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Vertrauenskrise in der Wissenschaft?

Experten geraten gegenwärtig zunehmend in eine Krise: Sie verlieren an Ansehen, Autorität und Vertrauen. Das betrifft auch die Wissenschaft. Im Arbeitskreis Wissenschaft und Forschung des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen fragte Matthias Mayer, Körber-Stiftung, wie ein konstruktiver Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft aussehen könnte.

Die Wissenschaft wird als Garant für Expertenerkenntnis immer mehr zu einer Stimme unter vielen. Der Arbeitskreis Wissenschaft und Forschung des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen diskutierte auf einer Tagung in der Körber-Stiftung darüber, welche Rolle Stiftungen für einen neuen, konstruktiven Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft spielen können. Dabei, so Matthias Mayer, Leiter des Bereichs Wissenschaft in der Körber-Stiftung, gelte es, den Trugschluss zu vermeiden, »verlorenes Vertrauen könne einfach durch gesteigerte Vermittlungsaktivitäten wieder gewonnen werden. Stattdessen muss Wissenschaft erst einmal vor der eigenen Haustür kehren und Missstände wie Datenfälschung, Replikationskrise und Publikationsflut abstellen.«

Was Stiftungen dazu beitragen können, war das Thema einer Umfrage, die der Leiter des Arbeitskreises Jörg Klein von der Daimler und Benz Stiftung vorstellte. Befragt zur »Kunst der Vermittlung« wurden die wissenschaftsfördernden Stiftungen in Deutschland.

Ausbaufähig ja, Vertrauensverlust nein

Die Ergebnisse zeigen, dass die Art und Weise der Vermittlung wissenschaftlicher Inhalte nicht gänzlich überzeugt, einen völligen Vertrauensverlust der Öffentlichkeit gegenüber der Wissenschaft scheint es dennoch nicht zu geben, so 69 % der Befragten. Maßnahmen, die Stiftungen übernehmen können, sind vielseitig, aber nicht völlig ausgereizt. So unterstützen sie, indem sie Veranstaltungen (62 %) organisieren, via Social Media aktiv werden (29 %) oder Fortbildungen in der Wissenschaftskommunikation finanzieren (27 %). Als Zielgruppe gaben Zweidrittel der befragten Stiftungen an, Vermittlungsformate weniger für eine Fachöffentlichkeit (16 %) als vielmehr für eine breite Öffentlichkeit (22 %), die Politik (16 %) oder Wirtschaft (12 %) zu entwickeln.

Maßgeblich entscheidend für die Art und Weise der Unterstützung durch eine Stiftung sind die finanziellen Mittel. Über die Hälfte der befragten Stiftungen erklärten, jährlich ein Budget von bis zu 100.000 Euro für Wissenschaftsförderung zu haben – ein sehr kleiner Betrag, der gerade für die Finanzierung einer wissenschaftlichen Vollzeitstelle für zwei Jahre ausreicht. Für wissenschaftsfördernde Stiftungen ist das Engagement für die Vermittlung zwischen Wissenschaft und Gesellschaft sehr wichtig, es mangelt jedoch oftmals an Variation und innovativen Formaten.

Möglichkeiten für Stiftungen

Neben den grundsätzlichen Fragen zum Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft standen bei dem Treffen deshalb ganz praktische Anregungen für die Stiftungsarbeit im Mittelpunkt: Fortbildungsmaßnahmen, Kommunikation via Social Media, das Vermittlungspotenzial von Wissenschaftspreisen und eine Übersicht über innovative Veranstaltungsformate.

Fazit ist: Die Vermittlung zwischen Wissenschaft und Gesellschaft ist aktuell wichtiger denn je, und auch wenn Stiftungen dazu bereits einen großen Beitrag leisten, gibt es noch jede Menge Luft nach oben. Vor allem aber gilt: Stiftungen können Plattformen bereitstellen, Modelle entwickeln und Unterstützung anbieten, kommunizieren müssen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Ende jedoch selbst!

Präsentationen der Referenten zum Download (PDF):

Gesa Ziemer: »Kooperationen statt Vermittlung? Über das Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft«

Alexander Mäder: »Online, offline. Formen der Wissenschaftskommunikation zwischen Tageszeitung und blog. Wie erreiche ich mein Publikum als Stiftungsmitarbeiter und Wissenschaftlerin?«

Beatrice Lugger: »Verständlichkeit ist nur der Anfang. Fortbildungen in der Wissenschaftskommunikation in Zeiten von Fake-News und Filterblasen«

Friederike Schneider: »Warum Wissenschaft wichtig ist – ein Forschungswettbewerb als Vermittlungsformat«

Markus Weißkopf: »Welche Veranstaltungsformate eignen sich in der Wissenschaftskommunikation?«
(Die Präsentation schicken wir Ihnen gern auf Anfrage zu.)