Körber-Preisträger im Gespräch
Nur wenn Wissenschaft und Gesellschaft eine gemeinsame Sprache finden, ist auch gegenseitiges Verstehen und Anerkennen möglich. Und darauf legen wir beim Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft besonderen Wert. »Down to earth«, pragmatisch und anschaulich sollen unsere Preisträgerinnen und Preisträger ihre Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit vorstellen. Hören oder schauen Sie doch mal rein!

»Bei der Lichtmikroskopie schien ja eigentlich alles schon seit dem 19. Jahrhundert verstanden zu sein. Ich hatte aber einfach Spaß daran, die Dinge noch einmal von Grund auf neu zu überlegen.«
Am 7. September erhielt Stefan Hell im Hamburger Rathaus den Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft 2011. Vor über 600 Gästen sprach Ranga Yogeshwar mit ihm über die entscheidenden Tricks, im Mikroskop mit Laserlicht nur das zu sehen, was man sehen will, und seinen Antrieb, seit über 100 Jahren gültig scheinende Lehrbuchsätze der Physik in Frage zu stellen.

»Ich habe immer wenig Hemmungen gehabt, auch auf Kollegen aus anderen Disziplinen zuzugehen. Dafür bin ich einfach zu neugierig.«
Am 7. September erhielt Jiří Friml im Hamburger Rathaus den Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft 2010. Im Rahmen des Festaktes sprach Ranga Yogeshwar mit ihm über seine Erfahrungen, sich als Wissenschaftler in kürzester Zeit die großen Themen zu eigen zu machen. Seine Antwort: Sich auf die richtigen Fragen konzentrieren und für ihre Beantwortung gezielt Hilfe aus anderen Disziplinen holen.

»Ich werde häufig gefragt, was denn mit diesem neuen Material überhaupt alles möglich sei. Die Antworten dazu würde ich selbst gern wissen.«
Graphen ist das dünnste Material im Universum und verspricht die Mikroelektronik und Computertechnik zu revolutionieren. Sein Entdecker, der niederländische Physiker und Körber-Preisträger 2009 Andre Geim, ist trotz der internationalen Aufmerksamkeit bescheiden geblieben und sieht sich eher als »Finder« denn »Erfinder«. Beim Wissenschaftsforum von NDR 90,3 und Hamburger Abendblatt berichtet er über die zahlreichen Anwendungsaussichten des neuen Wunderstoffs.

»Weltweit arbeiten wir Wissenschaftler auf über 200 Schlachtfeldern gegen den Krebs. Telomerase ist nur eines von vielen.«
Der Körber-Preisträgerin 2008 Maria Blasco ist es gelungen, eine »Supermaus« zu kreieren, die das Enzym Telomerase im Übermaß produziert und durch diese Stärkung der körpereigenen »Krebspolizei« besonders gut vor Tumorbildung geschützt ist. Außerdem lebt diese Maus im Schnitt 40 Prozent länger als ihre gewöhnlichen Artgenossen. Beim Wissenschaftsforum von NDR 90,3 und Hamburger Abendblatt spricht sie über das Wechselspiel von Alterung und Krebsentstehung und ihre zukünftigen Forschungsansätze.

»Vieles ist bereits mit unserer Maschine machbar, aber ich würde lügen, wenn ich sagen würde: Wir können bereits alles machen.«
Der Körber-Preisträger 2007 Peter Seeberger hat eine »Strickmaschine für Zuckerketten« entwickelt und kann dadurch aus einer Handvoll von Standard-Bausteinen nahezu beliebige, auch kompliziert verzweigte, Mehrfachzucker synthetisieren. Was früher oft mehrere Monate dauerte, gelingt nun deutlich schneller, teils in wenigen Stunden. Beim Wissenschaftsforum von NDR 90,3 und Hamburger Abendblatt erläutert er das Grundprinzip seines Molekülbaukastens und die bahnbrechenden Potenziale bei der Entwicklung neuer Impfstoffe.

»Ohne molekulare Anstandsdamen würden Eiweiße im Körper verklumpen wie zu lang gekochte Spaghetti.«
Dank der grundlegenden Entdeckungen des Münchner Mediziners und Biochemikers Ulrich Hartl, der 2006 mit dem Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft ausgezeichnet wurde, lassen sich möglicherweise Krankheiten wie Alzheimer, Parkinson und Chorea Huntington erfolgreich behandeln. Beim Wissenschaftsforum von NDR 90,3 und Hamburger Abendblatt wird erklärt, warum die von ihm entdeckten molekularen Anstandsdamen zu einem ganz »heißen« Forschungsfeld avanciert sind.

»Das hatte bis dahin noch niemand versucht und alle, denen ich meinen Plan erzählte, lachten mich aus.«
Dank eines genialen Einfalls gelang es dem britischen Physiker und Körber-Preisträger 2005 Philip Russell, dem altgedienten Glasfaserkabel völlig neue Eigenschaften zu verleihen. Winzige Laser, hochempfindliche Umweltsensoren, medizinische Meßgeräte: Die Anwendungsmöglichkeiten scheinen unbegrenzt zu sein. Beim Wissenschaftsforum von NDR 90,3 und Hamburger Abendblatt erläutert er, was für erstaunliche Dinge man mit eingefangenem Licht anstellen kann.

»In Deutschland ist man oft noch zu sehr auf die Probleme fokussiert und vergisst dabei die Möglichkeiten.«
Zusammen mit vier Kollegen wurde Wolf Frommer 2001 mit dem Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft ausgezeichnet. Seinerzeit an der Universität Tübingen tätig, forscht er heute an der Carnegie Institution in Stanford. Im Gespräch mit Martin Meister (GEO) ist sein Blick auf die Risiken beim Einsatz gentechnischer Methoden in der Landwirtschaft daher auch eher pragmatisch-amerikanisch: »Dem weltweiten Bevölkerungswachstum können wir nur durch eine dramatische Erhöhung der Nahrungsmittel-produktion begegnen«.

»Wahrnehmung ist nicht das, was ist, sondern das, was wir aus dem Wissen, das wir in uns tragen, rekonstruiert haben.«
Wolf Singer ist einer der bekanntesten Hirnforscher Deutschlands und wurde 2000 mit dem Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft ausgezeichnet. Im Gespräch mit Martin Meister (GEO) berichtet er über den aktuellen Stand der Forschung und dessen Folgen: An den entdeckten Organisationsprinzipien des Gehirns orientieren sich nicht nur die Entwickler einer neuen Generation von Computersoftware. Auch eine differenziertere Auseinandersetzung mit der Philosophie rät Singer an.

»Wir haben zwanzig Jahre lang nichts getan.«
Mojib Latif ist Deutschlands bekanntester Klimaexperte und hat das 1990 mit dem Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft ausgezeichnete Vorhersagemodell koordiniert. Erstmals konnte mit diesen Berechnungen die Wechselwirkung von Atmosphäre, Ozean, Meeresoberfläche und Kohlenstoffkreislauf berücksichtigt werden. Die Wissenschaftler, so sagt Latif im Gespräch mit Martin Meister (GEO), könnten diese Erwärmung nicht mehr nur durch natürliche Einflüsse erklären. Das Phänomen sei durch Menschen verursacht.
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