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»Glück statt Geld?«

Eckart von Hirschhausen und Sabine Donauer über ein verändertes Verständnis von Arbeit


Warum ein Pinguin nie eine Giraffe sein, ein gecancelter New York-Flug glücklich machen und ein herkömmliches Shampoo zum Ersatz für eine Psychotherapie werden kann, darüber sprachen Eckart von Hirschhausen und Sabine Donauer im KörberForum. Moderiert von Zeit-Redakteur Manuel Hartung blickte der Kabarettist und Mediziner von Hirschhausen aus individueller Perspektive auf das Thema des Abends. Viele Deutsche seien nicht glücklich, was am persönlichen Vergleich mit anderen liege. Glück sei relativ und entscheidend sei, mit wem man sich vergleiche und wie glücklich das persönliche Umfeld und die Gesellschaft als Ganzes sind.

Die Historikerin Sabine Donauer setzte hingegen strukturpolitisch an. Heutzutage verspricht Arbeit Glück in Form von Erfüllung und Selbstverwirklichung, aber können Unternehmen diese Versprechen immer halten? Die Unternehmensrealität sei nicht immer Sinnstiftung, betonte sie, die Versprechen können (besonders bei trivialen Tätigkeiten) oft nicht eingelöst werden.

Beide waren sich einig, dass uns vor allem frei verfügbare Zeit glücklich mache und Zeitwohlstand nicht mit Geld aufzuwiegen sei - im Gegenteil, dass wir unser Zusammenleben verändern und unser Konsum- und Arbeitsverhalten als Gesellschaft überdenken müssen. Ist Wachstum permanent erstrebenswert? Was ist der wahre Lohn der Arbeit? Von Hirschhausen betonte, wie sehr  ein Umdenken notwendig sei: Sinnhafte Arbeit müsse von der Gesellschaft wahrgenommen und wertgeschätzt werden. Dabei ginge es nicht nur um unterbezahlte, vorrangig soziale Berufe, sondern auch um andere Arten von Arbeit (abseits der klassischen Erwerbstätigkeiten) wie Ehrenamt, Engagement oder Erziehungsarbeit.

Neben vielen Fakten und amüsanten Anekdoten hatten Sabine Donauer und Eckart von Hirschhausen auch Vorschläge für die Zukunft: zwei ‚soziale Jahre‘, eins in der Jugend, eins mit 65? Mehr Solidarität und gesellschaftlich wertvolle Beschäftigungen hielten beide für eine gute Möglichkeit, um unsere längere Lebensarbeitszeit sinnvoll und glücklich zu verbringen.

Um die Erkenntnisse des Abends mitzunehmen und sich an ein persönliches Aha-Erlebnis zu erinnern, gab es noch eine der berühmten roten Nasen für jeden. Wie von Hirschhausen treffend formulierte, liegt »ein Teil unserer Unfähigkeit zum Glück auch an uns«; und bei »Dingen, die sich nicht ändern lassen, haben wir dennoch die Freiheit, unsere Haltung gegenüber den Dingen zu ändern.«

Was es mit dem Pinguin, dem New York-Flug und dem Shampoo auf sich hat, sehen sie im VIDEO.

Fotogalerie

Fotos: Claudia Höhne

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