Sprungmarken

zurück zu »Jan.-Mrz.«

Rückblicke 2011

zoom
Sven Tetzlaff, Leiter des Bereichs Bildung, im Gespräch mit Klartext-Teilnehmern (Foto: Jann Wilken)

Klartext: Zukunft der Atomenergie

7. März 2011

17 SchülerInnen aus Norddeutschland haben sich rund einen Monat lang intensiv auf die Begegnung mit Wolfram König, Präsident des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS), vorbereitet. Sie befassten sich mit den Aufgaben des Bundesamts und recherchierten v.a. zu den Themen »Sicherheit von AKWs« und »Endlagerung« - auch anlässlich des 25-jährigen Jubiläums von Tschernobyl. Kurze Filmeinspieler, die sie u.a. am Kernkraftwerk Krümmel in Geesthacht und über die Befragung von Hamburger Passanten erstellten, rundeten ihre Vorbereitung ab.

Am 7. März um 18 Uhr war es schließlich soweit: Die Jugendlichen trafen im KörberForum auf Wolfram König und sprachen »Klartext« mit ihrem prominenten Gast. Wie er Tschernobyl erlebt habe, wollten die SchülerInnen u.a. von ihm wissen. »Ich habe von dem Unglück als Student erfahren und haben den GAU damals als sehr reale Bedrohung unseres Lebens wahrgenommen«, antwortete der Präsident des BfS. Tschernobyl sei eine unfassbare, nicht vorstellbare Katastrophe gewesen - und dieser Vorfall sei auch eine der Ursachen für die Gründung seiner Behörde, des Bundesamts für Strahlenschutz im Jahr 1989.

Auf die Frage der Klartext-TeilnehmerInnen, König habe doch früher selbst gegen die Atomenergie demonstriert, und ob er als »Grüner« doch eigentlich in der »falschen Behörde« säße, antwortete er, dass er streng zwischen seiner persönlichen und seiner fachlichen Meinung unterscheide. Er glaube zudem, dass man über den Hintergrund von »Anti-Atomkraft-Demonstrationen« noch stärker diskutieren müsse. Das neue »Aufleben« der »Anti-Atomkraft-Bewegung«, wie z.B. bei den Demonstrationen gegen die Castor-Transporte sichtbar geworden, sei, seines Erachtens nach, kein Auflehnen gegen die Transporte selbst, sondern ein Protest der BürgerInnen gegen die beschlossene Laufzeitverlängerung.

zoom
Insgesamt 17 Jugendliche aus Norddeutschland haben sich intensiv auf das Gespräch mit Wolfram König vorbereitet
(Foto: Jann Wilken)

König schätze die Atomkraft vor allem als eine Energieform der Übergangszeit ein. Als die Jugendlichen zu den jüngsten intensiven Diskussionen rund um die Laufzeitverlängerungen nachhakten, äußerte er die Vermutung, das vielleicht größte Manko dieser politischen Entscheidung sei es, dass der Eindruck entstanden sei, man habe den »Ausstieg vom Ausstieg« nur hinter verschlossenen Türen diskutieret. Dies vermittele ein Gefühl des Lobbyismus und sei für die BürgerInnen vor allem auch ein Problem der Glaubwürdigkeit.

Die Auflösung der UdSSR sei, seiner Meinung nach, u.a. auch eine Folge von Tschernobyl bzw. des intransparenten Umgangs mit der Katastrophe gewesen. Es gehe heute auch darum, wie von der Politik und den Betreibern mit den Gefahren dieser Hochrisikotechnologie umgegangen werde.

