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Alter und Corona in der Kommune

Kontaktsperren in Altersheimen, Vereinsamung der Älteren und ihre fehlende Digitalisierung – das sind Themen, die Demografieverantwortliche derzeit beschäftigen. Beim ersten »Stadtlabor Online« der Körber-Stiftung berieten kommunale Entscheiderinnen und Entscheider über die Auswirkungen der Pandemie auf ihr lokales Altersmanagement.

Häusliche Isolation, digital nicht erreichbar

Martin Polenz, Leiter der Fachstelle Zukunft Alter in Arnsberg, war der Inputgeber beim ersten Stadtlabor Online. Im kleinen kollegialen Kreis berichtete er über die aktuellen Herausforderungen, denen sich die sauerländische Stadt gegenübersieht, darunter die Besuchsverbote und Kontakteinschränkungen in den städtischen Pflegeeinrichtungen. Er konnte aber auch Initiativen vorstellen, die bereits neu von der Stadt gestartet wurden. Dazu gehören die Koordination verschiedener Unterstützungsangeboten für ältere Menschen und eine zentrale Hotline.

Um in der Zeit der Krise ältere Bewohner umfassend über alle Angebote zu informieren, wurde auch kurzerhand der Turnus des Online-Magazins »Zukunft Alter Aktuell« umgestellt. Es wird jetzt wöchentlich herausgegeben und zum Ausdrucken vor Ort angeboten. Denn ein großes Problem ist: Viele Ältere sind digital nicht erreichbar. Und das gilt auch in anderen Kommunen, was sich im anschließenden kollegialen Austausch zeigte. Vor allem Konzepte, wie die besonders Vereinsamten adressiert und aus ihrer häuslichen Isolation geholt werden können, sind rar. Kassel setzt auf Prävention und will jetzt alle Alleinlebende über 75 direkt ansprechen.

Zivilgesellschaftliche Hilfsbereitschaft

Auch bei einem anderen Phänomen machen derzeit alle ähnliche Erfahrungen: Von Landau bis Bremerhaven erleben die Kommunen eine große zivilgesellschaftliche Hilfsbereitschaft. Allerdings: Kaum ältere Bürgerinnen und Bürger melden sich bei den vielen Nachbarschaftsinitiativen und Einkaufshilfen. Dass die vermeintliche »Risikogruppe« trotz der Ansteckungsgefahr lieber selbständig einkaufen will, sei dem Wunsch nach Teilhabe geschuldet, so vermutet Polenz. Und Andreas Hannig, Leiter des Referats für Altenhilfe der Stadt Kassel, sieht auch ein geändertes Selbstverständnis der neuen, aktiven Alten wirksam, die sich eher als Helfende denn als hilfsbedürftig sehen. Insgesamt aber sei die große Welle der Hilfsbereitschaft eine wertvolle Ressource, die man in den Kommunen für die Zukunft sichern solle.

Offene Fragen zur Pflege

Ein großes Thema für viele Städte ist die Aufrechterhaltung einer guten Pflege Älterer. Die Kontaktsperre in Altenheimen macht allen große Probleme, den Bewohnern ebenso wie dem Pflegepersonal und den kommunalen Trägern. Jetzt räche sich besonders, dass es in vielen Heimen kein W-Lan für die Bewohnerinnen und Bewohner gebe. Die Digitalisierung der Heime und die individuelle Unterstützung der in den Heimen Lebenden am Handy oder Tablet sei gerade jetzt dringend geboten. Und auch die Situation der zuhause Gepflegten besorgt die kommunal Verantwortlichen. Denn über die oft osteuropäischen Pflegekräfte, die jetzt unsichere Reisebeschränkungen nach und von ihren Heimatländern erleben, haben die Kommunen keine Daten – und keine Zuständigkeit.

Das Stadtlabor demografische Zukunftschancen ist ein Projekt im Programm Alter und Kommune der Körber-Stiftung. Es wurde ins Leben gerufen, um die für Demografieverantwortlichen in deutschen Kommunen in den Austausch zu bringen. In »normalen Zeiten« treffen sich die Akteure aus ganz Deutschland zu Workshops, um vor Ort Modelle der Altersfreundlichkeit kennenzulernen. Aber auch der komprimierte Online-Austausch im kleinen Kreis sei wertvoll und solle fortgeführt werden, urteilten die Teilnehmer am Ende des ersten Stadtlabors Online.

 


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