Rückblicke 2006
Erziehungswissenschaftler
Günther Opp von der Uni-
versität Halle-Wittenberg
Fotos (3): Jann Wilken
Risiko Kindheit. Aufwachsen heute
Der Erziehungswissenschaftler Günther Opp begeisterte die Gäste im voll besetzten KörberForum mit einem lebendigen, einfühlsamen Vortrag. Mit der Kraft der Bilder verdeutlichte er seine Gedanken zum »Risiko Kindheit« – und ließ dabei Raum für individuelle Interpretationen. Eindrucksvoll zeigte er so die schwierigen Lebenswelten auf, in denen Kinder immer häufiger aufwachsen. Durch Arbeitslosigkeit und Armut haben die Modernitätsverlierer, wie Opp sie nennt, sehr viel schwierigere Startbedingungen und erleben schon früh und kontinuierlich Benachteiligungen. Die Folgen sind für den späteren Lebensweg verheerend. »Ob Erziehung heute schlechter oder besser ist als noch vor ein, zwei oder drei Generationen sei dahingestellt. Tatsache ist, dass die Folgen von sogenannter schlechter Erziehung, materieller und geistiger Armut sehr viel gravierender sind«, so Opp.
Viel gefragter Experte zum Thema
Kindesentwicklung: Professor Karl-
Heinz Brisch von der Universitäts-
kinderklinik in München.
Eine Möglichkeit Jugendliche zu stärken ist das amerikanische Konzept der »Positive Peer Culture« (PPC). Es nutzt den Einfluss Gleichaltriger, der Peers, aufeinander. In einem beeindruckenden Film wurde deutlich, in welcher Form sich eine Gruppe Jugendlicher mit den Problemen des Alltags wie Liebeskummer, Gewalt, Stress in Schule und Elternhaus auseinandersetzt. Vorher wurden Gesprächsregeln vereinbart und unterschrieben. Ein Erzieher begleitet das Gespräch, lässt aber im wesentlichen die Jugendlichen die Lösungen selbst entwickeln.
STEEP-Initiatorin Martha F. Erikson
aus den USA mit Hamburger
Mütter-Beraterinnen
In dem anschließenden Gespräch, das die Münchener Journalistin Dr. Christine Brinck, moderierte, sagte Opp »der Clou für die Jugendlichen ist, dem anderen helfen zu können«. Auf die Frage welches die wichtigste Kompetenz bei der »Positive Peer Culture« sei, hieß es klar »Zuhören!«. Auf die kritische Frage, ob »Positive Peer Culture« ein Allheilmittel sei, betonte Opp: »PPC ersetzt nicht die Therapie und Familienarbeit. Es ist ein Angebot an Jugendliche.«
Günther Opp wurde 2004 im vierten Transatlantischen Ideewettbewerb USable der Körber-Stiftung ausgezeichnet und hat in der edition Körber-Stiftung das Buch »Kinder stärken Kinder. Positive Peer Culture in der Praxis« herausgegeben.
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