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Deutscher Stiftungstag 2018

»Update! Stiftungen und Digitalisierung« – hieß das Motto des Deutschen Stiftungstags 2018 vom 16. bis 18. Mai in Nürnberg. Mehr als zwei Drittel der über 130 Veranstaltungen zielten darauf ab, den technologischen und kulturellen Wandel in Stiftungen und ihrem Umfeld zu diskutieren. Denn auch für Stiftungen ergeben sich durch die Digitalisierung neue, effizientere und flexiblerer Formen der Arbeit. Auch die Körber-Stiftung lud in Veranstaltungen zur Diskussion über neue Formen des bürgerschaftlichen Engagements ein.

Neue Formen des Engagements

Profitieren Engagierte von der Digitalisierung? Und wie lässt sich bürgerschaftliches Engagement durch die Digitalisierung stärken? Bleibt alles anders? Karin Haist, Körber-Stiftung, Leiterin des Arbeitskreises Engagement-Förderung im Bundesverband Deutscher Stiftungen, diskutierte mit ihren Podiumsgästen und Teilnehmern die Chancen für bürgerschaftliches Engagement im digitalen Zeitalter. Dass das Engagement in erheblichem Maße von den neuen Möglichkeiten der Digitalisierung profitiert, machte Mike Weber vom Kompetenzzentrum Öffentliche IT des Fraunhofer-Instituts in einem Impulsvortrag deutlich. Digitalisierung stärke nicht nur das bürgerschaftliche Engagement, sondern bringe auch neue Formen des Engagements zutage: Onlineberatung und –plattformen, Crowdfunding, neue IT-Anwendungen und Apps für Engagierte.

Demokratie reloaded

Die Demokratie hat das Zeug, unsere in die Krise geratene Demokratie zu beleben. Sie kann helfen, politisches Handeln transparenter zu machen – Stichwort Open Data – und die Beteiligungsmöglichkeiten zivilgesellschaftlicher Akteure zu vergrößern. Inwieweit diese Möglichkeiten tatsächlich schon ergriffen werden, diskutierte Julia André, Körber Stiftung, mit Solveig Schröder, Organisatorin der Initiative »Code for Hamburg«, Ralf Laumer vom Landkreis Marburg-Biedenkopf und Timo Lundelius, ebenfalls Code for Hamburg.

Wann ist nah zu nah?

In Deutschland sind mehr als 1.500 Stiftungen »unternehmensnah« konstruiert. Sie halten Anteile an einem Unternehmen oder wurden von einem Unternehmer oder einer Unternehmerin gegründet. Diese Stiftungen profitieren vom Mittelfluss aus den Unternehmen, zugleich signalisieren  die Unternehmen damit ihre Bereitschaft zur Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung. Wieviel Transparenz bedarf es bei der Abgrenzung zwischen Unternehmen und Stiftungen und welche Regeln sollten gelten? Darüber diskutierte die Wirtschaftsjournalistin Ulrike Weidenfeld mit Jörn Block, Professor für Unternehmensführung an der Universität Trier, Nathalie von Siemens, Geschäftsführender Vorstand der Siemens Stiftung und Lothar Dittmer, Vorstandsvorsitzender der Körber-Stiftung auf der Veranstaltung »Wieviel Unternehmensnähe dürfen Stiftungen haben?«

»Unternehmen, die sich mehrheitlich im Eigentum einer Stiftung befinden, agieren ähnlich wie Familienunternehmen und sind ein gewolltes Stück Industriepolitik.« Lothar Dittmer bezog zu Beginn der Veranstaltung Position und zeigte zugleich den gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Nutzen dieses Modells auf: Unternehmensbeteiligungsstiftungen handelten im Sinne der Kontinuität des betreffenden Unternehmens, sie sicherten es vor Zerschlagung oder feindlicher Übernahme und sorgten durch moderate Dividenden-Erwartungen in der Gegenwart für eine Stärkung sowohl des  Unternehmens als auch der Stiftung in der Zukunft. Die Gesellschaft profitiere nicht nur von der gemeinnützigen Arbeit der Stiftungen, sondern auch von der Schaffung von Arbeitsplätzen in den betreffenden Unternehmen und der damit verbundenen Stärkung des Industriestandortes Deutschland.

Um Vertrauen für die gemeinnützige Arbeit zu schaffen, so Lothar Dittmer weiter, setze die Körber-Stiftung auf ein  hohes Maß an Transparenz. So habe man sich wie zahlreiche andere unternehmensnahe Stiftungen der Initiative Transparente Zivilgesellschaft angeschlossen und berichte ausführlich über die eigenen  Aktivitäten. Auch zur Grenze zwischen dem Unternehmenshandeln und der Arbeit einer gemeinnützigen Stiftung positionierte sich Lothar Dittmer klar: Es sei völlig legitim, wenn unternehmensnahe Stiftungen auch Themen und Programme bedienten, die mit der Sicherung der Zukunftsfähigkeit Deutschlands zu tun hätten, etwa bei der Förderung von Aktivitäten zu Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, kurz MINT. Wenn jedoch die Programme einer gemeinnützigen Stiftung dazu dienten, das Kerngeschäft eines Unternehmens voranzutreiben oder solche Stiftungen Dienstleistungen im Unternehmensinteresse anböten, sei eine »rote Linie« überschritten.

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