Meldung vom Dienstag, 9. November 2010
Bildung als Schlüssel zur gesellschaftlichen Balance
Die deutsche Gesellschaft integriere sich entlang des Themas »Bildungsnähe und Bildungsferne«, betonte Peer Steinbrück im KörberForum. Dabei spiele die Sprachkompetenz eine entscheidende Rolle, die ethnische Herkunft weniger. Die Körber-Stiftung hatte eingeladen, um gemeinsam mit Partnern der Stiftung aus Unternehmen und Hochschulen über Maßnahmen in Bildung, Ausbildung und Wissenschaft für einen wettbewerbsfähigen Nachwuchs von morgen zu diskutieren. Leider sei das Bildungssystem derzeit mit 25 Milliarden Euro unterfinanziert, meinte Steinbrück dazu. Im übrigen sehe er im deutschen Förderalismus das größte Hemmnis für weitere positive Entwicklungen auf diesem Sektor.
Eine immer größere Schere zwischen Arm und Reich, der demographische Wandel, eine um sich greifende Alimentationsmentalität bei gleichzeitigem Verlust von Solidarität, Abstiegsängste in der Mittelschicht und Vertrauensverlust in die Politik, die Verschiebung der ökonomischen Gewichte in der Welt – dies alles, so Peer Steinbrück, führe nicht nur zu einer wirtschaftlich prekären Situation, sondern sei auch Ausdruck einer gesellschaftspolitischen Krise. Schon in seinem Buch »Unterm Strich« beschreibt Steinbrück die unterschiedlichen Faktoren, die zu einer besorgniserregenden Bilanz führen. Im KörberForum betonte er noch einmal, dass es gerade durch entsprechende Bildung darauf ankomme, ein Verantwortungsethos für eine Gesellschaft zu entwickeln und zu vermitteln. Wer sich nicht einmische und sich stattdessen in seiner Parallelwelt einrichte, schaffe ein Vakuum, das rasch von anderen Kräften gefüllt werde. Gerade auch Führungskräfte müßten Verantwortung für eine gesellschaftliche Balance übernehmen. Im Rückblick auf die Finanzkrise sprach Steinbrück deshalb auch von »Elitenversagen«. Maß und Mitte seien dabei verlorengegangen, es sei eine Wirtschaft ohne Moral entstanden. Es könne einer Gesellschaft aber nicht egal sein, wenn sich Eliten in einer Parallelgesellschaft abkoppeln würden und dabei der Bezug zur Realität verloren ginge. Auch die Politik habe Fehler gemacht, räumte Steinbrück ein, weil sie erst spät reagiert habe. Aber niemand von den Eliten in den Wirtschaftswissenschaften, den Medien oder den Verbänden habe der Politik zugerufen: »Vorsicht an der Bahnsteigkante.« Soziale Marktwirtschaft sei nicht nur ein ökonomisches Ordnungssystem, sie stelle auch soziale und moralische Ansprüche. Wer sich zu sehr vom Gemeinwohl abhebe, nehme in Kauf, dass gesellschaftliche Konflikte ohne jeden Puffer aufeinanderprallten.
Dass eine Gesellschaft nicht nur in sozialer Hinsicht eine Balance schaffen, sondern sich dabei auch den globalen Veränderungen stellen muss, steht für Steinbrück außer Frage. Bei diesen Prozessen spielten auch weltweite Verschiebungen durch neue technologische Entwicklungszentren eine Rolle. Dem könne nur durch entsprechende Qualifizierungen des eigenen Nachwuchses begegnet werden. Eine Antwort auf die Frage, wie in diesem Zusammenhang etwa die Attraktivität von (naturwissenschaftlich-technischen) MINT-Fächern gefördert werden könnte, hatte Steinbrück nicht. Er diskutierte das Thema aber anschließend im KörberForum mit Verantwortlichen aus Wirtschaft und Wissenschaft, die auf unterschiedliche Weise das Northern Institute of Technology and Management (NIT) und / oder die Initiative Naturwissenschaft und Technik in Hamburg (NaT) unterstützen und in ihrem Engagement den Nachwuchs im Blick haben.
Hören Sie Peer Steinbrück im Podcast
Hier können Sie diese Webseite auf Facebook weiterempfehlen:
Veranstaltungen
Bücher
KörberPodcasts
Videos
Dossiers
Biografie Kurt A. Körber:
Vom Techniker zum Unternehmer
(PDF 5,3 MB)
Als Kapitalist für das Gemeinwohl
(PDF 5,6MB)
Das Engagement des Stifters
(PDF 4,1MB)
Nachrichten-Archiv
Unsere Schwerpunkte





Klicken Sie auf ein Bild für mehr Info.































