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Meldung

»Russland ist immer noch ein Teil Europas«

»Freunde, Feinde oder nichts dergleichen? Russland und Europa in einem neuen Zeitalter der Unsicherheit«: Unter diesem Titel tagte der 165. Bergedorfer Gesprächskreis in Sankt Petersburg. Die Teilnehmer aus Russland, den USA und Europa diskutierten über die Krise der Beziehungen zwischen Russland und Europa.

In der »europäischsten aller russischen Städte«, wie es die russische Politikwissenschaftlerin Tatjana Romanowa formulierte, sprachen die Teilnehmer über die Erosion der europäischen Sicherheitsordnung und längst überwunden geglaubte geopolitische Interessenkonflikte, die seit dem Ausbruch der Ukraine-Krise die europäisch-russischen Beziehungen prägen. Zentrale Fragen waren dabei,  wie sich der Konfrontationskurs zwischen der westlichen und der russischen Seite durchbrechen lässt, welche Rolle die USA noch für die europäische Sicherheitsordnung spielt und welche Fenster der Kooperation sich trotz der teilweise diametral gegenüberliegenden Positionen ergeben können.

Am Rande des Bergedorfer Gesprächskreises sprach die Journalistin Natalia Konyashina mit Teilnehmern aus Deutschland, Russland, der Ukraine und Polen. Im Interview betonte Tatjana Romanowa, Professorin für Europastudien an der Universität Sankt Petersburg, den aus ihrer Sicht besonders problematischen Rückgang der Kontakte nicht nur auf wirtschaftlicher und politischer, sondern insbesondere auf persönlicher Ebene. Aufgrund des gesunkenen Lebensstandards könnten sich immer weniger Russen Auslandsreisen nach Europa leisten und so Vorurteile durch eigene Erfahrungen ausräumen.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Deutschen Bundestag, Norbert Röttgen, hob ebenfalls hervor, wie sehr Europa und Russland auf eine funktionierende Zusammenarbeit angewiesen sind, gerade im Hinblick auf den Syrien-Krieg und die angespannte Situation im Nahen Osten. Gleichzeitig kritisierte der Politiker, dass die russische Regierung mit ihrer Außenpolitik weder das Selbstbestimmungsrecht noch die Sicherheitsinteressen der osteuropäischen Länder achte.

Gwendolyn Sasse, die wissenschaftliche Direktorin des Zentrums für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS) in Berlin, verwies auf den Ukraine-Konflikt. Es müsse zuerst eine Lösung gefunden werden, bevor eine positive Entwicklung der europäisch-russischen Beziehungen möglich wird. Dennoch sieht sie auf beiden Seiten gemeinsame Wirtschafts- und Sicherheitsinteressen, die vorerst zu einem pragmatischen Kooperationsverhältnis und langfristig zu einer Wiederannäherung zwischen Russland und Europa führen könnten.

Interview mit Tatjana Romanowa (Video)
Interview mit Norbert Röttgen (Video)
Interview mit Gwendolyn Sasse (Video)

Weitere Informationen zum 165. Bergedorfer Gesprächskreis


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