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Lebendige Bürgergesellschaft

Neue Nachbarn – lebt Hamburg gut zusammen?

In der Kommune zeigen sich gesellschaftliche Herausforderungen für gelungene Gemeinschaft am deutlichsten, aber auch in den einzelnen Bezirken einer Großstadt wie Hamburg. Veränderungen in dieser Gemeinschaft, die zu Problemen führen, erfordern nachhaltige Lösungen sowie einen Dialog mit allen Akteuren. Ein Thema, mit dem sich auch die Körber-Stiftung immer wieder in ihrer operativen Arbeit beschäftigt.

Hamburg wächst und verändert sich dadurch. Neue Menschen ziehen hinzu und verwandeln so das Gesicht der Stadt. Eine Veranstaltung der Patriotischen Gesellschaft, der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S., der Initiative Offene Gesellschaft und der Körber-Stiftung widmete sich den dadurch entstehenden Herausforderung. Viele Bürger sehen derartige Veränderungen als eine Chance an, andere aber auch als Bedrohung. Gerade im eigenen Umfeld, der unmittelbaren Nachbarschaft, werden aus bloßen Zahlen neue Nachbarn, wird Veränderung direkt sichtbar und erlebbar. Wie die Stadtgesellschaft künftig aussehen kann, die weltoffen, tolerant und pluralistisch ist, zugleich aber vertraute Heimat bleibt, war das Thema einer Diskussionsrunde im Reimarus-Saal der Patriotischen Gesellschaft.

Das Zusammenleben in Stadt und Kommune ist ein Thema, mit dem sich die Körber-Stiftung schon lange in ihrer operativen Arbeit beschäftigt. Das Programm »Engagierte Stadt« ist ein Beispiel für die Förderung tragfähiger, kommunaler Engagementstrukturen durch trisektorale Kooperationen zwischen Zivilgesellschaft, Stadtverwaltung und Wirtschaft. Das »Netzwerk demografiefeste Kommune« regt zum Austausch kommunale Entscheider untereinander über die Potenziale des demografischen Wandels. Und anlässlich des jährlichen Demografie-Symposium, das in diesem Jahr zum Thema »Heimat in der superdiversen Stadt« stattfindet, stellen nationale und internationale best-practices sich und ihre Erfolgsstrategien für ein besseres Zusammenleben vor Ort vor.

»Kommune ist der Ernstfall der Demokratie«, zitierte Bezirksamtsleiter Falko Droßmann den ehemaligen Bundespräsidenten Johannes Rau. Für Droßmann stellte sich im Gespräch die Frage: »Wie gestalten wir unseren Sozialraum so, dass wir in unserer Stadt wieder mehr aufeinander achten?« Er plädiert dafür, als Stadtgesellschaft auch experimentieren zu dürfen und Fehler zu machen. Ein erster Schritt müsse es sein, Begegnungsräume zu schaffen, in denen Menschen zusammenkommen und sich untereinander austauschen. Hamburg-Mitte hat bereits neue Integrations- und Familienzentren eingerichtet – das Stadtteilhaus »Horner Freiheit« gilt als Modellprojekt. 

Orte und Begegnung, aber auch Spracherwerb, der Zugang zu Arbeit und Wohnraum seien die wichtigsten Parameter für gelingendes Miteinander, gerade auch im Hinblick auf die Integration von Flüchtlingen, bekräftigte die Hamburger Landespastorin Annegrethe Stoltenberg, neu im Amt der Ombudsfrau der Hamburger Ombudsstelle für Flüchtlingsarbeit. Von in der Flüchtlingsarbeit Engagierten aus dem Publikum kam die Forderung nach einer Stärkung der Eigeninitiative und Eigenverantwortlichkeit der Geflüchteten – um sie zu aktivieren und zu motivieren. Und auch eine alte Grundsatzfrage der Integrationsdebatte entzündete sich am Thema Geflüchtete neu: Wer muss sich integrieren? Denn Integration kann nicht nur einseitig funktionieren.

Vielfalt erfordert den Dialog mit allen Akteuren. Die Diskussion spiegelte lebhaft die vielen Facetten der Gestaltung dieser Vielfalt in der Hansestadt Hamburg wider, so etwa die Rolle der Kultur, insbesondere auch der Stadtteilkultur oder die Bedeutung von Bildung. Am Ende konnten sich Podium und der Großteil des Publikums der Meinung von Jürgen Lüthe, Vorstandsmitglied der Patriotischen Gesellschaft, anschließen: »Hamburg als Gemeinwesen hat die Aufgabe gut aufgenommen.« Gerade die Partnerschaftlichkeit von Zivilgesellschaft und Stadtverwaltung in der Flüchtlingsfrage könne bundesweit durchaus als positives Beispiel betrachtet werden.

Neben Falko Droßmann und Annegrethe Stoltenberg waren die Geschäftsführerin der altonale, Heike Gronholz, die Geschäftsführung des LOLA Kulturzentrum e.V., Ortrud Schwirz, und Klaus Schomacker, einer der Initiatoren der Volksinitiative »Hamburg für eine gute Integration« als Impulsgeber zu Gast. Moderiert wurde die Veranstaltung von Andre Wilkens von der Initiative Offene Gesellschaft.

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