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Meldung

Am Puls junger Europäer

»In Anbetracht der aktuellen Ereignisse möchte ich Teil einer Generation sein, die ihre Stimme erhebt«. Die fast 200 Bewerbungen für den EUSTORY Next Generation Summit 2017 der Körber-Stiftung machen deutlich: Junge Europäer wollen Verantwortung übernehmen.

Unter dem Motto »Re:member Europe« bietet die Körber-Stiftung 100 jungen Preisträgern von Geschichtswettbewerben aus ganz Europa vom 6. bis 10. Oktober in Berlin eine gemeinsame Plattform. Sie werden sich Themen wie europäische Erinnerung, Gewalt, Populismus in den Medien oder Propaganda im Netz auf wissenschaftliche, journalistische und künstlerische Weise nähern.

Junge Europäer zwischen 16 und 25 Jahren aus über dreißig Ländern reichten fast 200 Bewerbungen ein, die zeigen, welche Themen sie mit Blick auf Europa umtreiben. Diese geben Einblicke, wie emotional das Thema für einige Teilnehmer ist, so für die 18jährige Elena aus Italien:

»Liebes Europa,
Du bist erschöpft durch all’ die Veränderungen, die Dich in kleine Stücke brechen: Wirtschaftskrisen, politische Veränderungen, Terrorismus, Armut und Ungleichheit, Ungerechtigkeit, die mangelnde Freiheit, uns auszudrücken… Ich weiß! Deshalb sind wir hier, um eine neue Mannschaft zu bilden, die Dir helfen wird, aufzustehen gegen Deine Wunden und Deine gebrochenen Teile. Deshalb möchte ich Teil dieses Summits sein.«

Die Teilnahme am Summit bedeutet für viele die große Chance, grenzüberschreitend ins Gespräch zu kommen, denn »interkultureller Austausch ist der einzige Weg, um eine europäische Identität zu entwickeln«, wie es ein Bewerber formuliert. Eine Preisträgerin aus Deutschland betont, wie vielfältig und selbstverständlich wir in unserem alltäglichen Leben die Vorzüge der europäischen Gemeinschaft genießen: »Wir essen in griechischen Restaurants, nehmen an Schulaustauschprogrammen mit Tschechien und Italien teil, sprechen Englisch als unsere lingua franca und reisen von einem Land ins nächste, ohne zu merken, dass wir gerade eine Grenze passiert haben«. In ihrem Plädoyer für den Erhalt dieser friedlichen und aufgeschlossenen Gemeinschaft nennt sie Wissen als Schlüssel und ist neugierig auf neue Begegnungen.

Bei vielen ist das Interesse am EUSTORY-Summit durch aktuelle politische Ereignisse motiviert, welche die jungen Menschen mit Sorge und Unsicherheit wahrnehmen. Entwicklungen wie der Brexit und die Wahl Trumps zum amerikanischen Präsidenten sind für viele Bewerber der Anlass, sich mit historischen Ereignissen und Bewegungen auseinanderzusetzen, um aktuelle Entwicklungen besser verstehen zu können.

Die Rückmeldungen der jungen Europäer widersprechen in erfreulichem Maße dem Klischee der politikverdrossenen und passiven Jugend. Das Thema Populismus ist die Herausforderung, welche die Jugendlichen dabei am meisten bewegt. Deutlich kann man diese Betroffenheit bei einer 22jährigen Bewerberin lesen, die ihre Wut und Hilflosigkeit darüber ausdrückt, dass aktuell auch aus dem Kreis politischer Akteure dazu ermutigt wird, Andersdenkende und Minderheiten herabzusetzen und zu attackieren. Eine Entwicklung, die sie sogar daran zweifeln lässt, eine Familie gründen zu wollen in einer Welt, in der Multikulturalität als Schwäche gebrandmarkt wird.

Diesem Trend etwas entgegensetzen zu wollen, spiegelt sich in der großen Nachfrage nach dem Summit-Workshop »Analysing Populism. Against Radicalisation in Contemporary Europe« in Zusammenarbeit mit der polnischen Medienorganisation Kultura Liberalna wider. Dort werden die Teilnehmer lernen, historische wie aktuelle Presseberichterstattung in ihren Ländern auf populistische Sprachmuster hin zu analysieren und ihre Ergebnisse in Berlin vergleichen. Ebenfalls stark nachgefragt war der Workshop »Fake or Real? The Media in the Era of ›Post Truth‹«, bei dem die jungen Erwachsenen eine Toolbox entwickeln wollen, um Fake News und Hate Speech im Netz effektiv zu begegnen. Denn, wie eine polnische Bewerberin klagt, trotz des generell leichteren Zugangs zu Informationen wird es zunehmend aufwändiger, richtige von falschen Nachrichten zu unterscheiden.

Die Rückmeldungen zeigen die Bereitschaft, für ein friedliches Europa aktiv zu werden: »Gemeinsam, tillsammans, ensemble, razem, junto, sammen, معا. So unterschiedlich diese Worte in Deutsch, in Schwedisch, Französisch, Polnisch, Spanisch, Dänisch oder Arabisch auch sein mögen, sie bedeuten doch alle das gleiche. ZUSAMMEN. Was wir verstehen müssen ist, dass es nicht wichtig ist, welche Sprache wir gebrauchen, denn am Ende gehören wir zusammen.«

Gemeinsam herauszufinden, welche Erfahrungen, Prägungen oder Vorurteile übereinander den jungen Teilnehmern dabei möglicherweise auch im Wege stehen und wie sie diese überwinden können, auch dafür wird Zeit sein während der gemeinsamen Tage in Berlin.

Details zum EUSTORY Next Generation Summit 2017 (in englischer Sprache)


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