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Schwerpunkt: Lust auf MINT!
Foto: Thomas Rokos, Initiative Naturwissenschaft & Technik

Warum?

Unsere Gesellschaft ist geprägt durch Wissenschaft. Wirtschaftlich gesehen werden wir uns immer stärker hin zu forschungs- und wissensintensiven Beschäftigungsfeldern entwickeln. Gleichzeitig entsteht bedingt durch den demografischen Wandel ein hoher Ersatzbedarf an akademisch ausgebildeten Menschen, insbesondere in den so genannten MINT-Fächern: in Mathematik, Informatik, den Naturwissenschaften und Technik.

Immer lauter und deutlicher formuliert werden aus Wirtschaft und Wissenschaft die Sorgen angesichts der Qualität und der Quantität des naturwissenschaftlich-technischen Nachwuchses. Es steht zu befürchten, dass der Fachkräftemangel sich zu einer ernsthaften Innovationsbremse und zum Wettbewerbsnachteil für den Wirtschaftsstandort Deutschland entwickeln könnte. Der Bedarf an MINT-Fachkräften ist jetzt schon hoch und wird mittelfristig noch zunehmen. So prognostiziert die letzte Studie des Stifterverbandes, dass bis 2020 etwa 230.000 Fachkräfte fehlen werden, was umgerechnet eine Ausbildungslücke von jährlich 20.000 Absolventen - in erster Linie der ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge - bedeutet. Nach einer Schätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln ist der Bundesrepublik wegen des Ingenieurmangels im Jahr 2006 ein Schaden von ca. 3,5 Mrd. Euro wegen nicht erwirtschafteter Gewinne entstanden.

Hier für Abhilfe zu sorgen, dürfte kaum kurzfristig gelingen. Zwar hat sich Deutschland bei den mathematischen und den naturwissenschaftlichen Kompetenzen seit der ersten PISA-Untersuchung 2000 von einem Platz im unteren Mittelfeld bis 2009 auf sehr respektable Ergebnisse über dem Durchschnitt der OECD-Länder vorgearbeitet, aber der Abstand zu den führenden Ländern ist immer noch deutlich. Überdies ist das Gesamtbild auch sehr heterogen und die positive Entwicklung betrifft nicht alle Bildungsschichten und ist auch regional unterschiedlich: So belegt etwa Hamburg regelmäßig nur einen der hinteren Plätze. Dabei ist die Verbesserung der Kompetenzen nur die eine Seite der Medaille. Eine ebenso wichtige Aufgabe für die Schulen ist es, mehr Schülerinnen und Schüler für MINT-Fächer zu begeistern und diese Begeisterung dann auch nachhaltig zu verankern, beispielsweise belegt durch eine entsprechende Fachwahl in der Oberstufe. Diese Herausforderung setzt sich an den Hochschulen fort. Dort gilt es, für eine entsprechende Verbesserung der Studienbedingungen zu sorgen und mehr junge Menschen zu einem Studienabschluss zu führen. Dazu ist es beispielsweise unerlässlich, die überproportional hohen Abbruchquoten in diesen Fächern deutlich zu senken.

Gefragt allerdings sind nicht nur die Bildungsinstitutionen selbst, sondern gefordert ist auch die Bildungspolitik, die für entsprechende Rahmenbedingungen sorgen muss. Neben der Bereitstellung von personellen und institutionellen Ressourcen gehören dazu vor allem auch die verlässliche Verankerung der MINT-Fächer in den Bildungsplänen und die Reform von Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte. Und nicht zuletzt sind die Abnehmer, sprich Wirtschaft und Industrie gefordert, einen wesentlichen Beitrag zu leisten. Dazu gehört die Kooperation mit Schulen ebenso wie die Bereitstellung von vielfältigen Praktikumsplätzen, die Unterstützung des außerschulischen Lernens, die Beteiligung an dualen Studienprogrammen und nicht zuletzt das Angebot attraktiver Arbeitsplätze für die Absolventen von Bachelor- und Masterstudiengängen.

Unseres Erachtens geht es bei der MINT-Bildung aber nicht nur um die wirtschaftliche Sicherung unseres Wohlstandes, auch nicht nur um die bloße Eröffnung jeweils individueller Karrierechancen für unsere Kinder und Jugendlichen. Es geht – und dies ist sicherlich ein treibender Kern unseres Engagements als Stiftung – auch und gerade darum, die naturwissenschaftlich-technische »Alphabetisierung« unserer Gesellschaft als Ganzes sicher zu stellen. Vor dem Hintergrund einer wachsenden Technologisierung nahezu aller Lebensbereiche liegt darin ein wesentlicher Schlüssel zur demokratischen Teilhabe und zur verantwortlichen Mitgestaltung unserer Zukunft.

Neben der konkreten Projektarbeit sehen wir dabei unsere Aufgabe und auch unsere besondere Chance als gewissermaßen neutrale Institution vor allem darin, die unterschiedlichen Akteure auf diesem Feld zu vernetzen. Denn nur, wenn Schule, Hochschule, Wirtschaft und Politik die zu bewältigenden Herausforderungen als gemeinsame begreifen, besteht Aussicht auf Erfolg.

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