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Wenn Geschichte zum politischen Instrument wird

Was sind die Anliegen und Ziele derzeitiger staatlicher Geschichtspolitik in Polen – und wie wirkt sich diese Geschichtspolitik auf das deutsch-polnische Verhältnis aus? Darüber sprachen der polnische Historiker Paweł Machcewicz, bis vor kurzem Direktor des Museums für den Zweiten Weltkrieg in Danzig, und Stephan Lehnstaedt, Professor für Holocaust-Studien und Jüdische Studien am Berliner Touro College beim Hintergrundgespräch im Hauptstadtbüro der Körber-Stiftung.

Das neue Museum für den Zweiten Weltkrieg in Danzig hat in den letzten Monaten Schlagzeilen gemacht. Nicht nur wegen seiner international als spektakulär gelobten Dauerausstellung, die versucht, die Geschichte des Zweiten Weltkriegs aus unterschiedlichsten Perspektiven zu beleuchten, sondern vor allem wegen der von der polnischen Regierung geäußerte Ansicht, die Ausstellung berücksichtige die Leiden und Opfer der polnischen Bevölkerung nur unzureichend. Als Ergebnis wurde der Gründungsdirektor des Museums, der renommierte Historiker Paweł Machcewicz, im April 2017 seines Amtes enthoben.

Was bedeutet es, wenn Regierungen Einfluss auf Geschichtsbilder und Geschichtsschreibung nehmen? Welche Auswirkungen hat die Renationalisierung historischer Narrative auf eine kritische und multiperspektivisch geprägte Auseinandersetzung mit Geschichte? Und was bedeuten die Entwicklungen in Polen rund um das Museum für den Zweiten Weltkrieg für den grenzübergreifenden Dialog in Europa?

Beim Hintergrundgespräch im Hauptstadtbüro der Körber-Stiftung sprach Paweł Machcewicz in Berlin mit u.a. Vertretern verschiedener Ministerien und Think Tanks über die Hintergründe der Kontroversen um das Museum des Zweiten Weltkriegs.

Stephan Lehnstaedt, Professor für Holocaust Studien und Jüdische Studien, Touro College, Berlin, ergänzte die deutsche Perspektive auf ein Phänomen, das nicht nur Polen betrifft. Die Rückkehr des Nationalen wirkt sich in einigen Ländern Europas auf das historische Narrativ aus. Heldentum und Opferrolle haben in Politik, Gesellschaft und Geschichtsschreibung wieder Konjunktur –  oft zu Ungunsten eines differenzierten, multiperspektivischen Blicks auf die Vergangenheit.

Für die Körber-Stiftung ist die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Interpretationen der Vergangenheit ist ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit im Handlungsfeld Internationale Verständigung, denn sie schärft den Blick für die Lösung aktueller politischer Missverständnisse und Probleme. Mit Hintergrundgesprächen und dem Körber History Forum als jährlicher Konferenz bietet die Stiftung Akteuren aus Politik, Wissenschaft und öffentlichem Leben aus Deutschland und anderen Ländern Europas regelmäßig Diskussionsplattformen zu den historischen Wurzeln aktueller Konflikte.

Das nächste Körber History Forum findet am 16. und 17. Juni in Berlin statt. Einer der Sprecher ist Paweł Machcewicz.

Weitere Informationen zum Körber History Forum

Fotos: Marc Darchinger

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