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Konflikten auf der Spur: History Camp in Georgien startet!

Angesichts der Herausforderungen in Europa durch Ukrainekonflikt, Flüchtlingskrise, Brexit und wachsendem Populismus fragen auch junge Europäer nach der Zukunft des Kontinents. 25 Jugendliche aus 16 Ländern treffen sich beim EUSTORY History Camp vom 2. bis 8. Oktober in Georgien.

Gibt es noch eine ausreichende Basis aus geteilten Werten und Zusammengehörigkeitsgefühlen in Europa, um die aktuellen Krisen als gemeinsame Herausforderung anzugehen? Unter dem Titel »United or Divided in Diversity? National Identities in Europe« beschäftigten sich die Teilnehmer intensiv und grenzüberschreitend mit Identitäten und Nationalismus in Europa. Sie sind Preisträger von Geschichtswettbewerben aus dem EUSTORY-Netzwerk, das von der Körber-Stiftung 2001 initiiert und seitdem von Hamburg aus betreut wird.

Die jungen Europäer treffen sich in der georgischen Hauptstadt Tiflis, um sich bei Exkursionen und intensiven Begegnungen mit Geschichte und Gegenwart des Landes und  dem Selbstverständnis von Menschen in einem eher jungen Nationalstaat in Europa auseinander zu setzen. Ein wichtiger Programmpunkt werden die diversen Komponenten von Identität in Georgien und die Rolle des sowjetischen Erbes darin sein. Auf dem Programm stehen ein Workshop zusammen mit einer georgischen Schulklasse, der Besuch einer Ausstellung im georgischen Nationalmuseum, verschiedene Expertengespräch mit Historikern sowie Begegnungen mit Politikern, Aktivisten, Intellektuellen und Künstlern aus Georgien.

Unter anderem treffen die Jugendlichen dabei mit der ehemaligen georgischen Außenministerin Eka Tkeshelashvili zusammen, die dem Körber Netzwerk Munich Young Leaders angehört. Die Ergebnisse ihrer Spurensuche stellen die Jugendlichen auf einer Abschlusspräsentation im Nationalmuseum Georgiens öffentlich vor. Operativer Partner der Veranstaltung ist das georgische Regionalbüro des Instituts für Internationale Zusammenarbeit des Deutschen Volkhochschul-Verbandes e.V. (DVV International) in Tiflis.

»Durch ihre Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Perspektiven formulieren und hinterfragen die Teilnehmer gemeinsam ihre Sichtweisen und nationalen Prägungen«, so Katja Fausser, Leiterin des EUSTORY-Netzwerks. Vorbereitend zu ihrer Reise beschäftigen sich die jungen Europäer bereits seit einigen Wochen auf der Online Plattform »History Campus« in einer geschlossenen Arbeitsgruppe mit dem Seminarthema. Dort wird deutlich, dass es vor Ort viel zu diskutieren gibt.

Ein bulgarischer Teilnehmer schreibt: »Für mich bedeutet europäische Identität den Versuch, eine Brücke zu finden zwischen Liberalismus und Nationalismus, zwischen Freiheitswerten und nationalen Werten sowie Traditionen unterschiedlicher Länder Europas.« Hierzu erwidert ein spanischer Teilnehmer eher pessimistisch: »Das Konzept »europäische Identität« ist meiner Meinung nach der Versuch, Konflikte zwischen Ländern in Europa zu verhindern. Doch leider hat die Geschichte gezeigt, dass sich alle nur solange europäisch fühlen, bis die Interessen ihrer eigenen Länder ins Spiel kommen.« Auch aus britischer Perspektive ist das Thema Identität derzeit heikel: »Als jemand, die in Großbritannien lebt, finde ich es manchmal schwierig, mich als »europäisch« zu beschreiben, besonders jetzt nach dem Ausgang des EU-Referendums«, beklagt eine walisische Teilnehmerin. Und dass europäische und nationale Identität nicht immer spannungsfrei nebeneinander stehen können, zeigt die Aussage eines lettischen Teilnehmers: »Für mich bedeutet europäische Identität , die Geschichte und Kultur meines eigenen Landes zu kennen und zu respektieren.«

Die Seminarergebnisse und Einblicke in die Debatten in Georgien werden auf dem
Blog des  History Campus veröffentlicht:  https://www.historycampus.org .
Das EUSTORY-Netzwerk vereint derzeit 25 europäische Geschichtswettbewerbe.


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