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Demokratie braucht Mut zu »robuster Streitkultur«

Studienpreisträgerin Astrid Séville kritisiert in der TAZ und der FAZ die von Politikern viel genutzte Rhetorik der Alternativlosigkeit. Sachzwang und Demokratie passten nicht zusammen, vielmehr bedürfe es einer »robusten Streitkultur« im politischen Diskurs.

Demokratie lebe von einer Vielzahl an Alternativvorschlägen zur politischen Gestaltung. Die sogenannte TINA-Rhetorik (»There is no alternative«) weise zudem Parallelen zu Slogans rechtspopulistischer Parteien wie »Mut zur Wahrheit« oder »gesunder Menschenverstand« auf. Beide zeugten von einem antipluralistischen Verständnis und suggerierten, es gäbe nur eine richtige Lösung. Zu einer demokratischen Debatte gehöre jedoch auch eine Opposition mit einer legitimen Stimme, so Séville. Oppositionsarbeit und politische Vielfalt müssten wieder sichtbar gemacht werden. 

Gegen den scheinbar homogenen politischen Block, der die Alternativlosigkeit propagiere, forme sich Widerstand, so Séville in der FAZ. Die Bevölkerung gewinne den Eindruck, sie müsse in die Extreme ausweichen, um Entscheidungen und Wandel beeinflussen zu können: zur rechtsextremen Goldenen Morgenröte in Griechenland, zum Front National in Frankreich, zur AfD in Deutschland. Der Diskurs habe sich mittlerweile verschoben hin zu rechtspopulistischen Argumentationen. Dem gelte es entgegenzutreten – nicht mit einer Rhetorik der Alternativlosigkeit, sondern mit einer demokratischen Sprache, die Optionen benenne und politisches Handeln als Finden von Kompromissen und Bohren dicker Bretter beschreibe.

Astrid Séville erhält für ihre Forschungsarbeit zum Thema »Die Rhetorik von Alternativlosigkeit und Sachzwang – oder: Warum wir eine demokratische Sprache brauchen« einen ersten Preis in der Ausschreibung um den Deutschen Studienpreis 2016 der Körber-Stiftung.

zum Artikel in der TAZ
zum Artikel in der FAZ

zum Deutschen Studienpreis


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