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Meldung

Der Soziologe Heinz Bude über Generationengerechtigkeit

Was der Soziologe Heinz Bude über Generationengerechtigkeit gesagt hat, hallt nach: Der demografische Wandel stelle gerade die Jüngeren in punkto Rentensicherheit und Versorgung im Alter vor große Aufgaben.

Und Bude benennt auch die Ernüchterung, die sich breit macht, weil die private Altersvorsorge das alte Umlageverfahren nicht wie erhofft ersetzt. Das Kapitaldeckungsverfahren, sagt er, habe »sich als Problemverfahren entpuppt«. Die Gesellschaft müsse offenbar reumütig zum Umlageverfahren zurückkehren – also zur Rentensicherung durch jeweils nachfolgende Generationen.

Und: »Ja«, sagt Bude, »damit taucht natürlich für die Jüngeren das Problem auf: Was heißt eigentlich Generationengerechtigkeit? Müssen wir quasi für die Älteren sorgen…und welche Beeinträchtigung unserer Lebenschancen sind wir eigentlich bereit für die Älteren hinzunehmen?« – Nur seine Antwort verblüfft. Denn Heinz Bude lehnt das Konzept von Generationengerechtigkeit ab, wo es als ein »Anspruch« oder gar ein »Anrecht« der Jüngeren auf ähnliche Lebenschancen wie die ihrer Eltern und Großeltern verstanden wird. Eine Gesellschaft, die dieses Anrecht einfordere, habe den Gedanken aufgegeben, »dass jede Generation sich ihre Welt neu erfindet« – und damit den Glauben an die Zukunft eingebüßt. Eine solche Gesellschaft befinde sich »in einer Logik der vergehenden Zeit« und verkörpere einen überzogenen Pessimismus.

Für einen solchen pessimistischen Blick in die Zukunft sieht Bude indes keinen Grund. Denn er nimmt auch keinen wirklichen Generationenkonflikt in unserer Gesellschaft wahr: Im Gegenteil sieht er bei den Jüngeren heute eine Bereitschaft, ihren Anteil zu geben und einen »Generationenkompromiss hinzukriegen«. Und umgekehrt profitierten die Jüngeren von den Bildungsinvestitionen und privaten Transfers der Eltern- und Großelterngeneration wie nie zuvor.

Über das Thema Generationengerechtigkeit in der alternden Gesellschaft, über soziale Fragen des Altwerdens und über zukunftsträchtige Care Communities, aber auch über Altersbilder in der Gesellschaft und Kunst sprach Heinz Bude auf der gemeinsamen Veranstaltung von Körber-Stiftung und Literaturhaus Hamburg, »Literatur über das Alter« am 27. April 2016 mit dem Theologen Reimer Gronemeyer, der Literaturwissenschaftlerin Henriette Herwig und Karin Haist, Leiterin des Bereichs Gesellschaft der Körber-Stiftung. Prof. Dr. Heinz Bude war langjähriger Mitarbeiter am Hamburger Institut für Sozialforschung und ist seit 2000 Professor für Makrosoziologie an der Universität Kassel. Er ist Experte und Autor zu Themen der Generations- und Exklusionsforschung sowie der »Gesellschaft der Angst«.

Die Veranstaltung mit Heinz Bude im Literaturhaus Hamburg ist auch Teil des Fokusthemas »Neue Lebensarbeitszeit« der Körber-Stiftung. Die Stiftung lädt Experten und Öffentlichkeit dazu ein, über Arbeits- und Rentenfragen, Generationengerechtigkeit, Zeitsouveränität in der Arbeitswelt und Biografien im demografischen Wandel abseits der ritualisierten Debatten zu diskutieren.


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