X
   
Aktuelles

Meldung

Aufbruch ins Oxid-Zeitalter: Körber-Preis 2015 für Nicola Spaldin

Nicola Spaldin hat mit Hilfe von Computermodellen eine neue Klasse von kristallinen Verbindungen entwickelt: Multiferroika versprechen nicht nur die Welt der Computer zu revolutionieren, sondern könnten auch Ausgangsstoff für weitere technologische Neuerungen sein.

Denkbar sind winzige Motoren in Nanometer-Größe, hochpräzise Magnetsensoren oder bei Raumtemperatur funktionierende Supraleitern.

Die von der Preisträgerin »kreierten« Multiferroika – ein Großteil dieser Kristalle kommt in der Natur nicht vor – verdanken ihren Namen der Tatsache, dass sie sowohl ferromagnetische als auch ferroelektrische Eigenschaften aufweisen. So sorgt zum Beispiel das im Multiferroikum Bismutferit enthaltene Eisen dafür, dass der Kristall auf Magnetfelder reagiert, während Bismut und Sauerstoff ihn für elektrische Felder empfänglich machen. Das Material kann Magnet- und Ladungsinformationen nicht nur dauerhaft speichern, sondern die magnetischen Informationen lassen sich mit Hilfe minimaler elektrischer Felder auch verändern.

Bereits Mitte des 20. Jahrhunderts wurden Multiferroika in der damaligen Sowjetunion untersucht. Mangels geeigneter Materialien stagnierte die Forschung jedoch. Nicola Spaldin veröffentlichte im Jahr 2000 einen bahnbrechenden Artikel, in dem sie theoretisch begründete, warum es so wenige Multiferroika gibt. Mit diesem Wissen war sie in der Lage, in Computersimulationen passende Kristalle für die Forschung maßzuschneidern. So bewirkte sie eine weltweite Wiederbelebung der Multiferroika-Forschung.

Nicola Spaldin forscht und lehrt seit 2010 an der ETH Zürich. Die Materialwissenschaftlerin wird den mit 750.000 Euro dotierten Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft am 7. September im Hamburger Rathaus entgegen nehmen.


to top