Rückblicke 2007
Fotos (3): Jann Wilken
Werkzeugkiste für Weltverbesserer
Auf dem Podium im KörberForum standen nicht etwa »drei Monteure mit Werkzeugkoffer und Heiligenschein«, wie es Karin Haist, Leiterin des Bereichs Gesellschaft, in ihrer Begrüßung karikierte, sondern drei soziale Netz-Handwerker, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Jürgen Becker erklärt als Kabarettist die Welt und unterstützt durch Benefizauftritte engagierte Initiativen; Franz Meurer entwickelt als katholischer Pfarrer im Kölner Arbeiterstadtteil Höhenberg-Vingst Projekte für Ausgegrenzte, die deren Lebensqualität dort spürbar erhöhen; Martin Stankowski beobachtet und organisiert als Journalist politische und soziale Netzwerke.
Franz Meurer, Jürgen Becker und
Martin Stankowski (v. l. n.r.) sind sich
einig: Man kann etwas tun und es
lohnt sich!
Zu dritt haben sie das Buch »Von wegen nix zu machen. Werkzeugkiste für Weltverbesserer« geschrieben und dafür rund 100 Ideen zusammengetragen. Zum Beispiel den Gabelstaplerführerschein, den 130 Jugendliche ohne Schulabschluss in der Gemeinde von Franz Meurer machen konnten, oder die Leseinitiative von Jürgen Becker und Martin Stankowski in einer Kölner Hauptschule. Über ihr persönliches Umfeld hinaus haben sich die drei auch nach anderen Ideen und Vorschlägen umgesehen. Dabei wurden sie unter anderem beim Transatlantischen Ideenwettbewerb USable der Körber-Stiftung fündig, wo Beispiele bürgerschaftlichen Engagements in den USA daraufhin geprüft werden, ob sie auf deutsche Verhältnisse übertragbar sind.

Das Publikum war von den »Anregungen zum Weltverbessern« begeistert und die Kölner Podiumsgäste davon überzeugt, dass auch im Norddeutschen ein gewisses anarchisches Potenzial stecke, auf jeden Fall die Lust und Bereitschaft mit kleinen und großen Ideen die Welt zu verändern. Nicht aus karitativen Erwägungen, sondern mit der egoistischen Erkenntnis, dass Glück und Zufriedenheit entstehen, wenn man für andere etwas tut?
Einen letzten subversiven, originellen und garantiert befriedigenden – wenn auch nicht ganz ernstgemeinten – Tipp für Engagierte ohne große Portokasse hatte das »Kölner Dreigestirn« zum Schluss: auch ohne Porto kommt ein Brief an, wenn als Absender der Empfänger steht.
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