Von den SchülerInnen darauf angesprochen, ob es ein Endlager geben könne, das auch für die kommenden Generationen sicher sei, und worin eigentlich die konkreten Gefahren der Atommüll-Endlagerung lägen, antwortete König, dass die Herausforderung der Entsorgung in der Vergangenheit systematisch unterschätzt worden seien. Zwar habe man sich beim Einstieg in die Nutzung der Atomenergie in Deutschland in den 1950er Jahren noch Gedanken dazu gemacht, aber man sei irgendwann im Rahmen der Lösungssuche »stecken geblieben«. Vor allem dadurch, dass die Brennelemente nach der Nutzung erst einmal abkühlen müssten, habe man sich einen gewissen Zeithorizont zur Lösung des Problems ausgerechnet. Die größte Herausforderung heute bestünde darin, dass ein Endlager überhaupt nur in tiefen geologischen Schichten zu realisieren sei und dass man Nachweis darüber erbringen müsste, dass die Gesteinsformationen die gelagerten Stoffe so hermetisch abriegeln, dass nichts entweichen und die Lagerung auch nicht wieder an die Erdoberfläche kommen könnten. Dies sei aber insofern sehr schwierig nachzuweisen, weil man etliche zusätzliche Aspekte bedenken und auch hypothetische Annahmen treffen müsse: So dürften sich die Gesteinsbereiche, in denen Atommüll gelagert werde, über die Zeit nicht verändern - auch nicht durch beispielsweise zu erwartende Klimaveränderungen. Auch die Frage nach einer Sicherung des Wissens von und über diesen Standort für künftige Generationen sei eine Herausforderung bei der Endlagerung von Atommüll.

zoom
Die Themen »Sicherheit von AKWs« und »Endlagerung« standen im Zentrum des Podiumsgesprächs
(Foto: Jann Wilken)

Die SchülerInnen fassten zusammen, dass für hochradioaktiven Müll in Deutschland noch kein Endlager gefunden sei, und sie fragten nach, inwiefern das BfS den Standort Gorleben, dessen Neuerkundung 2010 begonnen hätte, als geeignet für die Endlagerung hielte.

Bezüglich Gorlebens sei man derzeit noch weit entfernt von einem »Sicherheitsnachweis«, so der Präsident des BfS. Zwar habe man dort erneute Erkundungen begonnen, doch es sei derzeit noch völlig unklar, ob man diesen Standort wirklich in der geplanten Weise nutzen könne.

Abschließend wollten die SchülerInnen noch etwas Privates von ihrem Gast wissen: Auf die Frage, welchen Stromanbieter das Bundesamt und er selbst nutze, antwortete König, dass alle staatlichen Liegenschaften und auch er Stromanbieter mit einem Großteil an regenerativen Energien nutzten.

Im Anschluss an das Gespräch mit den Klartext-TeilnehmerInnen stellte sich Wolfram König den Fragen der zahlreichen interessierten ZuschauerInnen im KörberForum.

Video

Ausstrahlungstermine der Veranstaltung »Klartext: Zukunft der Atomenergie«

Klartext-Sendetermine auf TIDE TV:
Mo., 14. März 2011 um 20:00 Uhr
Sa., 19. März 2011 um 12:30 Uhr
So., 20. März 2011 um 22:00 Uhr

(TIDE TV läuft bei Kabel Deutschland im analogen Netz auf Kanal 21; bei willy.tel und wilhem.tel im analogen Netz auf Kanal 34 sowie im digitalen Free-TV und bei MartensTV im analogen Netz auf Kanal 9 )

Klartext-Radioübertragung auf TIDE 96,0:
Sa., 19. März 2011 um 14:00 Uhr

(TIDE 96.0 läuft auf UKW 96,0 MHz; im Hamburger Kabel auf 95,45 MHz und per Live-Stream)

zum Seitenanfang

Bücher 

KörberPodcasts 

Videos / Livestream 

  Unsere Schwerpunkte

Klicken Sie auf ein Bild für mehr Info.Klicken Sie auf ein Bild für mehr Info.Klicken Sie auf ein Bild für mehr Info.Klicken Sie auf ein Bild für mehr Info.Klicken Sie auf ein Bild für mehr Info.

  Klicken Sie auf ein Bild für mehr Info.

 

Buchtipp:

»Diese NATO hat ausgedient«

European Photo Exhibition Award


RSS / Podcasts

RSS / Podcasts.
Die Körber-Stiftung bei facebook.

Sprachauswahl