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Rückblicke 2006


Fotos (3): Jann Wilken 

Hamburger Bildungsdiskurs: Intelligentes Wissen

Am Anfang ihres Vortrags zum Thema »Intelligentes Wissen« stellte Elsbeth Stern ein verblüffendes Experiment vor: Sie blendete für einige Sekunden 14 Zahlen auf einer Folie ein und bat darum, sie sich zu merken. Diese Zahlen anschließend komplett wiederzugeben, war für alle im Saal unmöglich. Nachdem die Zahlen zu zwei Daten jüngerer deutscher Geschichte kombiniert waren, blieben sie sofort im Gedächtnis haften. Aus der Vielfalt Struktur zu schaffen, sei eines der Prinzipien intelligenten Wissens, betonte Stern.

Der schlimmste Satz in der Bildungsgeschichte, so die Wissenschaftlerin, sei: Lernen lernen statt Wissen aneignen. Dabei unterscheidet sie zwischen drei Wissensarten: dem prozeduralen Wissen, das der Automation dient; dem deklarativen Wissen von Wissen und Konzepten mit dem Ziel der bewussten Kontrolle über das Wissen und dem Strategiewissen zur Entwicklung von Lern- und Denkstrategien.

Anwendbares Wissen sei eine Kompetenz, »mit der ich etwas machen kann, was ich gar nicht gelernt habe«. Zum Lerntransfer komme es nur, so Stern, wenn bei der Bewältigung zweier Anforderungen auf das gleiche Wissen zurückgegriffen werden könne.

Wo bleibe die soziale Kompetenz, wollte Reinhard Kahl von Stern wissen. Zu den Aufgaben der Schule gehöre es, so ihre Antwort, durch Lernumgebungen Gesprächskultur zu schaffen. Eigentliche solle dies vom Kindergarten bis zur Universität selbstverständlich sein. Ein so gesichertes kreatives Miteinander fördere soziale Kompetenzen gleich mit.

Da Lernen verknüpfen von und anknüpfen an Vorwissen bedeute, müssten bei unterschiedlichem Stand in der Klasse auch »dumme« Fragen erlaubt sein, statt nur schlau zu gucken. Bisher spiele aber die Leistungskontrolle in den Schulen eine wichtige Rolle. Hier müsse mehr entzerrt werden und statt dessen das Lernen mehr in den Mittelpunkt rücken. Die nachgeordnete Leistung ergebe sich automatisch. Dabei könne die Lernkontrolle auch von der Lernsituation entkoppelt sein und von außen, durch entsprechende Tests vorgenommen werden.

Schüler sollten sehr früh in Kontexten lernen, wobei sie mit eigenen Erfahrungen konfrontiert werden sollten, an die sie später anknüpfen können. Um so bei den Schülern die entsprechende Kompetenz zu entwickeln, müsse von Seiten der Lehrplaner sehr viel über aufbauende Inhalte nachgedacht werden. Das sei aber bei den Brüchen in unserem Schulsystem schwierig.

Bei einer kurzen Betrachtung des Themas »Intelligenz« postulierte Stern: Wissen schlägt Intelligenz. Ein Schüler mit mehr Vorwissen könne auch einen intelligenteren, der dieses Wissen nicht hat, »schlagen«. Bei gleichem Vorwissen schneide allerdings der intelligentere Schüler besser ab. Es sei klar: Wenn das Wissen fehlt, helfe auch die Intelligenz nicht weiter. Und: Intelligenz müsse in Wissen umgesetzt werden. Intelligenz allein sei kein Freifahrtschein.

Sterns Botschaft: »Wir müssen in der Schule Schülern Gelegenheit geben, Herausforderungen zu meistern.« Dazu müssten Lerngelegenheiten geschaffen werden, die ihre Kompetenz fördern. Wissen werde »konstruiert«, so Stern. Nur Fakten von der Tafel in den Kopf zu transportieren »klappt nicht«.

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