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»Gefühlt sind es immer zu wenig Preise für zu viele dufte Beiträge«

Am 28. Februar war Einsendeschluss beim 26. Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten. Für rund 5.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist damit die Forschungsphase abgeschlossen. Während sie gespannt auf die Wettbewerbsergebnisse warten, beginnt für rund 160 ehrenamtliche Jurorinnen und Juroren die Bewertungsphase auf Landesebene. Matthias Heyl, Koordinator der Landesjury Brandenburg, gibt im Interview Einblicke in die Juryarbeit und erzählt, was ihn an der Jurorentätigkeit besonders reizt. 

Wie läuft die Arbeit in der Jury ab?

Zuerst treffen sich die Jurykoordinatoren aus den Bundesländern in Hamburg und brüten über einer Musterarbeit, um gemeinsame Standards bei der Bewertung zu entwickeln. Grundlage dafür sind die Ausschreibungsunterlagen. Das gleiche machen wir in den jeweiligen Landesjurys zum Auftakt der ersten Sitzung und dann sind wir frohen Mutes, dass wir unsere Urteile sicher fällen können. Anschließend teilen wir Beiträge aus dem Bundesland unter den Jurymitgliedern auf.

Nachdem jeder seine Gutachten geschrieben hat, feilschen wir bei einer gemeinsamen Abschlusssitzung nun darum, welche Beiträge einen Landes- oder Förderpreis bekommen. Die Landespreissieger werden dann an die Bundesjury weitergeleitet und haben noch die Chance, mit einem Bundespreis ausgezeichnet zu werden. Die Zahl der Landespreise variiert je nach Beitragszahl im Bundesland. Gefühlt sind es immer zu wenig Preise für zu viele dufte Beiträge.

Wie teilen Sie die Beiträge innerhalb der Landesjury auf?

Das ist verschieden. Dabei kann der berufliche Kontext der Juroren entscheidend sein oder auch einfach das besondere Interesse für ein Thema. In den Jurys sind von der Historikerin, dem Gedenkstättenpädagogen bis zur Archivarin oder dem Lehrer viele Expertinnen und Experten versammelt. Bei der Aufteilung möchten wir erreichen, dass zum Beispiel Grundschularbeiten mit sicherem Händchen und ermutigend juriert werden. Die Stärken und Interessen der einzelnen Juroren kommen an dieser Stelle zum Tragen. Innerhalb der Jury arbeiten wir in Zweierteams, da es pro Beitrag immer ein Erst- und ein Zweitgutachten gibt. Währenddessen haben wir immer die Kinder und Jugendlichen als Forschende vor Augen. Sie sind keineswegs Fremde für uns.

Was macht diese Arbeit für Sie spannend und wertvoll?

Ich bin immer wieder begeistert, zu sehen, wie sich Kinder und Jugendliche mit Geschichte auseinandersetzen. Dabei kommen einige auf ziemlich spannende Darstellungsformen. Auch durch Zeitzeugengespräche und Archivbesuche werden viele Themen zu Tage gefördert, die von den Profi- Historikerinnen und -Historikern gelegentlich weniger beachtet werden. Dadurch, dass die Forschenden hinter den Beiträgen aus der gleichen Region kommen wie wir Jurorinnen und Juroren, bekommen wir häufig einen neuen Aspekt unserer regionalen Geschichte vorgeführt. Dieser läuft sonst womöglich unter dem Radar aber spielt für die Wahrnehmung von Geschichte vor Ort eine wichtige Rolle. 

Gibt es etwas, auf das Sie sich besonders freuen?

Richtig toll ist es, wenn Jugendliche es schaffen, kritisch mit Quellen umzugehen. Das ist kein Selbstläufer. Häufig entsteht für die Jugendlichen der Eindruck, dass das von Zeitzeugen Erzählte auch genauso geschehen sein muss. Die waren ja schließlich dabei. Die echten Reißer sind die Arbeiten, bei denen die Schülerinnen und Schüler sich gründlich Gedanken gemacht haben. Und dann hatten sie vielleicht auch noch das Glück, einen Tutor oder eine Tutorin zu haben, der oder die ihnen bei der Suche nach Quellen wertvolle Hinweise geben konnte. Manchmal entdecken auch wir Juroren im Anhang eines Beitrags für uns völlig unbekannte aber interessante Quellen. 

Sie haben selbst als Schüler am Geschichtswettbewerb teilgenommen. An welche Hürden bei Ihrer Teilnahme erinnern Sie sich?

Ich habe damals als Teilnehmer gedacht, dass man für eine historische Arbeit ganz besonders ›wissenschaftlich‹, also ›ununterhaltsam‹ schreiben müsse. Aber das war ein Anfängerfehler. Heute ist es für mich immer wieder ein Highlight, wenn ein Beitrag so geschrieben ist, dass man den so richtig gerne liest. 

Inwiefern hat diese Erfahrung Sie auf ihrem weiteren Lebensweg begleitet?

Die Wettbewerbsteilnahme hat meinem ganzen weiteren Leben eine ungeahnte Richtung gegeben. Nach den ersten Beiträgen, die ich 1980 und 1982 noch als Schüler geschrieben habe, war für mich klar, dass ich Geschichte studieren wollte. Von Anfang an war ich angetan von den Gesprächen mit Zeitzeugen und Überlebenden, habe dann aber auch Historikerinnen und Historiker kennengelernt, die mich sehr beeinflusst haben.

Dass ich heute in der KZ-Gedenkstätte Ravensbrück arbeite, gibt mir die Möglichkeit, mein Wissen zu teilen, aber auch im Gespräch mit den Besucherinnen und Besuchern dazuzulernen. Immer wieder beeindrucken mich gerade Jugendliche mit ihren klugen Fragen, die sie an die schwierige Geschichte richten, mit der ich beruflich zu tun habe.
Wenn wir mit offenen Augen durchs Leben gehen – und die Geschichte gehört dazu –, haben wir eine sehr viel bessere Chance, eine ganze Reihe von Fehlern in der Gegenwart zu erkennen und zu vermeiden.     

Matthias Heyl ist Leiter der Pädagogischen Dienste der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück und der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Ravensbrück. Nach mehreren erfolgreichen Teilnahmen am Geschichtswettbewerb während seiner Schulzeit, engagiert er sich seit 1998 als Juror und Jurykoordinator beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten.
 

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