik Szenarien für die Zukunft Afghanistans und die Bedeutung regionaler Kooperation für die Stabilisierung des Landes. Konsens bestand unterdessen darin, dass eine Weiterentwicklung der deutschen Afghanistan-Strategie und eine aktualisierte Zielbestimmung erforderlich seien. Der Ausbildung afghanischer Polizei- und Sicherheitskräfte müsse hierbei hohe Priorität eingeräumt werden, so die übereinstimmende Meinung der Diskutanten.
Mit dieser Veranstaltung setzt das Körber-Netzwerk Außenpolitik seine Beschäftigung mit aktuellen außen- und sicherheitspolitischen Fragen fort. In diese Reihe gehören unter anderem die Hintergrundgespräche mit Philip Zelikow, White Burkett Miller Professor of History an der University of Virginia, Guido Steinberg, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Forschungsgruppe Naher Osten und Afrika in der Stiftung Wissenschaft und Politik und Stefan Kornelius, Leiter des Ressorts Außenpolitik der Süddeutschen Zeitung.
Das Gespräch fand im Berliner Büro der Körber-Stiftung statt.
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