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  • Foto: Matthias Heyl/<br />Gedenkstätte Ravensbrück

  • - Meldung

    Begegnung mit Überlebenden – Jugendliche beim 11. »Ravensbrücker Generationenforum«

    Unter den rund 50 Jugendlichen und jungen Erwachsenen nahmen auch acht Preisträgerinnen und Preisträger des diesjährigen Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten an der Jugendbegegnung teil.

    »Es ist der 11. August 2015. Der Zug hält an einem Ort, von dem man meinen könnte, es sei schon immer der friedlichste Ort auf Erden gewesen – an dem die Probleme nie größer waren als die laute Musik der Nachbarn oder ungemähter Rasen. Aber trotz der Postkartenidylle im schönen Ort Fürstenberg zwischen Schwedtsee und Havel trügt der Schein. Zahlreiche Hinweisschilder, Markierungen am Boden und nicht zuletzt der Blick auf einen riesigen Schornstein auf der anderen Seite des Sees erinnern einen daran, dass man sich im Ort des größten Frauen-Konzentrationslagers zur Zeit des Nationalsozialismus befindet: in Ravensbrück. Hier werden wir, eine Gruppe Jugendlicher und junger Erwachsener aus der ganzen Bundesrepublik, vier Tage verbringen, uns in die Zeit hineinfühlen und mit Überlebenden ins Gespräch kommen. Meine Erwartungen? Geschichte nicht nur erfahren, sondern auch fühlen und dadurch verstehen zu können.« Linn, 17 Jahre alt, beschreibt ihre Ankunft in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, wo vom 11. bis 14. August das 11. »Ravensbrücker Generationenforum« stattfand. Es wurde gemeinsam von der Dr. Hildegard Hansche Stiftung und den Pädagogischen Diensten der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück in der internationalen Jugendbegegnungsstätte Ravensbrück realisiert und von der Körber-Stiftung unterstützt.

    »Unvergessliches und wertvolles Erlebnis«

    Die intensive Begegnung mit den Überlebenden des Frauen-Konzentrationslagers Ravensbrück Batsheva Dagan aus Israel, Eva Bäckerova aus der Slowakei und der gebürtigen Niederländerin Selma van de Perre stand im Mittelpunkt des viertägigen Programms. Cara Sophie reflektiert ihre Begegnung mit den Zeitzeugen: »Die Chance und das Privileg, mehr über die nationalsozialistische Vergangenheit aus erster Hand zu erfahren und damit auch für die Gegenwart zu lernen, waren für mich ein unvergessliches und wertvolles Erlebnis.« In Kleingruppen konnten die Jugendlichen sich mit den Überlebenden austauschen und mehr über ihre Lebensgeschichte erfahren. Krystian und Peter gingen in die Gruppe von Batsheva Dagan. »Ihr Vortrag über ihre Erlebnisse im Ghetto Radom, ihrer Flucht nach Deutschland, ihre Einweisung ins KZ Auschwitz und ihre Erlebnisse mit dem KZ Ravensbrück haben mich sehr interessiert«, erzählt Krystian. »Beeindruckend, dass Batsheva so selbstbewusst und aktiv ist«, fügt Peter an. Neben den Zeitzeugengesprächen beschäftigten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch mit verschiedenen Aspekten der Geschichte des Konzentrationslagers: In verschiedenen Workshops setzten sie sich mit dem Thema KZ-Zwangsarbeit auseinander, recherchierten Biografien von inhaftierten Kindern im Lager, besprachen die Rolle des Männerlagers im KZ Ravensbrück und beschäftigten sich mit Formen der Verarbeitung des Erlebten am Beispiel von Gedichten. Dabei kam es auch zu vielen Gesprächen unter den Jugendlichen, die sich über ihre bisherigen Erfahrungen im Umgang mit der Geschichte der Konzentrationslager austauschten. Paula berichtet: »Ich habe Menschen verschiedenen Alters kennengelernt, mit denen ich reflektiert diskutieren, Erfahrungen austauschen und Gedanken erzählen konnte. Ich hätte nicht gedacht, dass ein Ort, an dem zu einer Zeit Schlimmstes passiert ist, ein Ort werden kann, an dem Menschen sich für einen Austausch so zusammenfinden können.«

    Den Abschluss des Programms bildete ein gemeinsames Gedenken am Ufer des Schwedtsees – dort, wo die Asche aus dem Krematorium des Lagers hinein geschüttet wurde. »Jeder von uns trägt eine Rose und während wir sie auf dem Schwedtsee schwimmen lassen, gedenkt jeder still und auf seine eigene Art. Ich habe gelernt, dass das Gedenken auch eine unfassbar große Verantwortung ist, derer nachzukommen wir alle aufgerufen sind«, erklärt Linn. »Und das, das war das Ende von vier intensiven Tagen der Begegnung in Ravensbrück. Tagen, in denen wir einander kennen und schätzen gelernt haben, Stunden des Nachdenkens und des Gedenkens an die Zeit vor 70 Jahren und Momente der intensiven Gespräche und des Innehaltens. Ich weiß, dass die kommenden Tage wieder Tage des Reflektierens sein werden, weil mich das, was ich hier gesehen habe, nicht mehr loslässt. In Ravensbrück zu sein ist nicht das gleiche wie davon in Büchern zu lesen oder es in Filmen zu sehen. Denn in Ravensbrück zu sein bedeutet, fühlen und verstehen zu lernen und zwar genauso, wie ich es mir von Anfang an erhoffte. In Ravensbrück gewesen zu sein heißt, schätzen zu lernen was man hat und die Menschen um einen herum wieder ein bisschen besser zu verstehen«, fügt sie an.

    Mehr Informationen zum »Ravensbrücker Generationenforum«

    Informationen zum Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten:
    www.geschichtswettbewerb.de
    www.facebook.com/geschichtswettbewerb


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