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Foto: Till Schürmann

Meldung vom Montag, 2. Juli 2012

Mädchen und MINT

Frauen sind in naturwissenschaftlich-technischen Berufen und Studiengängen nach wie vor unterrepräsentiert – ein Zustand, der nicht zuletzt angesichts des akuten Fachkräftemangels dringend der Änderung bedarf. Aber: Wie kann es gelingen, mehr Mädchen für die MINT-Fächer, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, zu begeistern? Studien belegen, dass es nicht mangelnde Begabung und Leistungsfähigkeit, sondern in der Tat geschlechtsspezifische Barrieren sind, die Mädchen den Zugang zu einem Studium oder einer Ausbildung im naturwissenschaftlich-technischen Bereich erschweren.Worin genau bestehen diese Barrieren und wie lassen sie sich überwinden?

Im Rahmen der von der Körber-Stiftung, der Robert Bosch Stiftung und der Deutsche Telekom Stiftung organisierten bundesweiten Fachtagung »Keine Angst vor Wissenschaft«, die am 21. und 22. Juni in Karlsruhe – der Stadt der jungen Forscher 2012 – stattfand, wurde diese Frage ausführlich diskutiert.  Unter dem Titel »Forsche Schülerinnen – Wie lassen sich Mädchen für MINT begeistern?« stellten sich in einer der Sessions drei Projektinitiativen vor, die dieses Ziel mit unterschiedlichen Strategien verfolgen.Moderiert wurde diese Gesprächsrunde von Julia André, Programm Managerin im Bereich Wissenschaft der Körber-Stiftung. Ihr Fazit: Patentrezepte sind nicht in Sicht, denn dazu sind die Ursachen für das (vermeintliche) weibliche Desinteresse an den MINT-Fächern zu vielfältig und komplex. Es lassen sich aber – mindestens – drei Handlungsfelder identifizieren, in denen erfolgreiche Projektstrategien ansetzen sollten:

Mädchen brauchen Zeit und Raum

Die Jungen machen einfach – die Mädchen denken erst mal nach. Auf diese grobe Formel lassen sich die unterschiedlichen Herangehensweisen der Geschlechter bringen. Während die Jungen nach dem Motto Versuch und Irrtum verfahren und wenig Scheu haben, dabei auch Fehler zu machen, ist es den Mädchen – so berichten Schul- und Projektpraktiker einhellig – ein großes Bedürfnis, zunächst die theoretischen Grundlagen sowie Sinn und Zweck etwa eines naturwissenschaftlichen Experiments zu verstehen. Das führt nicht selten dazu, dass Mädchen sich an den Rand gedrängt fühlen und »abgehängt« werden, weil sie keine Zeit und keinen Raum für ihre spezifische Arbeitsweise bekommen.

Mädchen brauchen Bezüge und Begründungen

Deutlich stärker als bei den Jungen hängt das Interesse der Mädchen an naturwissenschaftlich-technischen Fragestellungen davon ab, wie ein Thema aufbereitet ist und in welchen Zusammenhang es gestellt wird. Abstrakte Begriffe wie Thermodynamik oder Gravitation schrecken Mädchen eher ab; sie interessieren sich aber sehr wohl für die Naturphänomene, in denen diese Gesetze am Werk sind. Neben der Anschaulichkeit sind auch moralische Überzeugungen und Wertvorstellungen von Bedeutung: Mädchen kommt es viel stärker darauf an, das, was sie lernen und tun, als sinnvoll und relevant zu erleben. Für Mädchen macht es beispielsweise einen Unterschied, ob das Funktionsprinzip einer Pumpe am Beispiel des Herzens oder einer Ölpumpe erklärt wird – den meisten Jungen ist das gleichgültig. Diese andere Sichtweise macht sich auch in der Berufswahl bemerkbar: So entscheiden sich nach wie vor sehr wenige junge Frauen für ein Studium der Ingenieurwissenschaften. In den Umweltingenieurwissenschaften dagegen, die offensichtlich als in besonderem Maße gesellschaftlich relevant eingestuft werden, ist ihr Anteil signifikant höher.

Mädchen brauchen Vorbilder

Die Tatsache, dass Mädchen – wenn überhaupt – nur sehr wenige Frauen in naturwissenschaftlich-technischen Berufen erleben, trägt ganz entscheidend dazu bei, dass sie das anfangs genauso wie bei den Jungen vorhandene Interesse an den MINT-Fächern verlieren und diese bei ihrer Zukunftsplanung häufig gar nicht in Betracht ziehen. Dieses Defizit zeigt sich in allen Lebensbereichen: in der Familie, in der Schule, in den Medien. Mädchen hören von ihren Müttern, dass diese auch schon schlecht in Mathe waren; sie erleben meist männliche Physik- oder Chemielehrer, die ihnen weniger zutrauen als den Jungen, und im Fernsehen oder Kino kommen Frauen in naturwissenschaftlich-technischen Berufen so gut wie nie vor. Das alles führt dazu, dass Mädchen im Hinblick auf die MINT-Fächer häufig sehr wenig Vertrauen in ihre Leistungsfähigkeit entwickeln.




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