Zum 100. Geburtstag von Kurt A. Körber: Festakt im Hamburger Rathaus
Zum Auftakt des Festaktes im Hamburger Rathaus kamen Bergedorfer Bürger im Film zu Wort. Bei einer Straßenumfrage an der alten Adresse des Unternehmers und Stifters erinnerten sich viele an den Hamburger Ehrenbürger: Ein Beispiel für Menschlichkeit habe er gegeben. Eine sehr soziale Einstellung habe er gehabt. Wenn es solche Leute nicht geben würde, wären wir arm dran, hieß es.
Angesichts dieser Orientierung am Gemeinwohl spekulierte Hamburgs Erster Bügermeister Ole von Beust am Anfang seines Grußwortes, ob es Körber wohl recht gewesen wäre, dass sein Geburtstag überhaupt in größerem Rahmen gefeiert werde. Doch von Beust beruhigte die zahlreichen Gäste mit dem Hinweis von Helmut Schmidt, dass Körber für öffentliche Anerkennung ja durchaus empfänglich gewesen sei.
»Wir ehren Kurt A. Körber als Dank für seine Großzügigkeit«, betonte von Beust. Er habe viele Dinge in Hamburg angestoßen, teilweise sogar gegen den Widerstand der Stadt. Durch seine Förderung sei die Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg-Bergedorf entstanden. Auch das Thalia Theater und die Hamburger Staatsoper seien von ihm großzügig unterstützt worden. Dabei sei es oft aber nicht nur bei diesem finanziellen Impuls geblieben. Körber habe immer auch selbst ein Stück weit gestalten wollen. Im Rahmen seines Unternehmens habe er eine beinahe familiäre Atmosphäre geschaffen, in der sich die Mitarbeiter »gut behandelt« gefühlt hätten. Körbers stifterisches Engagement sei auf seine Überzeugung zurückzuführen, so von Beust, dass Marktwirtschaft nur in Verbindung mit ethischen Prinzipien funktioniere.
Als »Anstifter« sei Körber auch ein Querdenker gewesen, betonte Wilhelm Krull, Vorstandvorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, in seiner Rede. Körber habe Stiftungen als Instrument gesehen »das Neue, das zur Bewährung drängende – auch das Risiko des Versuchs« zu fördern. Dabei habe das Stiftungswesen nach Körbers Ansicht insbesondere »die kulturelle Aufgabe, sich kritisch mit sehr persönlichen Gestaltungen, oft ganz im Gegensatz zu Gesellschaft und Politik, durchzusetzen«. Krull zitierte Körber, der 1983 von Bundespräsident Carl Carstens die Stiftermedaille erhielt, mit den Worten: »Gerade wir Deutschen dürfen nicht in eine Lage absteigen, in der wir Ideen für nutz- und wertlos halten und statt dessen in Demutshaltung vor kurzfristigen materiellen Interessen verharren«.
Zur aktuellen Situation der Körber AG und der Körber-Stiftung befragte Moderatorin Mely Kiyak die jeweiligen Vorstandsvorsitzenden Werner Redeker und Christian Wriedt. Die wichtigste Spur, die der Unternehmer bis heute hinterlassen habe, sei die finanzielle Unabhängigkeit des Unternehmens, betonte Redeker. Dadurch könne man einerseits langfristige Strategien verfolgen, müsse andererseits wirtschaftlich aber auch überdurchschnittlich erfolgreich sein. Körber habe stets beides, das Gespür für den wirtschaftlichen Erfolg und die Kreativität für technologische Innovationen, verkörpert. Für den Unternehmer gab es keinen Zweifel, so Redeker: Er wollte der technologischen Entwicklung nicht folgen, er wollte sie diktieren. Christian Wriedt hob hervor, dass vor dem stifterischen Engagement natürlich der unternehmerische Erfolg liege. »Das lässt uns Bodenhaftung behalten«, sagte er. Dennoch sei es für die Stiftungsarbeit wichtig, Dinge mit unternehmerischem Wagemut voranzutreiben. Die Weiterentwicklung der Stiftung mit neuen Projekten sei geradezu eine Verpflichtung. Der Stiftungsratsvorsitzende Ulrich Voswinckel erinnerte an Körbers Talent, als »Menschenfänger« viele »große und kleine Namen« für seine Stiftungsarbeit begeistern und gewinnen zu können. Er dankte all denen, die sich auch nach Körbers Tod weiter für dessen Stiftung engagieren.
Dass Körber tatsächlich mit Weitblick agierte, kam im abschließenden Gespräch zwischen ZEIT-Herausgeber Theo Sommer und Bundespräsident a. D. Richard von Weizsäcker, dem Vorsitzenden des Bergedorfer Gesprächskreises, zum Ausdruck. Körber hatte sein seit fast fünfzig Jahren existierendes Gesprächsforum selbst einmal als »seine beste Erfindung« bezeichnet. In keiner anderen Gesprächsrunde habe er bisher einen ähnlich offenen Austausch erlebt, meinte von Weizsäcker. Viele redeten dort vernünftiger miteinander, als man es von ihnen in anderen Umgebungen gewohnt sei. Dieses vertrauliche Zuhören – und auf dieser Basis gemeinsam voneinander zu lernen – sei für ihn das Besondere am Bergedorfer Gesprächskreis. Die Ost-West-Annäherung, die in den ersten drei Jahrzehnten ein wichtiges Thema gewesen war, sei heute von anderen Fragestellungen abgelöst worden. Trotz der Konfrontation zwischen den Machtblöcken USA und Sowjetunion seien die Spielregeln damals doch noch durch Vernunft gesteuert gewesen. Heute gehe es vielfach nicht mehr nur um die Konflikte von Staaten. Dabei seien etwa internationale Bedrohungen durch Terroristen viel stärker durch irrationale Hintergründe beeinflusst. Wenn der Bergedorfer Gesprächskreis in Krisengebieten tage, würden die Ministerien vorab nicht selten Bedenken anmelden, »eigentlich ist man aber froh darüber, dass es uns gibt«.







































