Rückblicke 2008

Fotos (2): Jann Wilken
Revolution in der Mikroelektronik
Di 11. November 2008
Hamburger Wissenschaftsforum präsentiert den Körber-Preisträger 2009
Bereits 2004 war es Andre Geim gelungen, die weltweit ersten zweidimensionalen Kristalle herzustellen. Sie bestehen aus einer Lage einzelner, dicht gepackter Kohlenstoff-Atome, die als »Atom-Gaze« zu einer stabilen Schicht verwoben sind. Diese so genannten Graphene sind wahrhaft zweidimensional, da sie nur eine Atomlage »dick« sind. Sie repräsentieren damit eine völlig neue Stoffklasse, denn zuvor waren alle bekannten Materialien dreidimensional. Ebenfalls bahnbrechend sind die mit Graphenen entwickelbaren Technologien. Zwar seien Kohlenstoffstrukturen schon lange bekannt, meinte Prof. Karl Schulte von der Technischen Universität Hamburg-Harburg, doch ihre zweidimensionalen Vertreter würden erst seit den 80er Jahren erforscht. Graphen sei ja überhaupt erst seit vier Jahren bekannt, sagte der Preisträger und die Anwendungsmöglichkeiten dieses Materials seien noch überhaupt nicht abschätzbar. Spekuliert wird jedoch schon in viele Richtungen. Einig sind sich die Experten aber, dass erste Anwendungen wohl im Bereich der Mikroelektronik liegen werden. Vieles, vom Flachbild-TV über Computer bis zum Handy sei denkbar.

Nach dem Mooreschen Gesetz, das besagt, dass sich die Anzahl der Transistoren auf einem Silizium-Chip alle zwei Jahre verdoppeln, sei nach derzeitigem Stand der Technik im Jahr 2020 eine Grenze erreicht, erklärte Prof. Olaf Zukunft von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg. Als Ersatzmaterial für weitere Entwicklungen böte sich dann Graphen als festes und gut elektrisch leitfähiges Material zur Miniaturisierung geradezu an. Noch fehle aber das Wissen für die Gestaltung und Handhabung von Produkten unterhalb von 20 Nanometern. Sicher ist aber schon jetzt: Durch die schier unendlichen Möglichkeiten werden sich zukünftig sehr viele Wissenschaftler mit dem Wunderstoff Graphen beschäftigen. Doch sein Entdecker, Andre Geim, seit 2001 Physikprofessor an der britischen University of Manchester, sieht sich gerade angesichts der zu erwartenden wissenschaftlichen Revolution selbst noch immer eher als »Finder« denn als »Erfinder«. Er werde viel gefragt, was denn mit diesem neuen Material überhaupt alles möglich sei. Die Antworten dazu, so räumte er ein, würde er selbst gern wissen.
Im Jubiläumsjahr der Stiftung 2009 wurde der mit 750.000 Euro dotierte Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft zum 25. Mal vergeben – und bereits am 17. April im Hamburger Rathaus verliehen.
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