Rückblicke 2006
v.l.: Thomas Krüger, Ferdinand Scherf,
Prof. Peter Fauser, Dr. Wolf Schmidt,
Bildungssenatorin Alexandra Dinges-
Dierig. Fotos (3): Jann Wilken
Wozu Schülerwettbewerbe?
Impulse für Bildung und Lernen
Die Zahl der Schülerwettbewerbe in Deutschland ist in den letzten Jahrzehnten rasant gestiegen. Die Angebote reichen vom einfachen Wissensquiz bis zur anspruchsvollen Forschungsaufgabe. Für Schüler wie Lehrer wird es immer schwieriger, zu entscheiden, ob eine Teilnahme sinnvoll ist und inwieweit Talente und Fähigkeiten durch eine Wettbewerbsbeteiligung nachhaltig gefördert werden. Auf einer gemeinsamen Tagung der Körber-Stiftung und des Förderprogramms »Demokratisch Handeln« wurde die pädagogische Leistungsfähigkeit von Wettbewerben auf den Prüfstand gestellt, aber auch ganz praktische Handlungsempfehlungen gegeben: Wie sichern Wettbewerbe die Qualität ihrer Arbeit? Welche Chancen bieten sie für die Schulentwicklung und -profilbildung? Wie können Lehrer, Schüler und die Öffentlichkeit erreicht werden? 120 Vertreter von Wettbewerben, Schulen und Ministerien tauschten sich dazu in Workshops und Podiumsdiskussionen aus.

Zu Beginn der Tagung standen die Potenziale und Möglichkeiten der Kompetenzförderung von Kindern und Jugendlichen im Mittelpunkt. Der Jenaer Schulpädagoge Prof. Dr. Peter Fauser stellte fest, dass Wettbewerbe gegenüber schulischen Angeboten einen »Mehrwert« haben, da sie aus der Zivilgesellschaft heraus die Schüler zu besonderen Leistungen motivieren und dabei eine eigene Anerkennungskultur dieser Leistungen schaffen. Zur Werteerziehung junger Menschen können Wettbewerbe wichtige und qualitätsfördernde Impulse geben, da sie ein fruchtbares Wechselspiel von verständnisorientiertem Handeln und handlungsorientierter Verständigung in Gang setzen. Der Schulentwicklungs- und Bildungsforscher Prof. Dr. Rudolf Messner wies darauf hin, dass Wettbewerbe, die auf Methodenschulung und Wissenschaftspropädeutik abzielen, eine optimale Lernumgebung für das selbstgesteuerte wissenschaftliche Arbeiten und Forschen schaffen. Der Erlanger Pädagoge Prof. Dr. Eckart Liebau machte sich für ästhetisch bildende Wettbewerbe stark. Durch musische Erziehung, bildende Kunst oder das darstellende Spiel böten sich zahlreiche Chancen, auch die persönliche Entwicklung und Kreativität von Schülern zu fördern.
Zur Bedeutung von Wettbewerben für die Begabungsförderung sprach Dr. Lothar Dittmer, verantwortlich für den Bereich Schule und Hochschule in der Körber-Stiftung, mit dem Münchner Lernpsychologen Prof. Dr. Heinz Neber und Experten aus der Schulpraxis. Es wurde deutlich, dass Schülerwettbewerbe nicht nur Begabungen sichtbar werden lassen, sondern für Schüler wie Lehrer nachhaltige Lerneffekte bringen.
Am Folgetag diskutierten die Tagungsteilnehmer über Fragen der Öffentlichkeitsarbeit, Bewertungsstandards und der Schulentwicklung durch Wettbewerbe. Das Fazit: Schülerwettbewerbe sind sehr unterschiedlich konzipiert und es gilt, jeweils für den einzelnen Wettbewerb wirkungsvolle Maßnahmen passgenau zu entwickeln. Für alle Wettbewerbe gleichermaßen wird es jedoch aufgrund schulischer Rahmenbedingungen zunehmend schwieriger, Lehrerinnen und Lehrer für eine Teilnahme zu begeistern.
Hamburger Bildungssenatorin
Alexandra Dinges-Dierig
Schlusspunkt der Tagung war die Frage: »Was ist ein 'guter' Schülerwettbewerb?« Unter der Moderation der Deutschlandfunkredakteurin Kate Maleike kreiste die Diskussion um die Frage, ob es ein Prüfsiegel für gute Wettbewerbe geben sollte. Dr. Wolf Schmidt vom Vorstand der Körber-Stiftung verwies auf die große Zahl von Wettbewerben, die zunehmend als PR-Initiativen allein dem Zweck dienten, wirtschaftlich interessante Kundendaten zu sammeln. Schmidt sprach sich dafür aus, diese unsoliden Angebote von den pädagogisch anspruchsvollen Wettbewerben mit einem Qualitätssiegel abzugrenzen. Diesem Votum für eine Zertifizierung schlossen sich auch der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung Thomas Krüger und der Schulpädagoge Peter Fauser an. Ferdinand Scherf, stellvertretender Schulleiter des Rabanus-Maurus-Gymnasiums aus Mainz, hielt es hingegen für wichtig, die Auswahl der geeigneten Schülerwettbewerbe bei den Lehrern und in den Schulen zu belassen. Die Hamburger Senatorin für Bildung und Sport Alexandra Dinges-Dierig meinte, dass die Politik erst bei jugendgefährdenden Angeboten eingreifen solle: »Bei einer Zertifizierung bin ich sehr zurückhaltend«.
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