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Festveranstaltung zum 90. Geburtstag von Richard von Weizsäcker

Konzerthaus Berlin, 26. April 2010

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Henry Kissinger, Richard von Weizsäcker, Timothy Garton Ash, Václav Havel und Janusz Reiter
(Foto: Marc Darchinger)

Zum 90. Geburtstag ehrte die Körber-Stiftung Bundespräsident a.D. Richard von Weizsäcker, seit 1995 Vorsitzender des Bergedorfer Gesprächskreises, im Kleinen Saal des Konzerthauses Berlin am Gendamenmarkt. Im Anschluss an eine Begrüßung durch den stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Körber-Stiftung Klaus Wehmeier folgte eine Laudatio durch Altbundeskanzler Helmut Schmidt.

Schmidt verglich Weizsäcker mit Kurt A. Körber. Beide verkörperten auf unterschiedliche Weise den »zu wünschenden Staatsbürger«, der dem Gemeinwohl verpflichtet sei. Er würdigte Weizsäckers Verdienste um die Berechenbarkeit deutscher Außen- und Sicherheitspolitik seit den 50er Jahren. Weizsäcker habe seine außenpolitische Linie der Ostannäherung konsequent verfolgt. Ihm sei es etwa zu verdanken, dass viele Abgeordnete der CDU/CSU durch Stimmenthaltung die Ratifizierung der Ostverträge ermöglicht hätten. Sein politischer Lebensweg mache ihn so zu einem »Symbol deutscher Stetigkeit«. Auch würdigte Schmidt Weizsäckers Rede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes am 8. Mai 1985, die in die »Tiefe der Seele unseres Volkes« gewirkt habe. Erst Weizsäcker habe die große Mehrheit der Deutschen endgültig davon überzeugen können, dass die Niederlage von 1945 im Kern eine Befreiung gewesen sei.

Nach der Laudatio spielten Mitglieder der Staatskapelle Berlin unter der Leitung von Generalmusikdirektor Daniel Barenboim das 1870 entstandene Siegfried-Idyll von Richard Wagner.

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Richard von Weizsäcker und Timothy Garton Ash
(Foto: Marc Darchinger)

Im zweiten Teil der Festveranstaltung diskutierten neben dem Jubilar der ehemalige Präsident der Tschechischen Republik Václav Havel, der ehemalige amerikanische Außenminister und Friedensnobelpreisträger Henry Kissinger und der ehemalige polnische Botschafter in Berlin und Washington Janusz Reiter über »Krieg und Frieden – Lehren aus dem 20. Jahrhundert«. Moderiert wurde die Diskussion von dem Historiker Timothy Garton Ash.

Kissinger dankte Weizsäcker für sein »Eintreten für die Versöhnung mit Gegnern«. Er sei für ihn ein »Symbol für Ehrlichkeit und Hingabe an grundlegende Werte«. Reiter betonte, Weizsäcker habe vielen Polen geholfen, sich Deutschland anzunähern und Vertrauen aufzubauen.

Timothy Garton Ash stellte die These in den Raum, dass die vier wichtigsten Motoren der europäischen Integration, die Erfahrung des Krieges, die sowjetische Bedrohung, die Unterstützung durch die USA und das durch historische Verantwortung geprägte Rollenverständnis Deutschlands in der EU heute massiv geschwächt seien. Weizsäcker stimmte dem teilweise zu. Deutschland verhalte sich heute in der EU sehr viel mehr wie Frankreich oder Großbritannien und sei deswegen weniger Integrationsmotor als früher. Deutschland müsse wieder stärker für die EU eintreten. Reiter forderte, dass das »Gleichgewicht des Vertrauens« in Europa wieder hergestellt werden müsse. Allerdings, so Kissinger, könnten die USA keinen Beitrag mehr zur Herstellung dieses Gleichgewichts und zur Lösung der internen Probleme Europas leisten.

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Konzerthaus Berlin
(Foto: Marc Darchinger)

Darüber hinaus forderte Kissinger von Europa, sich international stärker einzubringen. Er bezeichnete es als die größte internationale Herausforderung, eine Weltordnung zu schaffen, die von allen Staaten als gerecht wahrgenommen werde und niemanden dazu verleiten würde, auf eine Änderung des Status Quo hinzuarbeiten. So solle Iran etwa nicht daran gehindert werden, eine starke Nation zu werden. Der Besitz von Nuklearwaffen oder die Dominanz des Mittleren Ostens seien als Ziele iranischer Politik allerdings nicht akzeptabel.

Havel mahnte, dass Europa »für die ganze Welt verantwortlich« sei und die Demokratiebewegung im Iran aktiv unterstützen müsse. Er selbst sei kein Pazifist. Es gebe Situationen, in denen die Anwendung von Gewalt nicht ausgeschlossen werden dürfe. In diesem Zusammenhang wies Reiter darauf hin, dass sich die Staaten Europas auf der einen Seite an den friedlichen Umgang miteinander gewöhnt hätten, auf der anderen Seite aber in einer Welt agierten, in der die Anwendung von Gewalt weit verbreitet sei. Das sei die größte Herausforderung für das heutige Europa. Weizsäcker forderte intensivere Gespräche mit Iran. Diese seien »notwendig und möglich«.

Unter den 400 geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Kultur waren Außenminister a.D. Hans-Dietrich Genscher, die Bundesministerinnen Annette Schavan und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sowie die Ministerpräsidenten Wolfgang Böhmer und Stanislaw Tillich.

Fotogalerie
Rede von Altbundeskanzler Helmut Schmidt
Podiumsdiskussion (PDF)

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