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Stiftungen und das Engagement von Kindern und Jugendlichen

Studie zur Finanzierung der Zivilgesellschaft

Am 26. Januar fand das 7. Forum Engagementförderung im KörberForum statt, dieses Jahr unter dem Titel »Fördern und Mitentscheiden lassen – Stiftungen und das Engagement von Kindern und Jugendlichen«. Auf der Tagung diskutierten Experten, Kenner und Entscheider aus Stiftungen, die bürgerschaftliches Engagement fördern, aus zwei komplementären Blickwinkel über Kinder- und Jugendengagement – ein Thema, welches im Demografischen Wandel verstärkt an Bedeutung gewinnt: Zunächst einmal die klassische Frage, was Stiftungen tun können, um das Engagement von Kindern und Jugendlichen zu fördern, und wie diese davon profitieren. Auch wurde der Blickwinkel umgedreht und der Frage nachgegangen, wie Stiftungen vom Engagement von Kindern und Jugendlichen, etwa durch Beiräte oder andere Formen der Einbindung, profitieren können.

Dreh- und Angelpunkt der ersten dieser beiden Fragestellung war der Vortrag »Bildung – Engagement – Demokratie: ein Mehrgewinnerspiel?« von Prof. Dr. Anne Sliwka von der Universität Heidelberg, in welchem sie insbesondere die reziproke Verknüpfung von Engagement und Lernen hervorhob. Für sie ist das Erlernen von Inhalten nicht bloß ein indirekter Nebeneffekt von Engagementprojekten in der Schule, sondern eindeutig hiermit verknüpft. Standen früher nicht selten vor allem die karitativen und gemeinnützigen Aspekte hierbei im Vordergrund, die nur implizit mit Bildungszielen verknüpft wurden, so ist heute die explizite Ausrichtung auf Bildungsziele ein Qualitätsmerkmal von »Lernen durch Engagement«. Für Prof. Sliwka gehört daher »Lernen durch Engagement« in den Kern schulischer Bildung.

Michael Alberg-Seberich von Active Philanthropy bot anschließend einen kleinen Überblick in die Einbindung von Kindern und Jugendlichen in die Stiftungsarbeit ein. Er unterschied verschiedene Grade der Einbindung und ging auch auf den Mehrwert dieses Engagements und dessen Gelingensbedingungen ein. Diese eher grundsätzlich-einführenden Überlegungen und Gedanken konnten die Gäste dann »mit der Praxis« diskutieren. Bei einem Speed-Dating stellten verschiedene Organisationen ihre Konzepte der Einbindung von Kindern und Jugendlichen in die Stiftungsarbeit vor, und wie ihre eigene Stiftungsarbeit hiervon profitieren kann – vom Kinder- und Jugendbeirat bis hin zu von jungen Menschen selbst geführten Organisationen. Ein Diskussionsfaden, der sich durch die jeweiligen Gespräche zog, war hier die Frage nach den Entscheidungsfähigkeiten und  kompetenzen der engagierten Kinder und Jugendlichen – wobei ein einhelliges Votum der Praktiker war, dass diese ein außerordentliches Verantwortungsbewusstsein mitbringen. Auch zeigte sich, dass wohlmeinende, aber letztlich nicht konsequente Ansätze der Einbindung von Kindern und Jugendlichen – etwa durch eine nur schmückende Scheinpartizipation oder Vetorechte für Erwachsene - wenig Aussicht auf Erfolg habe; diese würden schnell in ihrer instrumentalistischen Funktion entlarvt.

In der abschließenden Podiumsdiskussion wurden beide Perspektiven betrachtet. Prof. Sliwka wies hier auf den insbesondere für die Engagementförderung wichtigen Aspekt der zunehmenden Raumeinnahme der Institution Schule hin: Durch die zeitliche Ausdehnung müssten Förderansätze für Kinder und Jugendliche im Bereich Engagement diesem Umstand verstärkt Rechnung tragen und die Schule stärker in den Blick nehmen. Sigrid Meinhold-Henschel von der Bertelsmann Stiftung knüpfte hier an und berichtete von ansprechenden Ansätzen, Engagementlernen bereits in der Ausbildung von pädagogischen Fachkräften zu verankern. Kaussar Saberi, selbst Mädchenbeirätin von filia.die frauenstiftung plädierte mit Verve überzeugend dafür, Zutrauen in die Fähigkeiten junger Menschen zu haben, und insbesondere passende Einbindungsstrukturen für sie zu schaffen.

Das Programm finden Sie auf den Seiten des
Bundesverbands Deutscher Stiftungen.

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