Sprungmarken

Eine Exzellenzinitiative für Musikvermittler

zoom
Foto: Körber-Stiftung

Für den Erfolg und Fortbestand kultureller Institutionen und für die Zukunft kulturellen Lebens wird es verstärkt darauf ankommen, wie kulturelle Inhalte aufbereitet und präsentiert werden. Eine wachsende Rolle spielen dabei charismatische und glaubwürdige Persönlichkeiten, die es verstehen, Schwellenängste abzubauen, Begeisterung auch für komplexe Inhalte zu entfachen und für das offene, neugierige Wahrnehmen zu werben. Es ist absehbar, dass begnadete Präsentatoren, sprachgewandte und ideenreiche Vermittlerpersönlichkeiten und innovativ denkende Programm-Macher im Musikbetrieb künftig wichtiger werden denn je. Denn längst bezieht Musikvermittlung heute Bereiche wie Dramaturgie und Programmplanung einschließlich Formatentwicklung und Medieneinsatz genauso ins Kalkül ein wie Friend- und Fundraising, stets im Spannungsfeld zwischen kulturellem Bildungsauftrag und Marketing. So können mit diesem Verständnis ausgebildete Musikvermittler auch als künftige Kandidaten für die Besetzung von Leitungspositionen im Musikleben angesehen werden.

Die Musikhochschulen haben dies erkannt und bieten Studiengänge im Bereich Musikvermittlung an. Allen derzeitigen Ausbildungsangeboten fehlt jedoch eine gezielte Suche nach und Ausrichtung auf besondere Begabungen und Persönlichkeiten. Denn neben der fachlichen, in einem Studium erwerbbaren Qualifikation kommt es im Konzertleben der heutigen Mediengesellschaft in besonderer Weise auch auf die Persönlichkeit der Vermittlerfigur an und auf ihre Fähigkeit Begeisterung zu wecken.

Deshalb hat die Körber-Stiftung die »Körber Masterclass on Music Education«, ein anderthalbjähriges berufsbegleitendes Reisestipendium für junge, besonders begabte Musikvermittler ins Leben gerufen.

Grundlage des Angebots ist eine weit gefasste Definition von dem, was Musikvermittlung sein kann. Sie muss sich vom Stigma der »Pädagogisierung der Kunst« befreien und zeigen, dass Musikvermittlung als eine »Umgangsform« mit Musik mehr sein kann als die Vorbereitung auf ein Konzert. Mit dem hergebrachten Verständnis von Musikvermittlung wird eine Chance vertan, durch die Person des Vermittlers, seine Kompetenz und Ausstrahlung – sei er nun Künstler oder Pädagoge oder beides – ein zusätzliches, vertiefendes und bindendes Moment der Musikbegegnung zu erfahren.

Die Körber Masterclass on Music Education will

  • für Musikvermittlung einen höheren Stellenwert im Bewusstsein der Musikszene schaffen,
  • begabte Musikvermittler identifizieren und fördern, damit sie künftig an herausgehobener Stelle erfolgreich wirken können,
  • zeigen, dass auch Musikvermittlung besondere Begabungen braucht und
  • Hochschulen ermutigen, im Rahmen der künstlerischen Ausbildung nach besonders begabten Musikvermittler-Persönlichkeiten zu suchen.

Die Körber-Stiftung versteht die Ausbildung von Musikvermittlern analog zur künstlerischen Ausbildung: Während sich begabte junge Musiker auf internationalen Meisterkursen künstlerische Anregungen geben lassen, möchte die Körber-Stiftung mit ihrer »Masterclass on Music Education« gezielt nach herausragenden Begabungen im Bereich Musikvermittlung suchen, diese individuell fördern und bei der Entwicklung ihres ganz persönlichen Profils begleiten.

Die Teilnehmer der Masterclass lernen während ihres Reisestipendiums in Musikmetropolen Deutschlands und des europäischen Auslands Vermittlungsformate unterschiedlichster Sparten direkt kennen, sie tauschen sich mit den Machern aus, entwickeln alternative Lösungsansätze und stellen diese zur Diskussion. Sie erweitern dadurch über das »Handwerkszeug« Musikvermittlung hinaus ihre fachliche Kompetenz. Wesentlich ist die projektbezogene Arbeit mit und der direkte, persönliche Kontakt zu herausragenden Persönlichkeiten der europäischen Musikszene, zu Vertretern aus anderen Kunstsparten sowie Wissenschaft, Kulturpolitik, Wirtschaft etc..

Musikvermittlung braucht Begabung – worum es geht

Musikvermittlung ist mehr. Sie greift überall dort, wo die Resonanz auf den Wert musikalischen Erlebens nicht mehr selbstverständlich ist. Wo Musik ein »Lebensmittel« für die Künstler ist, für alle anderen aber nicht. Wo zwar von »gesellschaftlicher Bedeutung«, »Kreativitätsreserve« oder »Umwegrentabilität« die Rede ist, aber der Wert des inneren Erlebens abhanden gekommen ist oder nicht mehr entdeckt wird.

