Körber Studio Junge Regie 2010 – Programm
Die Zofen
von Jean Genet
Folkwang Universität Essen, Regie Katharina Weishaupt
Ausstattung Katharina Weishaupt, Nikolaus Webern
Es spielen: Sarah Franke, Karolina Horster, Franziska Schlaghecke
Diplominszenierung 2009
Übersetzung: Simon Werle
Spieldauer: ca. 60 Minuten
Zum Stück
Claire und Solange sind die Zofen der Gnädigen Frau. Ihr Leben als stinkende Zierpuppen ertragen sie nur, weil sie abwechselnd und heimlich in die Rolle ihrer Herrin schlüpfen. Kein Tag vergeht ohne dieses lebensgefährliche Schauspiel zwischen leidenschaftlicher Unterwürfigkeit und tief ersehnter Macht. Was als Flucht aus der Wirklichkeit begann, wird zunehmend wirklich, so dass die beiden Schwestern einen folgenschweren Entschluss fassen.
Katharina Weishaupt (*1980)
Studiert seit 2006 an der Folkwang Universität. Zuvor war sie Dramaturgieassistentin am Schauspielhaus Dortmund. Regieassistenzen an der Schaubühne Berlin und am Ramshorn-Theatre in Glasgow. Ihre Inszenierung »HAMLET-MASCHINE« gastierte 2009 in Brno, Tschechien beim internationalen ENCOUNTER-Festival. Es folgten Studienprojekte am Schauspiel Essen, für die Ruhr Triennale und das Düsseldorfer Schauspielhaus.
Begründung der Schule für die Teilnahme der Inszenierung
Katharina Weishaupt konzentriert sich in ihrer Diplom-Inszenierung ganz auf die Arbeit mit den drei Schauspielerinnen. Mit ihnen erforscht sie Genets Stück, seine verschiedenen Ebenen, seine Rituale, seine Rollenspiele. Es gibt kein »revolutionäres« Konzept, keine einmontierten Fremdtexte, keine kommentierenden Chöre. Die Ausstattung ist auf ein Minimum reduziert. Die »Handschrift« der Regisseurin ist eben ihr Sich-Einlassen auf die Arbeit mit dem Ensemble. Das ist für die Regie-Ausbildung in Essen typisch, weil die Folkwang Hochschule eine enge Vernetzung mit der Schauspielausbildung bietet. In die ersten anderthalb Jahre des Studiums ist der Regiestudierende Teil der Schauspielklasse. Nur in der Theorie gibt es besonderen Unterricht. Das Konzept der gemeinsamen Schauspiel-Grundausbildung ermöglicht dem Studierenden einen intensiven Einblick in schauspielerische Prozesse. So soll er angehalten werden, seinen Umgang mit den Schauspielern im Probenprozess einfühlsam und kreativ gestalten zu können. Den Schauspieler als »Material« zu behandeln, ihn lediglich zu »benutzen« – was in der Praxis häufig geschieht – soll so ausgeschlossen werden. Auch die oftmals problematische Kommunikation zwischen Regisseur und Schauspieler wird durch die gemeinsame Erfahrung im darstellerischen Prozess verbessert. So frei der Regiestudierende in der Findung seines künstlerischen Ausdrucks, seiner »Sprache«, seines »Stiles« ist, so stark betont der Studiengang in seiner Zielsetzung das partnerschaftliche Verhältnis zum Darsteller. Premiere und Vorstellungen von »Die Zofen« fanden in der Unterbühne des Dortmunder Schauspielhauses statt, ein enger, fast bedrückender Raum, in dem die Zuschauer »hautnah« bei den Darstellern platziert waren. Die Raumlösung in Hamburg wird eine andere sein müssen. Wir hoffen, dass sich auch in der neuen Bühnensituation der Spannungsbogen der Aufführung und das Engagement der Darstellerinnen vermitteln.
Urteil der Jury
Das Stück ist ein interessantes Beispiel, was passieren kann, wenn man seine szenische Fantasie nicht dominant vortreten lässt, sondern in den Dienst eines Stücks stellt, das man erzählen will. In diesem Fall aber doch zu wenig: Genets perfider Machtspiel-Dreier, der hier auf der Folie eines drittklassigen Krimis ausgetragen wird, bleibt stark unterbelichtet. Viele der Tricks, Volten und Untergriffe der Vorlage werden vom permanenten Textfluss weggespült.
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