Wegbereiter für den "letzten Bühnenschliff"
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Gespräch des ehemaligen Intendanten Louwrens
Langevoort mit Dr. Klaus Wehmeier, dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Körber-Stiftung
Langevoort: Seit zehn Jahren existiert das Internationale Opernstudio, die Körber-Stiftung ist von Anfang an einer
seiner wichtigsten Förderer. Welchen Platz hat das Opernstudio unter den Aktivitäten der Körber-Stiftung?
Wehmeier: Unser Förderansatz im Kulturbereich bezieht sich zum einen auf junge Eliten, zum anderen auf regionale Aktivitäten, also auf Kultur in Hamburg. Dabei fühlen wir uns unserem Stifter verpflichtet, der zeit seines Lebens sowohl die Staatsoper unterstützt hat wie auch das Schauspiel und hier insbesondere das Thalia Theater mit seinem Freund Boy Gobert. Ausgehend von diesen »Uraktivitäten« unseres Stifters haben wir ein Konzept entwickelt, das junge Eliten in verschiedenen Kulturbereichen und Kontexten fördern möchte: im Bereich der Musik mit dem Internationalen Opernstudio, im Bereich des Schauspiels mit dem Boy-Gobert-Preis sowie mit dem Körber Studio Junge Regie und im Bereich Fotografie mit dem Körber-Foto-Award. Unser Ziel ist es, hoch begabte junge Talente beim Aufbau ihrer Karriere zu unterstützen und die Öffentlichkeit auf sie aufmerksam zu machen. In diesem Konzept bildet das Internationale Opernstudio mit seinem exzellenten zweijährigen »training on the job« quasi den Nukleus.
Langevoort: Sie verfolgen seit mehreren Jahren die Arbeit des Opernstudios. Wie sind Ihre persönlichen Erfahrungen?
Wehmeier: Ich bin ein Kulturgenießer, aber kein wirklicher Sachkenner. Dennoch habe ich im Verlauf der sieben Jahre, in denen ich dieses Projekt für die Körber-Stiftung begleite, eine Entwicklung beobachtet: Ohne jemandem wehtun zu wollen, glaube ich, dass sich die Qualität der Leistungen stetig gesteigert hat. Das hängt sicherlich damit zusammen, dass dem Ausbildungskonzept – junge Sängerinnen und Sänger zu begleiten und ihnen den »letzten Bühnenschliff« zu geben – von fachlicher wie von Fördererseite eine wachsende Bedeutung zugemessen wird. Als Förderer wollen wir keine anonymen Geldgeber sein, sondern Wegbegleiter und Ansprechpartner. An Ihnen, Herr Langevoort, schätze ich sehr, wie intensiv Sie sich um die Auswahl der Stipendiaten und um das Ausbildungsprogramm gekümmert haben. Sie haben schon beim Einwerben der mehreren Hundert Kandidaten darauf geachtet, die Besten unter den Guten auszuwählen. Das hat meines Erachtens wesentlich dazu beigetragen, dass sich das künstlerische Niveau der Stipendiaten im Laufe der Studiengänge stetig gesteigert hat.
Langevoort: Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Wehmeier: Dass die Absolventen gelegentlich einen Ball zurückspielen. Leider gehen die jungen Leute nach Abschluss ihrer Ausbildung viel zu schnell zur beruflichen Tagesordnung über. Sie haben es vielleicht im beruflichen Wettbewerb besonders schwer, aber es wäre schön, wenn die ehemaligen Stipendiaten ihre gewonnenen Erfahrungen weiterreichen würden, indem sie sich als Pate oder als Förderer ihrer dann jüngeren Kollegen zur Verfügung stellten. Es kann sein, dass dies bereits geschieht und wir wissen es nur nicht. Ich würde mich sehr freuen zu hören, dass das, was den jungen Sängerinnen und Sängern hier zugute gekommen ist, neben ihrer eigenen Karriereentwicklung auch anderswo einen Resonanzboden erzeugt hat.
Langevoort: Das müsste ja nicht in institutionalisierter Form geschehen …
Wehmeier: Unsere Stiftung will ein Forum für Impulse sein. Wenn in den Absolventen des Internationalen Opernstudios ein Feuer entfacht werden könnte, ihre Erfahrungen weiterzugeben, selbst dabei initiativ zu werden, könnte der Nutzen, den sie selbst aus der Förderung gezogen haben, multipliziert werden. Das wäre für die Körber-Stiftung ein schöner Erfolg ihres Engagements.
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