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Arbeitskreis Engagementförderung
  • Foto: Körber-Stiftung

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    »Auf dem Weg in eine europäische Zivilgesellschaft«

    »Ein funktionierendes europäisches Miteinander braucht ein zivilgesellschaftliches Fundament« – begrüßte Karin Haist, Leiterin des Bereichs Gesellschaft der Körber-Stiftung, die Teilnehmer des Forums Engagementförderung auf dem Deutschen Stiftungstag 2015 in Karlsruhe.

    Das Anliegen der Podiumsveranstaltung: der Idee einer europäischen Bürgergesellschaft nachzuspüren – und sich darüber auszutauschen, welche Impulse für ein bürgerschaftliches Europa von Stiftungen ausgehend könnten. Als so kundiger wie leidenschaftlicher Europäer gab zunächst Gerald Häfner, langjähriger Grünen-Abgeordneter im Bundestag und im EU-Parlament, Einblick in die Beziehungen zwischen EU-Politik und Zivilgesellschaft. Er machte deutlich, wie sehr in der Geschichte der EU der Fokus immer stärker auf die Idee einer Wirtschafts- und Währungsunion gerichtet war als auf einer gemeinsamen europäischen Zivilgesellschaft. Ein Europa der Bürger aber könne jetzt und in der Zukunft nur über eine starke Beteiligung und Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger erreicht werden. Noch, so Häfner, stecke Europa da allerdings in den Kinderschuhen.

    In der anschließenden Podiumsdiskussion ergänzte Gregor Hackmack, Deutschland-Chef von change.org, der weltgrößten Plattform für Online-Petitionen und Gründer und Geschäftsführer von Abgeordnetenwatch, dass gerade digitale Beteiligungsplattformen geeignet seien, eine noch immer in nationalstaatlichen Grenzen gedachten Bürgergesellschaft europäisch zu gestalten. Michael Thoss, geschäftsführender Stiftungsrat der Allianz Kulturstiftung, betonte die hohe Bedeutung des Mediums Kultur zur Herausbildung einer Europäischen Identität. Die Allianz Kulturstiftung fördert aber deshalb nicht nur europäische Kultur- und Begegnungsprojekte, sondern sie hat sich auch zum Fürsprecher des »Manifests zur Neugründung Europas von unten« gemacht, das der europäischen Bürgergesellschaft eine Stimme geben und die »nationalen Demokratien europäisch demokratisieren« will – durch die Einführung eines Freiwilligen europäischen Jahres für alle. Die reale Europa-Erfahrung durch Engagement, das allen Bildungsschichten offensteht, fand in der Diskussion des Forums Engagementförderung viel Zustimmung. Und auch das Plädoyer Häfners für mehr Beteiligung war mehrheitsfähig – im festen Vertrauen darauf, dass mehr Mitwirkung und mehr zivilgesellschaftliches Miteinander einem verbreiteten politischen Desinteresse wie auch einer allgemeinen Europamüdigkeit gleichzeitig abhelfen könnten.

    Unter dem Titel »Auf dem Weg nach Europa. Stiftungen in Deutschland« fand das große Jahrestreffen des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen vom 5. bis 8. Mai in Karlsruhe statt. Das Forum Engagementförderung ist einer von vielen Stiftungsarbeitskreisen im Bundesverband; es wird von Karin Haist geleitet.  


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