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Rückblicke 2009

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Matthias Mayer
Fotos (5): Jann Wilken

Evolution heute: Evolution und Sprache

12. Februar 2009

1859 erschien Darwins Werk »Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl«, in dem der britische Naturforscher mit der Schöpfungsbiologie brach. Auch heute noch sorgt sein Werk für Diskussionen. Die Kurzreihe »Evolution heute«, die die Körber-Stiftung gemeinsam mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg veranstaltet, stellt in Darwins 200. Geburtsjahr aktuelle Positionen vor. »Die Evolutionstheorie von Charles Darwin ist wohl das schlagendste Beispiel der letzten einhundertfünfzig Jahre für eine wissenschaftliche Erkenntnis mit gesellschaftlicher Relevanz. Diese Art der Forschung mit Wirkungsmacht müssen wir auch zukünftig stärken und dem Dialog von Wissenschaft und Gesellschaft eine Plattform geben.« machte Matthias Mayer, Leiter des Bereichs Wissenschaft in der Körber-Stiftung, zu Beginn deutlich. Heimo Reinitzer, Präsident der Akademie der Wissenschaften in Hamburg, stellte heraus: »Mit Kopernikus, Kepler, Galilei und von Linné hat Darwin das biblische Weltbild der Alten revolutioniert, unwiederbringlich zerstört und erneuert. Wenn ich ehrlich bin, weiß ich nicht, wie er das hat tun können: Ohne Elite-Uni, Exzellenzcluster und DFG-Förderung.«

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Heimo Reinitzer

Zum Auftakt der Reihe sprach Julia Fischer, Professorin für Kognitive Ethologie an der Universität Göttingen und Leiterin der gleichnamigen Forschungsgruppe am Deutschen Primatenzentrum, mit Martin Meister, dem Chefredakteur von GEO International. Mit großer Anschaulichkeit und zahlreichen Anekdoten aus der Feldforschung beschrieb die Verhaltensbiologin ihre Forschungsansätze, die auf ein besseres Verständnis der Evolution der menschlichen Sprache abzielen.

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Julia Fischer

Julia Fischers Forschungsinteresse gilt insbesondere der Lautgebung und Lautwahrnehmung nichtmenschlicher Primaten. Im südafrikanischen Botswana leitete sie bis 1999 die Forschungsstation »Baboon Camp« im Okavango-Delta, wo sie kommunikative Verhaltensweisen bei Chacma-Pavianen untersuchte. »Bis vor zehn Jahren hat niemand die Kommunikation von Pavianen erforscht, immer stand das Sozialverhalten im Vordergrund. Wir waren in Botswana die ersten, die hier systematischer nachgefragt haben. Es ging uns insbesondere um die kognitiven Fähigkeiten der Kleinsten.« Dabei ging sie folgenden Fragestellungen nach: Wie entwickelt sich die Lautgebung und das Lautverständnis? Sind diese Fähigkeiten angeboren oder müssen die Jungprimaten diese erst erlernen? Wie wird gelernt und wie fein werden Laute unterschieden? Die Verhaltensforscherin kam zu dem Ergebnis: Die Struktur der Laute ist angeboren und genetisch festgelegt, die Bedeutung von Lauten der Artgenossen muss allerdings gelernt werden.

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Martin Meister und Julia Fischer

Bekannt wurde Fischer durch Studien am Leipziger Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie an dem Bordercollie »Rico«. Der Hund mit dem außergewöhnlichen Lernvermögen war bereits 1999 in der ZDF-Sendung »Wetten, dass…?« zu sehen und konnte bei Versuchsbeginn 200 Spielzeuge ihren Bezeichnungen zuordnen. »Erst durch den Fernsehauftritt wurden wir auf Rico aufmerksam. Wir haben vor allem die Art seines Lernens untersucht und uns die Frage gestellt: gibt es ein ‚Schnelles Zuordnen’ und ein ‚Lernen im Ausschlussverfahren’ wie bei Kleinkindern?« Sie fand heraus, dass Rico die Bezeichnung neuer Spielzeuge auf eine Weise lernte, die man zuvor nur von Kindern kannte. »Er ist so gut wie ein dreijähriges Kind und kann auch Dinge über längere Zeiträume behalten. Eine erstaunliche Lernleistung«, betonte die Forscherin.

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An zahlreichen Beispielen diskutierte Julia Fischer die evolutionäre Entwicklung von Lautgebung und Sprache. Intensiv untersucht hat sie die Sequenzerkennung von Staren: »Stare sind in der Lage, in gewisser Weise ähnlich wie Menschen, bestimmte Lautsequenzen, also »rudimentäre Worte« zu erkennen. Ihre Lernleistung ist aber extrem dürftig«, so Fischer. »Besonders hoch entwickelt sind solche Systeme bei der Nachtigall, die im erwachsenen Alter gut 200 Strophen unterscheiden und singen kann. »Was den Menschen vom Tier unterscheidet, ist aber die Entwicklung einer theory of mind. Ein Verständnis dafür zu entwickeln, was der Gegenüber denken könnte oder gar eine Strategie zu entwickeln um auf diese Vorwegnahme zu reagieren, ist nach dem, was wir heute wissen, bei Tieren nicht möglich. Sie können aber zum Teil erstaunliche Dinge lernen, aus denen sich ein direkter Vorteil ergibt. Und diese Fähigkeiten entwickeln sie vor allem durch die Beobachtung anderer Tiere.«

Was den Menschen sonst noch vom Tier unterscheidet, steht im Mittelpunkt der zweiten Veranstaltung »Evolution und Menschenbild«, die am Donnerstag, den 19. Februar 2009 im KörberForum stattfinden wird. Zu Gast sind dann Reinhold Leinfelder, Geologe, Paläontologe und Generaldirektor des Berliner Museums für Naturkunde und Ulrich Lüke, Theologe von der RWTH Aachen. Am 26. Februar 2009 folgen Christian Drosten und Andreas Plückthun zum Thema »Evolution und Medizin«.

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