Sprungmarken

zurück zu »Jan.-Mrz.«

Rückblicke 2011

zoom
Die Rednerin der Martin Luther King Lecture 2011
(Foto: Claudia Höhne)

2. Martin Luther King Lecture – Thema Immigration, Integration und Einbindung

17. Januar 2011

Zum zweiten Mal veranstaltete die Körber Stiftung zum amerikanischen Martin Luther King Day am dritten Montag im Januar eine Lecture, um den Errungenschaften des großen Bürgerrechtlers zu gedenken. Durch diese Martin Luther King Lecture der Körber-Stiftung sollen herausragende, internationale Persönlichkeiten der Zivilgesellschaft für ihr Engagement gewürdigt und einer breiteren deutschen Öffentlichkeit vorgestellt werden. Rednerin der diesjährigen Veranstaltung war Ratna Omidvar, Präsidentin der Maytree Foundation in Toronto, die sich für die Integration und Teilhabe von Einwanderern in Kanada und in der Welt einsetzt.

Auch wenn es heute in Staaten wie Kanada und Deutschland keine offene rassistische Unterdrückung mehr gebe, so bestünden die informellen Grenzen weiter, gab Omidvar eingangs zu bedenken. Martin Luther King wäre also erfreut, über die positiven Veränderungen heute und doch würde auch er – wie sie – sagen: Es gibt noch viel zu tun.

zoom
Ratna Omidvar und Melinda Crane im Gespräch
(Foto: Claudia Höhne)

Mit ihrer Stiftung in Toronto versucht Omidvar vor allem eines: Die erfolgreichen Beispiele gelungener Immigrationsgeschichten zu verbreiten, bei Unternehmern, Politikern und den Bürgern Kanadas, die sich täglich mit den Bereicherungen und Herausforderungen der Immigration konfrontiert sehen. Ratna Omidvar ist überzeugt, dass es darum geht, die positiven Aspekte der Immigration zu betonen, nur so lasse sich die Angst vor dem Fremden, dem Neuen und der Veränderung überwinden. Ökonomische und soziale Gründe, die für eine neue, diverse Gesellschaft sprechen, gäbe es schließlich genug.

Der Veränderung sei ohnehin kein Einhalt zu gebieten. In der heutigen Welt werde es überall immer mehr Einwanderer geben: Staaten müssen sich wandeln, anpassen, so Omidvar, nur dann können sie in der neuen Situation gewinnen. Deutschland und Kanada seien in der Hinsicht zwei völlig verschiedene Staaten, mit unterschiedlicher Bevölkerungsdichte und Geschichte – und doch könnten sie voneinander lernen.

zoom
Ratna Omidvar
(Foto: Claudia Höhne)

Kanada gilt weltweit als Musterbeispiel der Integration. Deutschland tut sich zurzeit schwer mit seiner neuen Rolle als Immigrationsland. Doch Ratna Omidvar ist zuversichtlich:

Zwar seien auch in Kanada die meisten Machtpositionen noch traditionell besetzt: »the old boys club«. Aber das Land habe dazugelernt, zum Beispiel die Einwanderungsgesetze der neuen Situation angepasst. Die Deutschen hingegen konzentrierten sich zu sehr auf das Negative, dabei sollten sie auf das blicken, was sie schon erreicht haben. So könne man schon nach drei Jahren im Land die Staatsbürgerschaft erhalten. Die Lösung liegt Omidvar zufolge auf der regionalen Ebene: Wie sich ein Einzelschicksals entwickelt, sei im wesentlichen eine Frage, wie einem Menschen auf lokaler Ebene, in den Schulen, von Nachbarn, am Arbeitsmarkt begegnet werde. Also müssen, so Omidvars Rat, hier Ansätze und Lösungen entwickelt werden, die Aufgeschlossenheit und Engagement fördern.

zoom
Im Publikumsgespräch
(Foto: Claudia Höhne)

So würden die wesentlichen Aspekte für eine gelungene Integration greifbarer: Zugang zu Bildung, Eigentum, politischer Mitbestimmung. Auch Deutschland könne stärker positive Anreize nutzen, um jene Einwanderer zu fördern, die es haben möchte: Wer die Sprache lernt, eine gute Ausbildung hat, sollte dafür auch etwas bekommen. Der Fehler, den Deutschland bisher noch zu oft mache, liege darin sich auf ethnische und religiöse Gruppen zu konzentrieren, anstatt den Fokus auf Kompetenzen und Stärken zu setzen. Außerdem empfahl Omidvar eine bessere Zusammenarbeit zu Fragen der Einwanderung auf europäischer Ebene, um gemeinsam ein progressives Einwanderungsmodell zu entwickeln. Es helfe nichts, sich aus Angst zu sperren. Man solle lieber positiv und konstruktiv gestalten, was ohnehin kommen wird.

Beim anschließenden Publikumsgespräch, moderiert von Melinda Crane, wurde Ratna Omidvar viel Zustimmung entgegen gebracht. Zweifel gab es darüber, wie das negative Image von Einwanderern in der Presse überwunden werden könne, oder wie Anreize zur Integration für Einwanderer geschaffen werden können. Doch Omidvar ließ sich in ihrem Optimismus nicht beirren: Wer etwas verändern wolle, müsse eben anfangen, daran zu arbeiten. Das könne auch Deutschland schaffen – und tute dies auch schon: »Schaut euch an, wer in euren Fußballvereinen spielt, wer in den Parteien in hohe Positionen gelangt ist«, gab Ratna Omidvar zu bedenken. Die Dinge haben längst angefangen, sich zu verändern, man solle sie benennen, um der positiven Entwicklung Kraft zu verleihen.

Audio

»The Next Dream« – Text der Rede von Ratna Omidvar (PDF)

zum Seitenanfang

zur Mediathek...


Die Körber-Stiftung bei facebook. Die Körber-Stiftung bei Twitter. Die Körber-Stiftung bei YouTube. Die Körber-Stiftung als RSS-Feed. Die Körber-Stiftung bei Instagram. alle Social-Media-Kanäle

Sprachauswahl