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25 Jahre Körber-Preis

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Ole von Beust
Foto: David Ausserhofer

Körber-Preis 2009:
»Graphen, das dünnste Material im Universum«

Der Festakt im Hamburger Rathaus zur 25. Verleihung des Körber-Preises, der in diesem Jahr an den niederländischen Physiker Prof. Dr. Andre Geim ging, stand im Kontext von zwei weiteren Jubiläen: Dem 100. Geburtstag des Stifters Kurt A. Körber und dem 50jährigen Bestehen der Körber-Stiftung.
Angesichts der gegenwärtigen Wirtschaftkrise betonte Hamburgs Erster Bürgermeister Ole von Beust, dass sich Körber sowohl mit der Auslobung dieses Preises wie auch in seinem Selbstverständnis als Unternehmer als weitsichtiger Visionär gezeigt habe. Er habe nicht nur die Bedeutung der Wissenschaft für die Entwicklung unserer gesellschaftlichen Zukunft erkannt, sondern mit seinen vielfältigen Impulsen immer auch soziale Verantwortung bewiesen. Deshalb sei der Körber-Preis gerade in der heutigen Zeit ein wichtiges Signal, wenn es darum gehe, zu überlegen, welche Weichen zur Bewältigung der Krise neu gestellt werden müssten.

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Christian Wriedt
Foto: David Ausserhofer

Kurt A. Körber wollte die Lebensumstände für viele Menschen verbessern, betonte Christian Wriedt, Vorstandsvorsitzender der Körber-Stiftung, in seinem Grußwort. Dieser Gedanke sei dem Körber-Preis sozusagen als Körbers genetische Ausstattung von Anfang an eingeschrieben gewesen.  Dennoch: Körber sei Unternehmer gewesen und der Preis sei ein unternehmerischer Preis, so Wriedt weiter. Er sei keine Auszeichnung für eine Lebensleistung, sondern Risikokapital für ein aussichtsreiches Forschungsprojekt. »Kaum jemand konnte sich wie Körber für neue Entdeckungen begeistern und kaum jemand hatte wie er die spielerische Neugier, sich auch auf Ausgefallenes einzulassen und dabei ein vorschnelles ‚das geht nicht’ keinesfalls zu akzeptieren. Die Lust und der unbändige Drang, etwas Neues herauszufinden, etwas Neues auszuprobieren, war jene innere Disposition Körbers, die ihn über jede rationale Einsicht von der Unabdingbarkeit von Wissenschaft für die Überlebensfähigkeit unserer Gesellschaft hinaus mit jedem echten Forscher innerlich verband.«

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Prof. Dr. Peter Gruss
Foto: David Ausserhofer

Auch Prof. Dr. Peter Gruss, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft und Vorsitzender des Kuratoriums des Körber-Preises, ging in seiner Festrede zunächst auf Körber als »außergewöhnliche Persönlichkeit« ein, die sich auch »durch ihre Großzügigkeit verewigt« habe. »Kurt Körber verkörpert das Gegenteil jenes Managertypus, der in jüngster Zeit vor allem dadurch aufgefallen ist, dass er viel Geld für sich persönlich beansprucht, und zwar auch dann noch, wenn es dem von ihm geleiteten Unternehmen schlecht geht«, betonte Gruss. Körber habe gewusst, dass die Gesellschaft in Gefahr sei, wenn sie sich im bloßen Geldverdienen erschöpfe. Vielmehr sei es wichtig, so zitierte Gruss Körber, den Bürgersinn zu stärken, der über das eigene wirtschaftliche Interesse hinausreiche und auf das Interesse der Allgemeinheit, auf das öffentliche Wohl ziele.

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Foto: David Ausserhofer

Auch Gruss lobte die »unternehmerische Freiheit«, die mit dem Körber-Preis, der seit seiner ersten Verleihung »fraglos eine Institution mit internationalem Renommee« geworden sei,  verbunden ist. Vor allem in der zunächst rein erkenntnisgetriebenen Grundlagenforschung sei es essentiell, dass Wissenschaftler unabhängig von äußeren Vorgaben Themen und Methoden frei wählen könnten. »Ich rechne es Herrn Körber hoch an, dass er mit dem Preis diesem Prinzip gefolgt ist.«

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v.l. Prof. Dr. Andre Geim, Christian Wriedt
Foto: David Ausserhofer

»Für unser Jubiläumsjahr hätten wir uns gar keinen besseren Preisträger wünschen können«, hatte Christian Wriedt den Physiker Prof. Dr. Andre Geim begrüßt. »Als Sohn deutscher Vorfahren in Russland geboren, haben sie heute  die niederländische Staatangehörigkeit und arbeiten seit Jahren in England an der Universität Manchester: Sie sind sozusagen eine europäische Forschungsgruppe in einer Person.« Wriedt hatte damit auf die »wohl wichtigste Wandlung« des Körber-Preises hingewiesen. Seit 2005 werden nicht mehr europäische Teams ausgezeichnet, sondern einzelne herausragende Forscherinnen und Forscher, die in Europa arbeiten. Hinter der bahnbrechenden Idee stecke allermeist doch ein herausragender Kopf, eine treibende Kraft, so Wriedt.

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Prof. Dr. Andre Geim
Foto: David Ausserhofer

Geims Entdeckung ist das Wundermaterial Graphen, die weltweit ersten zweidimensionalen Kristalle aus Kohlenstoff-Atomen. 2004 gelang es dem Physiker erstmals, diese Kristalle herzustellen. Sie bestehen aus einer Lage einzelner, dicht gepackter Kohlenstoff-Atome, die als »Atom-Gaze« zu einer stabilen Schicht verwoben sind. Diese Graphene sind zweidimensional, da sie nur eine Atomlage »dick« sind – flacher geht es in der Welt der Atome nicht. Sie repräsentieren damit eine völlig neue Stoffklasse und sind praktisch das dünnste Material im Universum.  Mit ihm lassen sich bahnbrechende neue Technologien entwickeln.
So ist es Geim unter anderem gelungen, Prototypen winziger Transistoren auf Graphen-Basis zu entwickeln. Sie sind rund zehn mal kleiner als die kleinsten herkömmlichen Prototypen und schalten mit nur einem einzigen Elektron. Graphen-Transistoren könnten in nicht allzu ferner Zukunft Silizium-Transistoren ersetzen, die – zu Millionen in Mikrochips gepackt – heute »Herzstück« praktisch aller Geräte der Unterhaltungselektronik sind, vom Flachbild-TV über Computer bis zum Handy. Die nochmals feineren Strukturen der Graphen-Transistoren stehen in der Welt der Mikroelektronik für »schneller« und »energiesparender«.

Was Geim mit der Entwicklung dieses Materials gelang, fasste Prof. Dr. John O’Reilly, Vorsitzender des Search Committee Technical Sciences des Körber-Preises, in seiner Laudatio mit den Worten Ralph Waldo Emersons zusammen: »Folge nicht dem Pfad, sondern geh dort, wo es noch keine Pfad gibt und hinterlasse eine Spur.«

Festrede von Prof. Dr. Peter Gruss

Jubiläumsbroschüre (PDF) »Exzellente Köpfe« zum 25-jährigen Jubiläum des Körber-Preises

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Mitschnitt vom Wissenschaftsforum im KörberForum am 11.11.2008:
NDR 90,3, Abendjournal Spezial vom 29.11.2008
Moderation: Angela Grosse und Marion Förster

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