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Rückblicke 2009

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Fotos (4): Jann Wilken

klug und mutig! Maria von Welser im Gespräch mit Thomas Straubhaar

17. Februar 2009

Zur Zeit habe das Wissen des Ökonomen Thomas Straubhaar mehr Konjunktur denn je, meinte Klaus Wehmeier, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Körber-Stiftung, zur Begrüßung des HWWI-Direktors im KörberForum. So würden die Gäste von „klug und mutig!“ in Zeiten der finanziellen Krisen auf jeden Fall einen geistigen Gewinn mit nach Hause nehmen. Auch Gastgeberin Maria von Welser ging in ihrem Gespräch gleich auf diese Krisensituation ein. Ob wir uns sorgen machen müssten, wollte sie von Straubhaar wissen. Es wäre naiv, wenn nicht, entgegnete dieser, da uns sicher noch Schwieriges bevorstehe. Aber wir seien dabei, zu erkennen, dass für die Zukunft etwas zu ändern sei. Trotz der Probleme der HSH Nordbank seien Landesbanken auch zukünftig nötig, so Straubhaar, da es für mittelständische Unternehmen wichtig sei, über diese zu vernünftigen Konditionen Gelder zu erhalten. Aber auch bei diesen Banken hätte sich ein gewinnorientiertes Geschäftsverhalten entwickelt, das nicht zu ihren eigentlichen Aufgaben gehöre. Hier müsse erst wieder Vertrauen hergestellt werden.

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Straubhaar plädierte für eine persönliche Haftung von Aufsichtsräten, damit diese zukünftig wieder verantwortungsvoll handeln. In den vergangenen Jahren sei das kleine Banken-Einmaleins einfach außer Kraft gesetzt worden. Man hatte ignoriert, dass dort, wo hohe Renditen winken, auch große Risiken lauern. Für eine Landesbank ginge es primär nicht darum, hohe Gewinne zu erzielen. Auch die Finanzminister müssten dieses erkennen und derartige Gewinne nicht bereits in einen zukünftigen Etat mit einkalkulieren. Kleine Betriebe dürften in Fragen der Geldbeschaffung zukünftig nicht mehr von den Zinserwartungen virtueller Finanzdienstleister abhängig sein. Sie müssten zur Bank gehen können und Zinskonditionen erhalten, die sich an ihren zu erwartenden geschäftlichen Umsätzen orientieren.

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Am Ende derartiger Krisen werde der gesunde Menschenverstand gewinnen, so Straubhaar. Die ganze Menschheitsgeschichte sei immer auch eine Geschichte der Krisenbewältigungen gewesen. Knappheit und Mangel habe als Peitsche schon immer technologischen Fortschritt vorangetrieben. Leider würden die Medien in solchen Zeiten aber immer nur die schlechten Nachrichten transportieren. Die jetzige Generation habe die längste Phase ohne Krieg erlebt und konnte 30 Jahre stetig wachsenden Wohlstand genießen. Ihr gehe es um Längen besser, als jeder Generation vor ihr. Nur müsse man jetzt etwas vorsichtiger werden.
Ob denn der Mensch überhaupt lernfähig sei, wollte Maria von Welser wissen. Natürlich sei er moralisch nicht integer, aber die oft zitierte Gier habe ja auch etwas mit Neugier zu tun, vergleichbar mit einem Kleinkind, das Laufen lernt, sich dabei überschätzt und immer wieder hinfällt, bis es seine Lektionen gelernt habe. Was aber alle Experten nicht erkannt hätten: Wie weit sich die Finanzkrise auf die reale Wirtschaft auswirke. Keiner habe gesehen, was in den Bilanzen versteckt war.
Die Handlungen des Staates zielten jetzt zwar grundsätzlich in die richtige Richtung, so Straubhaar, seien aber von einem diffusen Konsens verschiedenster Interessen geprägt. Investitionen in Schulen und Straßen würden zur Ankurbelung der Wirtschaft einfach zu lange dauern.

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Ob der Kapitalismus verspielt habe, fragte von Welser. Kein anderes System sei bislang so erfolgreich gewesen, wie das kapitalistische, marktwissenschaftliche, freiheitliche System, entgegnete Straubhaar. Es komme jetzt darauf an, durch Stärkung des Vertrauens in die eigenen Fähigkeiten, vor allem die Kinder „krisenfest“ zu machen. Leider zeige die Entscheidung, 2500 Euro für ein Auto, aber nur 100 Euro für ein Kind bereit zu stellen, wo gegenwärtig die Schwerpunkte lägen. Aber wir sollten im Blick behalten: Die nächsten 50 Jahre würden härter werden als die letzten.

Dirk Wegner

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