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2011: Lichtblicke in die Nano-Welt

»Der Clou meines Verfahrens besteht darin, Moleküle mit Quanten-Methoden gezielt ein- und auszuschalten. Dann muss ich mich um Abbes Wellen gar nicht mehr kümmern«, meinte Stefan Hell, der Träger des Körberpreises 2011. Der Physiker Ernst Abbe hatte schon 1873 sein bislang geltendes Gesetz formuliert, nach dem die grundsätzliche Grenze der Auflösung von Lichtmikroskopen bei 200 Nanometern lag. Dass Hell nun diese Grenze auf 15 Nanometer reduzierte und damit zehnmal schärfere Details sichtbar machen kann, beeindruckte auch Hamburgs Ersten Bürgermeister Olaf Scholz. Man ahne, welche neuen Erkenntnisse sich aus dieser bahnbrechenden Idee gewinnen ließen, meinte dieser zur Eröffnung der Preisverleihung im Festsaal des Hamburger Rathauses. Auf Gallileis Gewissenskonflikt anspielend fügte er hinzu, dass der Wissenschaft heute keine Grenzen der Weltanschauung mehr gesetzt seien. Auch dadurch könnten Wege gefunden werden, die selbst nach physikalischen Gesetzen eigentlich gar nicht möglich wären. Diese Form des wissenschaftlichen Fortschritts »hätte Kurt A. Körber mit Sicherheit begeistert«, betonte Scholz.

Auch Christian Wriedt, der Vorstandsvorsitzende der Körber-Stiftung, schloss sich diesem Gedankengang an. Dem Ingenieur Körber sei klar gewesen, dass das völlig Neue fast immer in Form einer vermeintlich verrückten Idee, einer ungewöhnlichen Einsicht oder einer unerwarteten, aber eben doch hartnäckig gesuchten Entdeckung in die Welt komme. Dabei habe für ihn nie außer Zweifel gestanden, dass die Natur- und Technikwissenschaften der entscheidende Motor für wirtschaftlichen Erfolg und Wohlstand seien. »Wenn wir als Stiftung im letzten Jahr beschlossen haben, die Förderung des MINT-Nachwuchses zu einem unserer Arbeitsschwerpunkte zu machen, steht das durchaus in dieser Tradition«, unterstrich Wriedt.

Investitionen in Menschen seien für Körber stets die besten gewesen »und sind es für uns immer noch«, so Wriedt weiter. Mit Blick auf den Körberpreis fügte er hinzu, dass die Stiftung aber nicht nur symbolisch etwas bewegen wolle, sondern durch das überreichte »Risikokapital« konkrete Forschungsvorhaben auch zum Erfolg führen wolle. Dass Körber durch die Auslobung seines Preises von Anfang an nicht etwa nur Hamburg oder Deutschland im Blick gehabt habe, sondern den Forschungsraum Europa, bestätige angesichts der aktuellen Krisen noch einmal seine Weitsicht. »Europa muss auch ein Europa der Ideen und der geteilten Überzeugungen sein«, sagte Wriedt. »Und selten erweist sich eine Idee als aktueller als die über ein Vierteljahrhundert alte Idee Körbers, dass Wissenschaft und Forschung in diesem Europa der Ideen eine wirkliche Schlüsselrolle zukommt.«

Der diesjährige Preisträger Stefan Hell verdiene es, ein wahrer Forscher genannt zu werden. Er sei von seiner Intuition überzeugt und verfolge eine Idee auch dann beharrlich weiter, wenn andere sie für vermessen hielten, weil für sie die Grenzen der Erkenntnis durch ein vermeintlich gegebenes Naturgesetz längst als gezogen gelten. Doch jetzt habe Stefan Hell die Grenzen des Sichtbaren neu gezogen. »Dass diese Grenzverschiebung keine der theoretischen Optik blieb, sondern von Ihnen auch ganz praktisch mit der Entwicklung eines völlig neuen Mikroskops bewiesen wurde, prädestiniert sie vollends zum würdigen Träger der heutigen Auszeichnung«, fasste der Vorstandsvorsitzende der Körber-Stiftung abschließend zusammen.

Im Gespräch mit dem Journalisten Ranga Yogeshwar erläuterte der Preisträger anschließend die Hintergründe seiner Forschungsarbeit. Über seine Doktorarbeit, so Hell, sei er zur Mikroskopie gekommen und habe Spaß daran gefunden. Bald sei aber auch die Neugier hinzugekommen, ob man die Grenzen dieser Technik nicht auch überwinden könne. Ob für den im rumänischen Banat geborenen und aufgewachsenen Physiker in seinem späteren Forschungsleben nicht auch jene frühen Restriktionen einer Diktatur eine Rolle gespielt hätten, wollte Yogeshwar wissen. Vielleicht habe er wirklich gelernt, nicht alles für bare Münze zu nehmen und durchaus auch Dinge zu hinterfragen, entgegenete Hell. Man merke, dass nicht alles so sei, wie man glaubt. Auch in der heutigen Wissenschaft sei es wichtig, jungen Menschen die Möglichkeit zum Querdenken zu geben. Das sei besonders in den Naturwissenschaften aufgrund des zu beherrschenden Stoffs zunächst einmal mit viel Arbeit verbunden. Aber viele könnten hinterher erleben, dass dieses Forschungsfeld sehr viel Spaß mache.
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