Sprungmarken

zurück zu »Apr.-Jun.«

Rückblicke 2010

zoom
v.l. Roger Willemsen, Hans-Werner Kilz, Peter Struck
(Foto: Jann Wilken)

Körber Debates: Wird Deutschlands Sicherheit am Hindukusch verteidigt?

11. Mai 2010

Ebenso klar wie die Frage gestellt war, zeigte sich schon bei der Eingangsabstimmung die deutliche Meinung im Saal: 111 votierten mit »ja«, 125 dagegen mit »nein«. Dennoch stand für Peter Struck außer Frage, dass es neue Bedrohungen durch den Terrorismus für Deutschland gäbe. Bisher hätten wir »nur Glück gehabt«, dass die auch hier vorbereiteten Anschläge nicht mit schlimmen Folgen umgesetzt wurden. Struck plädierte auch für den Einsatz in Afghanistan, weil sich Deutschland innerhalb der Nato und der EU nicht isolieren dürfe. Ziel sei es dabei die Sicherheitsstrukturen im Lande durch die Ausbildung von Armee und Polizei zu festigen. »Afghanistan muss auf eigenen Füßen stehen.«

zoom
Peter Struck
(Foto: Jann Wilken)

Man sei aus Solidarität mit den USA nach Afghanistan gegangen, aber nicht um Demokratie nach deutschem Muster dort einzuführen. Dennoch habe niemand mit derartigen Schwierigkeiten gerechnet. Von Karsai sei man inzwischen enttäuscht, denn noch immer versickere durch Korruption viel Geld im Lande. Trotzdem könne er einen Ausstieg nicht befürworten. »Das wäre ein schweres Scheitern der westlichen Zivilisation.« Die Folge wäre, dass die Taliban die militärische und politische Macht übernehmen würden, dass Al-Qaida zurückkehren würde und dass das Land ins Mittelalter zurückfallen würde.

zoom
Roger Willemsen
(Foto: Jann Wilken)

Für Roger Willemsen, der sich als Schirmherr des Afghanischen Frauenvereins intensiv für den zivilen Aufbau im Lande einsetzt, stellte sich die Lage anders da. »Wir führen einen Krieg, von dem alle Beteiligten sagen, dass er nicht gewonnen werden kann«, betonte der Publizist. Seit acht Jahren würde über Aufbau geredet, doch der Kredit, den die deutschen Soldaten anfangs hatten, sei inzwischen weg. Das Land sei nicht sicherer geworden und durch die jüngsten Ereignisse würden »jeden Tag neue deutsche Feinde geboren«. Auch würden inzwischen 40 Prozent der Soldaten die Lager überhaupt nicht mehr verlassen.
Mit einem Blick in die Geschichte ging Willemsen auf die Hintergründe des Konflikts ein. Die Taliban seien einst von den Amerikanern finanziert worden, um gegen die Russen zu kämpfen. Sonst gäbe es sie so gar nicht. Es seien etwa sechs- bis achttausend Kämpfer, gegen die 45 Nationen seit zehn Jahren zu Felde ziehen. Ernüchternd sei dabei, so Willemsen, wenn er als Fazit der jüngsten Afghanistan-Konferenz höre: Wir haben jetzt ein Ziel. Man habe wohl acht Jahre kein Ziel gehabt, hätte sich dabei um jeden Vertrauensvorschuss gebracht und wolle das alles jetzt in zwei Jahren ausgleichen – in einem nicht legitimen Krieg, der nicht zu gewinnen sei. Die Militarisierung des Konflikt habe mit dem Ausspionieren von Taliban-Stellungen durch Tornado-Flugzeuge begonnen, meinte Willemsen. Da habe er erstmals gehört: »Jetzt seit ihr Besatzer.«
Zum Argument, dass in Afghanistan der Terrorismus bekämpft werde, erklärte er, es gäbe dann noch sehr viele andere Länder, wo weit mehr Terroristen aktiv seien. Die Taliban hätten einst den Amerikanern ja angeboten, Osama bin Laden auszuliefern, wenn er vor einen internationalen Gerichtshof gestellt werden würde. Das hätten die USA aber abgelehnt, da sie nur ihre eigene Rechtssprechung anwenden wollten. Auch die Beteiligung von Vertretern aus drei muslimischen Staaten hätten sie abgelehnt.

zoom
Foto: Jann Wilken

Dennoch betonte Struck in seinem Schlussplädoyer, eine verfassungsrechtliche Klarstellung des Mandats sei zwar nötig, aber: »Es gibt keine Alternative zum Drinnenbleiben.« Überzeugen konnte er damit das Publikum im KörberForum nicht. In der Schlussabstimmung votierten nur noch 100 Zuhörer für die These, dass Deutschlands Sicherheit am Hindukusch verteidigt werde. 146 Zuhörer verneinten sie und stimmten damit indirekt auch gegen den Einsatz deutscher Soldaten in Afghanistan.

Dirk Wegner

Hören Sie die vollständige Diskussion als Podcast

zum Seitenanfang

Bücher 

KörberPodcasts 

Videos / Livestream 

  Unsere Schwerpunkte

Klicken Sie auf ein Bild für mehr Info.Klicken Sie auf ein Bild für mehr Info.Klicken Sie auf ein Bild für mehr Info.Klicken Sie auf ein Bild für mehr Info.Klicken Sie auf ein Bild für mehr Info.

  Klicken Sie auf ein Bild für mehr Info.

 

Buchtipp:

»Deutschsein«


RSS / Podcasts

RSS / Podcasts.
Die Körber-Stiftung bei facebook.

Sprachauswahl