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2 × hören
  • Foto: Oliver Reuther
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    Neustart von »2 x hören« mit Rafael Rennicke

    Nach langer Pandemie-Pause und mit neuer Moderation feiert »2 x hören« sein 15-jähriges Bestehen. Künftig wird Rafael Rennicke durch die Abende im KörberForum führen. Schon bei der Premiere wurde klar, dass der Musikwissenschaftler und Journalist die Reihe neu prägen wird.

    »Hier verweben sich unsere Geister«, sagt der Perkussionist Alexej Gerassimez über Improvisation. Wie sie entsteht, wie zwei musikalische Seelen gleichsam zu einem zusammenwachsen, war Thema bei »2 x hören« im KörberForum. Musikalischer Aktivposten auf der Bühne war neben dem Schlagzeuger Alexej Gerassimez der Jazzpianist Omer Klein. Als Ausgangsmaterial und »Steinbruch« diente Igor Strawinskys »Feuervogel«. Dessen düstere Facetten regte das Duo – vor und nach einem Werkstattgespräch mit Rafael Rennicke – zu zwei ganz unterschiedlichen Improvisationen an. Rennicke, der aus der Körber Masterclass on Music Education entstammt, meint, »dass wir über die Rätsel und Wunder der Musik mehr staunen sollten, als zu glauben, wir müssten sie lösen«. Ein kurzes Interview mit ihm findet sich hier.

    Wie kamen Sie zur Musik und zur Wissenschaft darüber?

    Musik ist um mich, seit ich denken kann. Wenn mein Vater – ein Deutsch- und Musiklehrer am Gymnasium – von der Schule nach Hause kam, saß ich schon unter dem Flügel. Dann spielte er für mich Schumanns Fröhlichen Landmann, von der Arbeit zurückkehrend“. Ich spielte in meiner Kindheit und Jugend Klavier und Cello, irgendwann auch jedes Jahr bei »Jugend musiziert«. Aber dann wollte ich doch auch wissen, warum das so ist, dass etwa Mozart anders klingt als Beethoven und Schubert wiederum anders als Beethoven… Das brachte mich zur Musikwissenschaft. Und ich habe diesen Schritt nie bereut.

    Wann langweilen Sie Konzerte? Wann sind sie aufregend?

    Das beste Mittel gegen langweilige Konzerte: Beim Zuhören die Bildererweckungsmaschinen im eigenen Kopf anwerfen! Denn die Fantasie kann komponieren und kompensieren – und damit auch über die routinierteste Aufführung von Allerweltsprogrammen hinweghelfen. Aufregend sind Konzerte hingegen dann, wenn das Gegenteil eintritt: Wenn ich mich beim Hören ganz vergesse, eingehe und aufgehe in der Musik und in das Geschehen vor mir auf der Bühne.

    Warum braucht es Musikvermittlung? Was motiviert Sie, zwischen den Musikern und dem Publikum eine Brücke zu schlagen?

    Musik braucht vielleicht keine Worte, aber Worte können uns dabei helfen, auf Musik zuzugehen, sie anzunehmen, sie zu unserem Eigen zu machen. Bei Musikvermittlung geht es mir nicht primär um Wissensvermittlung, sondern um den lebendigen Kontakt mit Musikern und dem Publikum: in einer begrenzten Zeit gemeinsam etwas zu erleben und der Musik dabei einen Schritt näherzukommen. Diese Begegnungen dürfen auch einen offenen Ausgang haben. Überhaupt finde ich, dass wir über die Rätsel und Wunder der Musik mehr staunen sollten, als zu glauben, wir müssten sie lösen.

    Was wird sich in den nächsten 50 Jahren im Konzertgeschehen ändern?

    Menschen, die noch nie mit klassischer Musik in Berührung gekommen sind, werden von den Konzertveranstaltern mit offeneren Armen empfangen. Zeitgenössische Musik wird noch selbstverständlicher Eingang finden in die Programme. Und das Publikum wird diverser sein, jünger auch, und erfüllt von einer ungebrochenen Neugier auf Altes, Neues, Bekanntes und Unvertrautes. 

     Was empfinden Sie an der Beschäftigung mit der Musik als besonders spannend – über das Hören hinaus?

    Dass sie uns dazu verführt, über sie nachzudenken und zu sprechen. Und dass sie uns dafür auch noch belohnt und reich beschenkt.

    Was interessiert Sie an der Reihe »2 x hören«?

    Hier in Hamburg steht die Wiege dieser längst auch in vielen anderen Städten etablierten Reihe. Das ist für mich etwas Besonderes und macht mich glücklich, diese Reihe als ehemaliger Körber-Stipendiat hier nun fortsetzen zu dürfen. Eine bessere Möglichkeit, ins Innenleben zeitgenössischer Musik einzutauchen und »keine Angst vor« ihr zu haben, kann es kaum geben. 

    Wie kamen Sie zu Hector Berlioz? Was interessiert Sie an diesem Komponisten? Und wovon handelt Ihre Dissertation?

    Als ich den ersten Satz von »Harold en Italie« erstmals hörte, war es um mich geschehen: Eine derart poetische, subjektive Musik hatte ich bis dahin noch nicht gehört. Für viele mag mit Beethoven die Moderne beginnen, für mich mit Berlioz. Wie er körperliche und psychische Vorgänge in Musik überführt, ist faszinierend. Mit meiner Dissertation »Erinnerungspoetik« huldige ich diesem Pioniergeist von Berlioz: Wie er es schafft – vor allem mithilfe des Englischhorns –, Erinnerungen im Hörer zu wecken.

    Interview: Kai-Michael Hartig, Leitung Bereich Kultur

    Rafael Rennickes nächster Abend in der Reihe »2 x hören« findet am 05. Oktober 2021 statt.
    Im Zentrum steht dann der »Tierkreis«  von Karlheinz Stockhausen.
    Mehr Infos hierzu finden Sie hier.

    Und hier können Sie in unserer Mediathek die Veranstaltung vom 26.08.2021 »2 x hören: Keine Angst vor Strawinsky«  mit Omer Klein und Alexej Gerassimez, moderiert von Rafael Rennicke nochmal anschauen.


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