X

Meldung

Keine Zeit, die Welt zu retten

»Lebensarbeitszeit« war das Thema des Poetry Festivals im Haus im Park der Körber-Stiftung. Gewinner David Friedrich gab zu bedenken, dass man einst zwar vor hatte, die Welt zu retten. Aber zwischen Job, Fitness-Center, Sex, Sportschau und Facebook sei dafür einfach keine Zeit geblieben.

Über 220 Gäste besuchten das Poetry Festival im Haus im Park. Michel Abdollahi ließ sich gleich zu Beginn des Samstagabends das Thema des Festivals »Lebensarbeitszeit« auf der Zunge zergehen und ernannte eine Jury aus dem »ungewohnt lockeren Publikum« (Bergedorfer Zeitung). Mit Wortsalven wie aus einem Maschinengewehr eröffnete dann Slammer Johannes Berger und drängte den Zuhörern den Wettlauf des Lebens auf, das sich in hektischer Selbstoptimierung ergehe.

Slam-Star David Friedrich setzte sich dann auch mit seinem Text gegen Julian Heun durch, für den das Leben einer riesigen Castingshow gleicht. Schließlich stach er im Finale auch Jule Weber aus, die das Publikum mit der Erzählung eines konfektionierten Lebens berührte, das auf Fassade statt Fundament baut und in dem jeder Tag die Vorbereitung  für ein unerreichbares Danach ist.

Mit dem Best of Poetry-Slam im Haus im Park fand das Poetry Festival, das die Körber-Stiftung in Kooperation mit dem Kulturzentrum LOLA und der Bergedorfer Zeitung am letzten Mai-Wochenende ausgerichtet hatte, seinen Höhepunkt. Doch auch am Vorabend wurden bereits siebzig Gäste in der LOLA beim Diary Slam mit einer kuriosen Zeitreise auf das Thema »Lebensarbeitszeit« eingestimmt. Fünf Leser schilderten eindrücklich anhand ihrer intimen Tagebucheinträge, wie sehr sich der Lebensmittelpunkt und das Zeitempfinden mit zunehmendem Alter verändert.
 
Zum Video des Poetry Slam-Gewinners David Friedrich


to top