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Corona

Die Corona-Krise könnte die Welt näher zusammenbringen

Die Corona-Pandemie beschäftigt die ganze Welt. Doch während viele Staaten ihre Grenzen dicht machen, biete die Pandemie auch eine Chance für verstärkte internationale Zusammenarbeit, meint Ronja Scheler, Programmleiterin bei der Körber-Stiftung.

Soziale Distanz und Abstand halten gehören angesichts der Corona-Pandemie zu den wichtigsten Verhaltensregeln dieser Tage. Dennoch entsteht derzeit an vielen Orten ein Gefühl von Solidarität, von »wir sitzen alle im selben Boot«. Was im Zwischenmenschlichen geschieht, könnte im Idealfall auch die ganze Welt infizieren.

Nationale Reflexe

Doch wie so oft in Krisenzeiten verfallen zahlreiche Staaten in nationale Reflexe. Schon jetzt erwarten viele Beobachtende, dass nach der Überwindung der Corona-Krise De-Globalisierungstendenzen und Protektionismus zunehmen werden. Staaten wollen sich unabhängiger von globalen Lieferketten und der Produktion kritischer Güter im Ausland machen.

Gemeinsam gegen die Ausbreitung des Virus

Es ist fraglich, ob solche Strategien in einer hochgradig vernetzten Welt zum Erfolg führen werden. Gerade jetzt wäre es wichtig, dass die internationale Gemeinschaft den Kampf gegen die Ausbreitung des Virus gemeinsam aufnimmt. Auch gegen die Leiden der COVID19-Erkrankten sowie die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Pandemie. Die Bevölkerung scheint das zu befürworten. Mehr als vier von fünf US-Amerikanerinnen und -Amerikanern sind der Meinung, die USA sollten den Kampf gegen das Coronavirus nicht allein, sondern gemeinsam mit anderen Staaten aufnehmen. Das zeigt eine von der Better-World-Campaign beauftragte Umfrage. Eine bemerkenswerte Zahl in einem Land, das zur Hälfte einen Präsidenten unterstützt, der »sein Land zuerst« stellt.

In den kommenden Wochen und Monaten muss vor allem die Pandemie eingedämmt werden. Ebenso steht die Behandlung der Patientinnen und Patienten im Mittelpunkt. Doch danach muss eine ehrliche Reflexion darüber folgen, wie viel nationales Klein-Klein man sich eigentlich leisten kann in einer Welt, in der viele Herausforderungen keine Grenzen kennen.

Eine Chance, näher zusammenzurücken

Der deutsche Außenminister Heiko Maas hat vor mehreren Monaten zusammen mit seinem Amtskollegen Jean-Yves Le Drian eine »Allianz für den Multilateralismus« gegründet. Gestaltungswillige Staaten arbeiten hier zusammen, um bei drängenden globalen Herausforderungen stärker international zu kooperieren.

Ein Vorstoß zu globaler Gesundheitspolitik fehlt bislang im Portfolio dieser Allianz. Doch genau damit könnte sich das Netzwerk nun seine Sporen verdienen. Die Allianz bietet die ideale Plattform für Staaten, nichtstaatliche Akteure und die relevanten internationalen Organisationen. Sie können gemeinsam Initiativen entwickeln, wie die internationale Gesundheits-Governance in Zukunft aufgestellt werden sollte.

Das Coronavirus wird Leid über Familien auf der ganzen Welt bringen und die Gesundheitssysteme aller Staaten an den Rand ihrer Funktionsfähigkeit (oder darüber hinaus). Und dennoch bietet sich eine Chance für die Welt, ein Stückchen näher zusammenzurücken. In einer Zeit, in der Multilateralismus und internationale Zusammenarbeit auf dem Rückzug scheinen, sollten wir sie nutzen. Wir sitzen alle im selben Boot.

 

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