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Baltic Sea Youth Dialogue stellt aus: Heimat neu gedacht

»Sein Bestes geben ist das Einzige was zählt - Kommunismus oder Demokratie sind nur Worte.« »Heimat ist eine innere Einstellung.« »Frieden und Ruhe sind alles, was ich für ein Zuhause brauche.«

Wie wirken sich Erfahrungen von Flucht und Vertreibung auf das Verständnis von Identität aus? Anfang September nahmen 50 junge Europäer aus 19 Ländern am zweiten Baltic Sea Youth Dialogue im polnischen Olsztyn, der ehemaligen ostpreußischen Stadt Allenstein, teil und gingen auf Spurensuche. Ihr Thema »Heimat neu gedacht – Veränderte Zugehörigkeiten und Identitäten im Nachkriegseuropa«.

Welche Bedeutung hat die Nationalität für die Identität von Menschen, wenn Ländergrenzen verschoben werden? Welche Spuren hinterlässt das erzwungene Schweigen über die eigenen Erfahrungen? Die Jugendlichen hörten ganz unterschiedliche Antworten. Die Ausstellung #regionaleye zeigt die künstlerisch aufgearbeiteten Ergebnisse jetzt online.

Die Jugendlichen aus den Netzwerken von Ostseerat www.cbss.org und EUSTORY forschten mit besonderem Blick auf die Ostseeanrainerstaaten. Mehrere Kurzfilme und ausgewählte Fotos zeigen die Ergebnisse dieser Spurensuche. In ihnen haben die Teilnehmer Begriffe wie »Identität« und »Heimatland«, »Zukunft« und »Vergangenheit« mit Blick auf die regionalen Besonderheiten in Olsztyn bildlich umgesetzt. Ihr Schwerpunkt lag dabei auf der multikulturellen Geschichte der Provinz Ermland-Masuren. In künstlerisch gestaltete Poster übertragene Zitate aus Gesprächen mit Zeitzeugen und jüngeren Bürgern der Stadt runden mit sehr individuellen Einsichten die Gesamtausstellung #regionaleye ab, die erstmals zum Abschluss des einwöchigen Programms in Olsztyn gezeigt wurde.

Die Auseinandersetzung mit regionaler Identität hat viele Teilnehmer dazu bewogen sich nun auf die Spurensuche in ihren Heimat-Regionen zu begeben. Ein Teilnehmerin fasst ihre Erfahrungen aus dem Programm zusammen: »Ich fühle ich mich jetzt viel mehr als eine Europäerin; dank des Seminars sehe ich mich mit so vielen anderen Ländern Europas verbunden«. Ein weiterer Teilnehmer aus Wales sieht einen Zusammenhang zwischen regionaler und europäischer Identität: »Wir Waliser fühlen uns als Europäer, weil uns das erlaubt, gleichzeitig auch Waliser zu sein«.

Die Stadt Olsztyn bot den perfekten Mikrokosmos für den zweiten Baltic Sea Youth Dialogue: 2015 jährt sich mit dem 70. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs auch die geographische und politische Neuordnung Europas. Vor 70 Jahren bestimmte die Potsdamer Konferenz Landesgrenzen neu. Millionen von Menschen mussten ihre bisherige Heimat verlassen und in die neu ausgewiesenen Grenzen ihrer Nationalstaaten umsiedeln. In einigen Ländern war es bis 1989 nicht möglich, öffentlich über die Erfahrung von Umsiedlung und Vertreibung zu sprechen; dazu gehörte auch die Region rund um die polnische Woiwodschaft Ermland-Masuren, in der Olsztyn liegt.

Mit diesem zweiten Baltic Sea Youth Dialogue setzten Ostseerat und Körber-Stiftung ihre Kooperation aus dem Vorjahr fort. Vor Ort wurde der zweite Baltic Sea Youth Dialogue von der Stiftung Borussia in Olsztyn organisiert. Partner war die polnische Provinz Ermland-Masuren. Zusätzliche finanzielle Mittel kamen von der EU-Strategie für den Ostseeraum (EUSBR).

Weitere Informationen zum zweiten Baltic Sea Youth Dialogue


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