Deshalb braucht es in diesem Feld Persönlichkeiten, die

  • grundsätzlich ganzheitlich zu denken in der Lage sind,
  • ein tiefes Verständnis für die Wirkungsweise von Kunst mitbringen,
  • kritisches Bewusstsein und Sensibilität besitzen, um vorhandene Gegebenheiten zu hinterfragen und Problemlösungen zu finden,
  • Interesse und Beurteilungsvermögen für gesellschaftspolitische Entwicklungen haben.

Musikvermittlung braucht Haltung: »I want to share what I love« formulierte ein Teilnehmer des internationalen Symposiums THE ART OF MUSIC EDUCATION 2010 in der Körber-Stiftung simpel und weitreichend zugleich. Die eigene Überzeugung für die Musik muss handlungsleitend für alle Aktivitäten sein.

Deshalb braucht es Persönlichkeiten, die

  • die Fähigkeit besitzen, utopisch zu denken und visionär zu handeln,
  • mit innerer Überzeugung und Leidenschaft für die Kunst brennen und die Musikvermittlung als persönliche Herzenssache verstehen,
  • mit Ausstrahlung und Überzeugungskraft Menschen begeistern können.

Musikvermittlung ist Transportleistung. Sie geht weit über die Situation eines Musikvermittlungsprojektes hinaus und umfasst als Gegenüber längst mehr als »das Publikum«. Ein Bild mag dies veranschaulichen: Wer an Musikvermittlung als Nabe im Speichenrad unserer Musik/Kulturszene denkt, stößt auf eine Fülle von Partnern mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Interaktionsweisen: Das Konzertpublikum in seiner Vielschichtigkeit, Förderer und Freundeskreise, die Künstler und ihre Agenturen, Sponsoren und Wirtschaft allgemein, (Kultur-) Politik, andere Kulturinstitutionen, andere Bildungsinstitutionen. Und, last but not least, ist da die eigene, interne Struktur der Konzertorganisation, die es im Sinne einer breit angelegten Aufgabe mitzunehmen gilt.

Deshalb braucht es Persönlichkeiten, die

  • ein Gespür für Zeitströmungen mitbringen und »am Puls der Zeit« sind, um aktuelle Entwicklungen in der musikvermittelnden Arbeit zu berücksichtigen,
  • Zusammenhänge herstellen können, um über den Tellerrand der eigenen Arbeit hinaus andere Institutionen, Kunstsparten, Gedankenströmungen mit einzubeziehen,
  • die Fähigkeit des vernetzten (Quer-)Denkens besitzen und
  • daraus eine eigene Vision vom Umgang mit Musik entwickeln und mit ihrer Persönlichkeit transportieren.

Musikvermittlung ist Kommunikation: So unterschiedlich die Partner und Anforderungen, so klar ist allem gemein: Immer wieder wird es dem Vermittler darum gehen müssen, das Besondere an der Begegnung mit der Musik zu transportieren, und da bleibt ihm oder ihr am Ende oft nur Eines: Die Überzeugungskraft der eigenen Persönlichkeit. Das Gespräch mit dem Publikum, mit einem Förderer, im politischen Umfeld, mit einer anderen Kultureinrichtung – immer wieder findet die Interaktion auch abseits der Musik statt, muss »trocken« über Musik geredet werden, und es steht das Musikerlebnis als Qualität nicht zur Verfügung.

Deshalb braucht es Persönlichkeiten, die

  • eine flexible Kommunikationsfähigkeit für die jeweils adäquate Ansprache unterschiedlichster Zielgruppen mit verschiedenen Medien besitzen, z. B. im Umgang mit Sponsoren gleichermaßen wie bei der Moderation in Kinderkonzerten,
  • lebenspraktische Kompetenz in Form von Nähe zu den Menschen und ihren unterschiedlichen Lebensformen und Bedürfnissen mitbringen,
  • ein reflexives Gespür für Kommunikationssituationen besitzen, um »den richtigen Ton« zu treffen, um die eigene Person – wo nötig – auch zurücknehmen zu können.

Musikvermittlung ist immer: Umgang mit Komplexität, welcher schon um der Kunst willen nicht zur Vereinfachung verleiten darf. Das Attribut der »Komplexität« gilt dabei nicht nur für die musikalische Materie, sondern auch für die Situationen, in denen es um Musik geht, sei es auf, vor oder hinter der Bühne.

Deshalb braucht es Persönlichkeiten, die

  • ein Beurteilungsvermögen für dramaturgische Prozesse mitbringen,
  • die Fähigkeit zur Abstraktion, zur Übertragung besitzen,
  • den Willen und die Fähigkeit besitzen, »ihre« Idee von Musikvermittlung und vom Umgang mit Musik konsequent voranzutreiben,
  • auf der Grundlage solider Fachkenntnis und einer Durchdringung der Materie eine Freiheit im Umgang mit dem Vermittlungsgegenstand besitzen. Dazu gehört auch das Vorhandensein einer künstlerisch-kreativen Ader.

zum Seitenanfang



Die Körber-Stiftung bei facebook. Die Körber-Stiftung bei Twitter. Die Körber-Stiftung bei YouTube. Die Körber-Stiftung als RSS-Feed. Die Körber-Stiftung bei Instagram. alle Social-Media-Kanäle

Sprachauswahl