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›Ab nach Bautzen!‹ – GeschichtsCamp mit 50 Jugendlichen

Das fünftägige Programm stand unter dem Titel »›Ab nach Bautzen!‹ Politische Verfolgung und Haft in der sowjetischen Besatzungszone und der DDR«. Rund 50 junge Leute, darunter zehn Preisträgerinnen und Preisträger des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten, nahmen am diesjährigen GeschichtsCamp teil.

Bautzen, eine Kleinstadt in Sachsen mit rund 40.000 Einwohnern, ist in den letzten Tagen wiederholt in die Schlagzeilen und öffentlichen Diskussion geraten. Nach dem vor einer Woche Rechtsradikale und Geflüchtete in Bautzen aufeinander geraten sind, kam es kürzlich zu einem weiteren Angriff auf einen 72-Jährigen Deutschen mit algerischen Wurzeln. Der Mann wurde von zwei noch unbekannten Jugendlichen zu Boden gerissen und beschimpft. In der Nacht, in der es vor einer Woche zu Ausschreitungen in Bautzen kam, fand zeitgleich das 5. Sächsische GeschichtsCamp statt, bei dem sich junge Menschen auf die Spuren der Geschichte der Kleinstadt begaben. »Die politischen Geschehnisse in Bautzen haben natürlich auch eine Rolle gespielt. Es hat sich sehr gut gefügt, das wir uns an dem Abend nach den Ausschreitungen das Theaterstück ›Krieg – stell dir vor, er wäre hier‹ angesehen haben und darüber ins Gespräch kamen«, erklärt Elisabeth Kohlhaas, Koordinatorin des GeschichtsCamps.

Das fünftägige Programm stand unter dem Titel »›Ab nach Bautzen!‹ Politische Verfolgung und Haft in der sowjetischen Besatzungszone und der DDR«. Ausgerichtet wurde das GeschichtsCamp vom Sächsischen Ministerium für Kultus, unterstützt von der Körber-Stiftung und der Außenstelle Dresden des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (BStU). Rund 50 junge Leute, darunter zehn Preisträgerinnen und Preisträger des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten, nahmen am diesjährigen GeschichtsCamp teil.

›Ab nach Bautzen!‹ – die zynische Formulierung war wohl allen politischen Gegnern der DDR bekannt. In Bautzen standen zwei berüchtigte Gefängnisse der DDR: die Strafvollzugsanstalt Bautzen I, ›Gelbes Elend‹ genannt, und die Sonderhaftanstalt der Staatssicherheit, der ›Stasi-Knast‹ Bautzen II. Tausende politische und kriminelle Häftlinge saßen hier bis 1989/90 ein – von der Außenwelt isoliert. »Historisches Lernen außerhalb des Unterrichts und Lehrplans ist für ein kritisches Bewusstsein junger Menschen sehr wichtig, sie erforschen die Ereignisse selbst und stellen eigene Fragen an die Vergangenheit, die bis heute – wie die Ausschreitungen in Bautzen gezeigt haben – eine Rolle spielen. Das Sächsische GeschichtsCamp leistet dabei einen wichtigen Beitrag«, verdeutlicht Carmen Ludwig, Programmleiterin des Geschichtswettbewerbs. Das GeschichtsCamp bot Schülerinnen und Schülern die einmalige Chance, sich an diesem Ort intensiv mit dem Thema der politischen Verfolgung und der Haft in der sowjetischen Besatzungszone und der DDR zu befassen. Einblicke in Stasi-Akten, Gespräche mit Zeitzeugen, Diskussionen mit Experten und die Begegnung mit anderen Jugendlichen standen im Mittelpunkt des Programms. In sechs thematischen Workshops setzten sie sich mit verschiedenen Fragen zur Geschichte und Nachgeschichte des Ortes auseinander. Teilnehmende eines Workshops führten unter anderem ein Interview mit Alexander Ahrens, Oberbürgermeister von Bautzen. Eingeladen wurde Ahrens als Experte zur Entwicklung der Erinnerungskultur in Bautzen. Während des Gesprächs thematisierten die Jugendlichen auch die aktuellen Ereignisse in der Stadt. Alisa Gadas, Workshopleiterin, resümierte am Ende: »Das Interview hat den Schülern verdeutlicht, dass es Gesprächsbedarf gibt. Gesprächsbedarf über die schwierige Vergangenheit und ihre Aufarbeitung und Gesprächsbedarf über die zukünftige Politik und das Leben miteinander in Bautzen.«

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