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  • Foto: Anja Olbrich

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    25 Jahre danach: »Die Geschichte qualmt noch«

    Zeitzeugen treffen, Stasi-Akten lesen, historische Orte besuchen: Zehn Preisträger des Geschichtswettbewerbs reisten nach Sachsen zu einem Geschichtscamp zur Wiedervereinigung. Camp-Koordinatorin Elisabeth Kohlhaas: »Die Geschichte qualmt noch.«

    Plauen, eine Kreisstadt im Südwesten Sachsens, lag im Grenzgebiet der ehemaligen DDR. Der Titel des 4. Sächsischen Geschichtscamps »Halt – Grenzposten – Stehenbleiben oder ich schieße! 25 Jahre Deutsche Einheit – Leben an und mit der Grenze« verdeutlichte die zentrale Rolle Plauens in der DDR-Geschichte. 25 Jahre danach gingen die insgesamt 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Geschichtscamps den Spuren des Mauerfalls 1989 und der Wiedervereinigung nach. Dabei erhielten sie die Möglichkeit, sich mit den Geschehnissen in Plauen und an der ehemaligen innerdeutschen Grenze intensiv auseinanderzusetzen.

    »Das Geschichtscamp richtet sich an Jugendliche, die inhaltlich etwas tiefer graben wollen, die auch Lust haben methodisch Neues zu erfahren, zum Beispiel Stasi-Akten zu lesen und mit Zeitzeugen zu sprechen,« erklärt Elisabeth Kohlhaas, Koordinatorin des Geschichtscamps. Die Beschäftigung mit der DDR-Geschichte an historischen Orten zeige, dass »die Geschichte noch qualmt«, fügt Kohlhaas an. Qualmende Geschichte konnten die Jugendlichen vor allem in den Gesprächen mit Zeitzeugen erfahren, die über persönliche Grenzerfahrungen und den Umgang mit der Geschichte seit 1989 sprachen.

    In anderen Workshops beschäftigten sich die Teilnehmer mit Überwachungsmaßnahmen durch die Stasi, die Rolle Plauens bei der »Friedlichen Revolution« im Herbst 1989, Fluchtversuchen und Schicksalen der Zwangsaussiedlung im Grenzgebiet. »Über das Leben an und mit der Grenze wusste ich bisher kaum etwas, so war es besonders interessant, in dieses Thema über mehrere Tage so intensiv einsteigen zu können«, berichtet Cara Sophie aus Baden-Württemberg nach Abschluss des Geschichtscamps. »Ich bin Jahrgang 1999 – für unsere Generation gibt es die deutsche Einheit nur noch in den Geschichtsbüchern. Eine Spurensuche zu 25 Jahre Wiedervereinigung war für mich eine einmalige Gelegenheit,« schließt sich Naemi Victoria aus Niedersachsen an.

    Die Ergebnisse der fünftägigen Projektarbeit reichen von Collagen, Mitschnitten von Expertengesprächen hin zu selbstgedrehten Dokumentarfilmen. Die Jugendlichen haben sich selbstständig mit den Themen auseinandergesetzt und auch ganz persönliche Fragen an die junge Geschichte gestellt und dabei auch über die Folgen für die Menschen der deutschen Teilung – bis heute – gesprochen.



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