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  • Altersexpertin Cordula Endter (Foto: Deutsches Zentrum für Altersfragen)
  • Quelle: Huxhold und Otte (2019) DEAS 2017, gewichtet, (n= 5246)
  • - Meldung

    Ältere Menschen und Digitalisierung: Aufgaben für Kommunen

    Der Achte Altersbericht der Bundesregierung zum Thema »Ältere Menschen und Digitalisierung« umfasst 160 Druckseiten. Altersexpertin Cordula Endter schafft es im Stadtlabor Online, relevante Inhalte für Kommunen in 25 Minuten prägnant aufzubereiten.

    Die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Geschäftsstelle für die Altersberichte der Bundesregierung, angesiedelt am Deutschen Zentrum für Altersfragen, ist Expertin für die Themen Technisierung und Digitalisierung des Alter(n)s, kulturwissenschaftliche Technikforschung und partizipative und kollaborative Forschungsmethoden.

    Die digitale Kompetenz im Alter ist eine Frage der Bildung

    Endter stellt exemplarisch zwei Punkte des Berichts in den Fokus. Die »digitale Kompetenz« der Älteren ist sehr stark abhängig vom Bildungsstand. Die digitale Spaltung in Korrelation zu Alter und Bildungsgrad ist gewaltig. Während zum Beispiel 2017 die Gruppe der 79- bis 84-Jährigen mit hoher Bildung zu fast 70 Prozent Zugang zum Internet hatten, sind es bei ihren Altersgenossen mit mittlerer oder niedriger Bildung weniger als 30 Prozent. Alle Versuche, die digitale Souveränität älterer Menschen zu fördern, müssen dem Rechnung tragen. Endter schlägt als Maßnahmen vor: die Entwicklung von Kompetenzen auf der individuellen Ebene, Angebote zur Unterstützung, Bildung und Beratung auf der institutionellen Ebene und sichere Rahmenbedingungen auf der gesellschaftlichen Ebene. Viele Fragen aus dem Kreis der Teilnehmenden schließen sich an. Wer sind geeignete Mittler für die individuelle digitale Befähigung? Welche Institutionen sind geeignet für Angebote zur digitalen Beratung und Bildung? Endter kann sich viele Akteure vorstellen: vom Peer-to-Peer-Lernen, weil Ältere gern Rat von Gleichaltrigen annehmen, über engagierte Digitalbotschafter bis zu vertrauten Einrichtungen im Sozialraum wie Stadtteilzentren oder Bibliotheken. Und Kommunen sieht sie als die zentrale Instanz, um Vermittlungsangebote und Beratung zu vernetzen und damit auch zu verstetigen. 

    Technische Assistenz im Wohnbereich wird akzeptiert, wenn der Nutzen einleuchtet

    Das zweite Schlaglicht aus dem Achten Altersbericht, das Endter auf die Kommunen wirft, betrifft das Thema Wohnen. Im häuslichen Kontext sind viele technische Assistenzmöglichkeiten denkbar und zum Teil schon im Einsatz – vom intelligenten Hausnotruf bis zum präventiven Fitnessangebot. Spätestens beim Thema Pflegeroboter zeigen Befragungen: Nur wenn ein konkreter Nutzen sichtbar wird ­– zum Beispiel selbständig zu Hause wohnen zu können und das Heim zu vermeiden­ –, akzeptieren ältere Menschen solche technischen Entwicklungen. Endter betont: Es geht nicht darum, allein auf digitale Angebote zu setzen. Ja, es muss ein Grundrecht geben auf digitalen Anschluss zum Beispiel im Pflegeheim, wenn die Bewohner das wünschen, sagt die Forscherin. Aber insgesamt gelte es, digitale Angebote eng mit analogen zu verknüpfen. Um die Potenziale der Digitalisierung für gutes Altern zu fördern, seien zudem viele Berufsgruppen zu beteiligen, zu befähigen und zu ermutigen – vom Pflegepersonal über das Handwerk bis zur Wohnungswirtschaft. 

    Die Akzeptanzfrage beschäftigt auch die Stadtlabor-Teilnehmenden: Die Zielgruppe sei schon in die Entwicklung neuer Technologien einzubeziehen. Astrid Henriksen, Stadt Bremerhaven, fragt nach der Finanzierung der für häusliche Pflege notwendigen Technik durch die Pflegeversicherung beziehungsweise die Sozialhilfe. Und sie verweist darauf, dass nicht nur die pflegebedürftigen Personen, sondern auch Wohnungsträger beziehungsweise -baugesellschaften der Nutzung und Installation innovativer Technik aufgeschlossen gegenüberstehen müssen.  

    Debatte über Alter und Digitalisierung muss weitergehen

    In Kassel, berichtet Bürgermeisterin Ilona Friedrich, sollen vor allem die Stadtteilzentren die digitale Entwicklung vorantreiben. Und was technisch möglich ist, soll der »Mobi-Bus« auch in die Quartiere bringen. Diese Idee einer mobilen Ausstellung technischer Assistenzsysteme, die Menschen im Bus kennenlernen, ausprobieren und sogar ausleihen können, stammt aus dem dänischen Aarhus. Kassel hat sie durch das Programm »Expedition: Age and City« der Körber-Stiftung in Dänemark kennengelernt.

    Es wird im Stadtlabor Online auch klar: Die gesellschaftliche Debatte über »Alter und Digitalisierung« steht immer noch am Anfang. Das Stadtlabor Online zu diesem Thema ist insofern wegweisend. Karin Haist, Leiterin der Projekte demografische Zukunftschancen der Körber-Stiftung, bedankt sich bei Cordula Endter und kündigt an, dass auch die Körber-Stiftung in ihrem Bereich Alter und Demografie das Thema weiter bespielen werde – mit konkreten Angeboten im Haus im Park und auch beim nächsten Körber Demografie-Symposium.   

    Das Stadtlabor Online ist ein Format zum regelmäßigen digitalen kollegialen Austausch zu den Themen der altersfreundlichen Stadt. Im kleinen Kreis erhalten die Teilnehmenden thematische und methodische Inputs aus der kommunalen Praxis, Wissenschaft und Politik.


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